# taz.de -- Nein zum Zivildienst: Hinterlistiger Schritt der Bundesregierung
> Zivildienst hat viele Vorteile: Junge Männer leisten Care-Arbeit und
> erweitern ihren Horizont. Trotzdem sollte er nicht wiedereingeführt
> werden.
(IMG) Bild: Zivildienstleistende üben im Jahr 2000 untereinander mit Rollstühlen in der Zivildienstschule Barth das richtige Handling
Der Vorschlag der Bundesregierung, den Zivildienst wieder einzuführen, ist
komplett abzulehnen. Wer noch vor der Aussetzung der Wehrpflicht 2011
Ersatzdienst geleistet hat, erinnert sich oft gern zurück: durchfeierte
Nächte und viel Schabernack. Was Zivis auch trieben, rausschmeißen konnte
man sie nicht, erinnert sich ein Ex-Zivi im Gespräch mit der taz
nostalgisch. Es war schließlich ein Pflichtdienst.
Während die einen in Altenheimen und andere in Krankenhäusern tätig waren,
wurde dieser Mann in einer Tagesstätte für Kinder mit Behinderung
eingesetzt. Dort beaufsichtigte er unter anderem einen 6-jährigen Autisten,
was den damals 18-Jährigen erklärtermaßen deutlich überforderte. Doch die
ausgebildeten Hauptamtlichen, die unter [1][permanentem Personalmangel]
litten, hätten die besonders anstrengenden Kinder gern den Zivis
aufgedrückt. Aber er habe viel gelernt, betont er.
Nicht nur, dass man irgendwann aufhören müsse zu saufen, um morgens wieder
fit zu sein. Auch habe er Menschen getroffen, mit denen er sonst kaum in
Berührung gekommen wäre – also nicht nur die behinderten Kinder, sondern
auch seine Zivikollegen, die anders als er von der Hauptschule kamen.
Klingt das alles nicht super?
## Auch rich kids müssen mal Scheißjobs machen
Junge Menschen tun etwas Soziales fürs Land – diese Idee dürfte vielen
gefallen, von rechts bis links. Zivildienst heißt, dass auch rich kids mal
sehen, was schlechte Arbeitsbedingungen bedeuten. Männer schauen über den
Tellerrand, sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, und leisten –
teilweise das einzige Mal in ihrem Leben – richtig [2][Care-Arbeit]. Auch
aus feministischer Sicht sollten wir die Pläne zur Wiedereinführung des
Zivildiensts also begrüßen, oder nicht?
Nein. Denn all die positiven Effekte ließen sich auch anders erreichen.
Manche fordern ein verpflichtendes soziales oder ökologisches Jahr. Eine
andere Option wäre, dass Männer ein Care-Arbeitsjahr leisten, als
gesellschaftlichen Ausgleich dafür, dass (viele) Frauen Kinder austragen
und großziehen. Oder – es mag in diesen Zeiten fast verrückt klingen – der
Staat bezahlt genug ausgebildete Menschen für die Arbeit in diesen
Pflegebereichen. Es gibt viele Möglichkeiten.
Nicht zu unterstützen ist jedoch der untrennbar mit dem Wehrdienst
verbundene Zivildienst. Diese Idee jetzt im Sommerloch zu verbreiten, ist
ein hinterlistiger Versuch der Bundesregierung, Akzeptanz für die
[3][Wiedereinführung der Wehrpflicht] zu schaffen. Also für das staatlich
organisierte Verheizen vieler junger Männer im Interesse einiger weniger
alter Männer.
5 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lotte Laloire
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