# taz.de -- 1.628 Tage Krieg in der Ukraine: Rettung vor Hitze – ein Gesundheitsrisiko?
       
       > Im Badesee Basiw Kut in Riwne kann man sich gut abkühlen, wenn durch
       > Stromsperren die Klimaanlagen ausfallen. Doch er ist durch Bakterien
       > belastet.
       
 (IMG) Bild: Im Krieg fällt gerne auch mal die Klimaanlage aus. Da hilft nur ein Sprung in den Badesee Basiw Kut, auch wenn dort Gefahr lauert
       
       An einem heißen Sommertag Ende Juni stand ich morgens gegen acht Uhr auf
       und machte mich für die Arbeit fertig. Zwar hatte ich nachts die Wohnung
       durchgelüftet, trotzdem war es schon wieder heiß und stickig. Ich kühlte
       mich unter der Dusche etwas ab, bevor ich losging. In der Mittagshitze
       musste ich einige Stunden draußen verbringen. Die Temperatur in meiner
       Heimatstadt Riwne hatte an diesem Tag ihren historischen Höchstwert
       erreicht.
       
       Eigentlich war es unmöglich, sich länger außerhalb der Reichweite einer
       Klimaanlage aufzuhalten. Aber [1][durch die Hitze] war das Netz schon seit
       Tagen so überlastet, dass der Strom immer wieder abgeschaltet werden
       musste. Und ohne Strom keine Klimaanlage.
       
       Man stellt sich dann die Frage: Wie rettet man sich vor der Hitze? Für mich
       ist Schwimmen die beste Option. In Riwne bietet sich dafür der große
       Badesee Basiw Kut an. Von jedem beliebigen Punkt der Stadt aus ist er
       schnell per Bus, Auto und sogar zu Fuß zu erreichen. Und das Beste: Er
       kostet keinen Eintritt.
       
       Außerdem gibt es einen Sandstrand, Toiletten und Duschen sowie einen
       Sportplatz gleich nebenan. Boote mieten kann man auch. Man könnte also
       denken, dass sowohl die Stadt als auch private Investoren großes Interesse
       an der Entwicklung der Infrastruktur am Basiw Kut hätten. Und ein bisschen
       stimmt das auch. Aber nicht so, wie es für den See gut wäre.
       
       ## Experten raten vom Baden ab
       
       Einer der wichtigsten Akteure bei der Entwicklung des Seegebiets war der
       Bauunternehmer Serhij Kachanowski, der auch von städtischen Behörden
       unterstützt wurde. Beim Bau neuer Wohngebiete ging es zunächst einmal
       darum, die Immobilienpreise in Seenähe stabil zu halten. Es könnte also
       alles schön sein. Doch Vertreter eines regionalen Gesundheitszentrums
       wiesen gegenüber Suspilne, dem staatlichen ukrainischen Rundfunk, auf
       Probleme mit der Wasserqualität hin. Der See könne sich nur noch begrenzt
       selber reinigen.
       
       Schon seit Langem werden im Basiw Kut Bakterien wie Escherichia coli oder
       der Parasit Giardia intestinalis, die Magen-Darm-Beschwerden auslösen
       können, nachgewiesen. Besonders in der Hochsaison. Am Strand wurden bislang
       die Grenzwerte nicht überschritten, doch vom Baden raten Experten dringend
       ab.
       
       Umso mehr wundert man sich, wenn man an einem heißen Tag zum See kommt:
       Denn ungeachtet der Gesundheitsgefahr ist der Basiw Kut im Sommer voller
       Badegäste.
       
       ## Kein Badeverbot – und kaum Alternativen
       
       Das liegt sicher auch daran, dass es eben kein ausdrückliches Badeverbot
       gibt, der Strand sauber ist und vor allem, dass es in Riwne an Alternativen
       mangelt. Es gibt zwar noch ein paar kleinere Teiche, aber in den meisten
       ist das Baden verboten. Auch ein Fluss fließt durch Riwne, die Ustja. Die
       ist jedoch zum Baden zu schmal und außerdem kristallgrün. Das heißt, sie
       ist noch dreckiger als der Basiw Kut.
       
       Es gibt einige private Strände und Schwimmbäder, die jedoch Eintritt
       kosten. Die Preise beginnen bei 270 Hrynja, etwas über 5 Euro. Weshalb die
       Menschen diese Orte eher meiden.
       
       ## Wasserqualität hat sich durch Neubaugebiet verschlechtert
       
       Ich habe einen älteren Kollegen gefragt, wie das in seiner Jugend war.
       Nazar ist um die 40 und sagt, dass man im Basiw Kut noch Anfang der
       Nullerjahre problemlos habe schwimmen können und es keine Berichte über
       Gesundheitsgefahren gegeben hätte. Erst mit dem Bau neuer Wohnsiedlungen am
       See hätten die Probleme angefangen.
       
       Der Fluss Ustja sei allerdings schon seit den 80er Jahren durch Industrie-
       und Landwirtschaftsabwässer verunreinigt worden. Das bestätigen auch
       Umweltschützer der Nationalen Universität für Wasserwirtschaft und
       Naturmanagement in unserer Stadt.
       
       Ende Juni haben Freiwillige vom Freilichtpark Ostwytsia aus begonnen, den
       Basiw Kut mithilfe der Chlorellaalge zu reinigen. Diese Methode hat man
       bereits in anderen Städten der Westukraine wie Chmelnyzkyj und Ternopil
       angewandt. Wenn lokale Behörden diese Aktion unterstützen, können wir
       vielleicht bald wieder gefahrlos baden gehen.
       
       Aus dem Ukrainischen Gaby Coldewey
       
       9 Aug 2026
       
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