# taz.de -- Anschlag auf den CSD: Queers brauchen dringend bessere psychosoziale Unterstützung
> Es kann nicht sein, dass die queere Community sich selbst überlassen
> wird. Ihre Gesundheit geht alle was an – und das nicht erst seit dem
> CSD-Anschlag.
(IMG) Bild: Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin: Mahnwache vor dem Schauspielhaus in Bochum
Was gilt es nach dem Anschlag im Berliner Tiergarten zu tun? Debatten
drehen sich um Sicherheitskonzepte: Brauchen wir bei kommenden
Großveranstaltungen noch mehr Betonklötze? Es geht um Präventionsmaßnahmen,
[1][um zu vermeiden, dass Gefährder:innen zu Täter:innen werden].
Und um die Frage, ob Behörden versagt haben. Ja, all das gilt es zu
ergründen, zu benennen, zu verbessern.
Die Frage danach, wie wir gesamtgesellschaftlich füreinander Sorge tragen,
scheint in den Diskursen über bessere Sicherheitskonzepte unterzugehen.
Denn die psychosoziale Versorgung der queeren Community ist nicht einmal
annähernd ausreichend.
Um das, was geschehen ist, auszuhalten, [2][steht die queere Community
jetzt tagtäglich füreinander ein]. Schafft Räume, in denen jede:r einfach
sein und ruhen kann. Weint miteinander. Tanzt gemeinsam weiter. Gefühle
bewegen sich zwischen Angst, lähmender Trauer, sich selbst schützendem
Verdrängen, schreiender Wut und der Überzeugung, sich ganz besonders jetzt
nicht einschüchtern zu lassen. Sich die zu bewahren, kostet immer und immer
wieder Kraft. So ungerecht viel Kraft. Verlangt nach Resilienz. Es ist
schlichtweg untragbar, dass es für queere Personen keine ausreichenden
Unterstützungsangebote gibt, um diese Resilienz zu stärken.
Seit 2010 hat sich die Zahl der queerfeindlichen Straftaten – physische
Gewalttaten, Hass im Netz, Nötigung, Bedrohung – [3][beinahe verzehnfacht].
Fachstellen gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.
## Doppelt so häufig Depressionen
Queere Personen leiden je nach Studie mehr als doppelt so häufig an
Depressionen wie die restliche Bevölkerung. Auch posttraumatische
Belastungsstörungen, Angststörungen, suizidale Gedanken, Suizidversuche,
Herz-Kreislauf-Erkrankungen [4][und chronische Rückenschmerzen sind in der
Community verbreiteter]. Aus psychologischer Perspektive sind das völlig
logische Reaktionen der Psyche darauf, nicht in Liebe und Frieden leben zu
können. Queere Personen bekommen in dieser Gesellschaft eine geringere
Chance auf ein gesundes Leben.
Im Sozialgesetzbuch heißt es, unser Versorgungsnetz solle allen Menschen
den Zugang zu Maßnahmen zum Schutz, zur Erhaltung und zur Wiederherstellung
der Gesundheit ermöglichen. Doch dieses Netz hat immens große Löcher.
Diejenigen, die es am meisten brauchen, lässt es fallen.
Die Probleme beginnen schon in der Ausbildung von psychologischen
Psychotherapeut:innen. Was es zum Beispiel bedeutet, andauernd bewertet und
abgewertet zu werden und immer wieder die eigene Identität abgesprochen zu
bekommen – i[5][n der Psychologie wird das als Minderheitenstress
bezeichnet] –, kommt dort viel zu kurz. Auch lernt man kaum etwas darüber,
wie man einen Menschen bei geschlechtsangleichenden Maßnahmen begleitet.
Queersensible Psychotherapie gehört nicht zur Grundausbildung.
Für spezialisierte zusätzliche Weiterbildungen braucht es Zeit und
finanzielle Kapazitäten. Mangelndes Wissen und mangelnde Sensibilisierung
des Fachpersonals erschweren queeren Personen die ohnehin harte
Therapieplatzsuche zusätzlich. Oft erleben die Betreffenden auch in der
Therapie Diskriminierung.
[6][Wenn auch nur ein Teil all der Reden betroffener Politiker:innen
aufrichtig ist], wenn wirklich etwas zum Schutz von Gesundheit und Leben
getan werden soll, dann müssen psychosoziale Beratungs- und
Behandlungsangebote für diskriminierte Gruppen besser finanziert werden.
Und in der Ausbildung der Psychotherapeut:innen muss Wissen über
queere Lebensrealitäten vermittelt und Sensibilisierung erreicht werden.
Es darf nicht in den Händen Betroffener liegen, sich umeinander zu kümmern.
Das müssen wir alle füreinander tun.
1 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Projekte-fuer-Islamismuspraevention/!6199459
(DIR) [2] /Queer-Community-nach-dem-Anschlag/!6199395
(DIR) [3] https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/Lagebilder/SicherheitLSBTIQ/SicherheitLSBTIQ_node.html?utm_source=chatgpt.com
(DIR) [4] https://www.lsvd.de/de/ct/2615-Gesundheit-von-LSBTIQ*#koerperliche-gesundheit
(DIR) [5] https://www.nature.com/articles/s41598-024-78545-6
(DIR) [6] /Reaktionen-auf-den-CSD-Anschlag/!6195255
## AUTOREN
(DIR) Hannah Marlene Göschel
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