# taz.de -- Einsturz der Morandi-Brücke in Genua: 12 Jahre Haft wegen Brückeneinsturz
       
       > Als im Sommer 2018 in Genua eine Autobahnbrücke zusammenbricht, sterben
       > 43 Menschen. Jetzt sind die Urteile gegen die damals Verantwortlichen
       > ergangen.
       
 (IMG) Bild: Menschengemachte Katastrophe: Die Morandi-Brücke in Genua kurz nach ihrem Einsturz im August 2018
       
       dpa | Es war eine Katastrophe mitten im Sommer, mitten in der Stadt, mitten
       im Hauptverkehr: Acht Jahre nach dem [1][spektakulären Einsturz einer
       Autobahnbrücke im norditalienischen Genua], bei dem 43 Menschen ums Leben
       kamen, ist der Hauptangeklagte zu 12 Jahren Haft verurteilt worden. Ein
       Gericht in der Hafenstadt sprach den früheren Chef von Italiens
       Autobahngesellschaft, Giovanni Castellucci, schuldig. Der 66-Jährige sitzt
       wegen eines tödlichen Busunglücks auf einer anderen Autobahn bereits im
       Gefängnis.
       
       In Genua war am 14. August 2018 um 11.36 Uhr die Brücke Ponte Morandi, die
       seit mehr als einem halben Jahrhundert mitten durch die Stadt führte,
       [2][plötzlich zusammengekracht]. Auf einer Strecke von 200 Metern stürzte
       die Fahrbahn nach unten. Autos und Lastwagen wurden 45 Meter in die Tiefe
       gerissen. Grund war nach einem Expertenbericht, dass die 1967 eröffnete
       Schrägseilbrücke wegen mangelhafter Wartung schwere Schäden hatte. Der
       Prozess gegen insgesamt 57 Beschuldigte dauerte vier Jahre.
       
       ## 600 Menschen verloren ihr Zuhause
       
       Bei der Katastrophe starben nicht nur Autofahrer, die auf der Brücke waren,
       sondern auch mehrere Menschen am Boden. Sie wurden von herabstürzenden
       Betonteilen erschlagen. Zudem gab es 16 Verletzte. Etwa 600 Anwohner
       verloren ihr Zuhause. Mehrere Häuser mussten abgerissen werden, weil sie
       unter akut einsturzgefährdeten Brückenpfeilern lagen. Die restlichen Teile
       des Ponte Morandi – benannt nach dem Erbauer Riccardo Morandi – wurden
       schließlich kontrolliert gesprengt.
       
       Weil die Brücke in Genua wichtigste Lebensader zwischen Hafen, Flughafen
       und Zentrum war, war die Stadt mit ihren fast 600.000 Einwohnern zwei Jahre
       lang praktisch in zwei Hälften geteilt. Seit August 2020 steht an derselben
       Stelle eine neue Brücke, die von dem aus Genua stammenden Stararchitekten
       Renzo Piano entworfen und in Rekordzeit nach oben gezogen wurde. Auf ihr
       sind 43 Lichtmasten – ein Mast für jedes Todesopfer.
       
       ## Ein Topmanager als Alleinherrscher
       
       Die Staatsanwaltschaft hatte gegen Castellucci 18 Jahre und 6 Monate Haft
       gefordert. Sie legte dem einstigen Topmanager zur Last, bereits seit 2009
       von Mängeln gewusst zu haben. Die Anklage beschrieb ihn als
       Alleinherrscher, der das Unternehmen wie sein „Königreich“ geführt habe.
       Wichtiger als eine sichere Infrastruktur sei ihm der Profit gewesen. Die
       Verteidigung hingegen sprach von einem nicht erkennbaren
       Konstruktionsfehler an einem der Pfeiler. Castellucci selbst sagte: „Ich
       fühle mich verantwortlich, aber nicht schuldig.“
       
       Trotz des massiven öffentlichen Drucks trat er als Chef der
       Autobahngesellschaft Autostrade per l'Italia (ASPI) erst ein Jahr nach der
       Katastrophe zurück – gegen eine Abfindung von 13 Millionen Euro. Inzwischen
       wurde er bereits wegen eines anderen Unglücks auf einer ASPI-Autobahn zu
       sechs Jahren Haft verurteilt. Dabei kamen 2013 in Süditalien 40 Menschen
       ums Leben, als ein Bus auf einer Brücke durch die Leitplanken brach.
       
       ## Auch Ruf der Familie Benetton ramponiert
       
       Der Einsturz der Morandi-Brücke brachte es auch mit sich, dass die
       Unternehmerfamilie Benetton – international vor allem durch Werbekampagnen
       für bunte Pullover bekannt – die Kontrolle über Italiens Autobahnnetz
       verlor. Der Staat erzwang eine Rückverstaatlichung der
       Betreibergesellschaft. Zudem bedeutete das [3][für Benetton auch einen
       schweren Imageverlust].
       
       16 Jul 2026
       
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