# taz.de -- Linken-Anfrage an Bundesregierung: Jedem Zweiten im Osten droht Armutsrente
> Für eine auskömmliche Rente ist genug Lohn nötig. Viele Menschen
> verdienen aber so wenig, dass rein rechnerisch eine Rente unter der
> Armutsgrenze herauskommt.
(IMG) Bild: Altersarmut heißt auch beim Einkaufen sparen
dpa | Mit ihrem aktuellen Verdienst steuern Millionen Beschäftigte in
Deutschland rechnerisch auf [1][Renten] unterhalb der
Armutsgefährdungsgrenze zu. Das zeigen Daten zum aktuellen Monatsverdienst
in Deutschland und zur Armutsschwelle, die der Linken-Abgeordnete Dietmar
Bartsch von Bundessozialministerium und Statistischem Bundesamt angefragt
hatte.
Demnach droht rechnerisch in Ostdeutschland mehr als jedem und jeder
zweiten Beschäftigten nach 45 Jahren in Vollzeit im Alter eine Rente an der
Armutsgefährdungsgrenze, bundesweit mehr als jedem und jeder dritten.
Allerdings wird dabei nur vom aktuellen Verdienst ausgegangen, mögliche
künftige Veränderungen sind nicht berücksichtigt. Die Angaben lagen der
Deutschen Presse-Agentur vor.
Demnach ist ein Bruttomonatsentgelt von 3.771 Euro nötig, um einen
Rentenzahlbetrag in der Höhe der Armutsgefährdungsschwelle zu erreichen.
Bartsch hatte von der Regierung wissen wollen, was man aktuell in Vollzeit
verdienen muss, um nach 45 Beitragsjahren eine gesetzliche Rente auf so
einem Niveau zu erhalten. Die Armutsgefährdungsgrenze lag laut
Statistischem Bundesamt 2025 bei 1.446 Euro brutto. Statistisch als
armutsgefährdet gilt man mit weniger als 60 Prozent des mittleren
Einkommens der Gesamtbevölkerung.
Das Bundessozialministerium wies in seiner Antwort darauf hin, dass es sich
um eine „abstrakte Modellrechnung“ handele, die ein über 45 Jahre
konstantes Lohnverhältnis unterstelle. Tatsächlich könne aus der Lohnhöhe
eines Jahres nicht auf die Einkommenssituation im Alter geschlossen werden.
## Unter 3.700 Euro Einkommen bei 54 Prozent im Osten
Laut Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamts lagen zuletzt
bundesweit fast 39 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse in Vollzeit unter
3.700 und 44 Prozent unter 3.900 Euro (April 2025). Im Osten sind es sogar
54 Prozent unter 3.700 und fast 60 Prozent unter 3.900 Euro brutto im
Monat.
Bartsch sagte: „Die Schieflage bei Löhnen und Renten ist inakzeptabel
groß.“ Leistung zahle sich zu selten aus. Einen „harten Angriff auf alle
Arbeitnehmer“ nannte er [2][Koalitionspläne], die abschlagsfreie Rente nach
45 Versicherungsjahren als Teil einer umfassenden Rentenreform
abzuschaffen. Bereits heute verdienten Millionen Beschäftigte zu wenig.
Bartsch kritisierte insbesondere [3][Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)]
und warf ihm vor, den Eindruck zu vermitteln, „Arbeitnehmer seien vor allem
zu teuer, zu faul und zu krank“. Deutschland brauche eine Lohnoffensive:
„Unser Land sollte wieder zum Hochlohnland werden – Arbeit muss sich
auszahlen.“
20 Jul 2026
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