# taz.de -- Flucht vor dem Justizsystem: Neonazi Liebich in Männergefängnis verlegt
       
       > Liebich, die das Selbstbestimmungsgesetz mutmaßlich missbraucht hat, ist
       > wieder in Deutschland. Zunächst wurde die Person in ein Frauengefängnis
       > gebracht.
       
 (IMG) Bild: JVA in Zeithain: Rechtsextremistin Marla Svenja Liebich ist in dem Gefängnis für Männer untergebracht
       
       dpa | Obwohl Neonazi Marla Svenja Liebich offiziell als Frau gilt, soll sie
       ihre Haftstrafe in einem Gefängnis für Männer verbüßen. Das habe die
       Anstaltsleitung im Frauengefängnis in Chemnitz entschieden, teilte das
       sächsische Justizministerium der Deutschen Presse-Agentur mit. 2025 war
       bekannt geworden, dass Liebich den [1][Geschlechtseintrag] von männlich zu
       weiblich hatte ändern lassen, was Kritiker für eine Provokation hielten.
       
       [2][Nach ihrer Auslieferung von Tschechien nach Deutschland] am Mittwoch
       war Liebich zunächst in das Frauengefängnis in Chemnitz gebracht worden.
       Noch am selben Tag sei sie in die Justizvollzugsanstalt Zeithain im
       Landkreis Meißen verlegt worden, hieß es nun.
       
       „Gut, dass die JVA schnell Klarheit geschaffen und sich nicht auf
       Inszenierungen eingelassen hat“, sagte Sachsens Justizministerin Constanze
       Geiert (CDU). Die Entscheidung der Anstaltsleitung wurde demnach unter
       anderem nach einem Gespräch mit Liebich und einer Untersuchung von ihr
       getroffen. In der Abwägung maßgeblicher Aspekte sei es auch um die
       Sicherheit der Frauen im Justizvollzug in Chemnitz gegangen, hieß es.
       
       Im Juli 2023 war die Rechtsextremistin – damals noch als Mann mit dem
       Vornamen Sven – vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede
       und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs
       Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Ursprünglich sollte Liebich die
       Haft schon Ende August 2025 antreten.
       
       ## Gerichtsentscheidung zu Änderung von Geschlecht steht aus
       
       In der Zwischenzeit hatte Sven Liebich seinen Geschlechtseintrag von
       männlich auf weiblich und den Vornamen in Marla Svenja ändern lassen.
       Kritiker sprachen von einem Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes. Vor
       dem Amtsgericht in Halle steht derzeit noch eine Entscheidung darüber aus,
       ob die Änderungen rückgängig gemacht werden können. Der Saalekreis hatte
       nach eigenen Angaben im Dezember 2025 rechtliche Schritte für eine
       Berichtigung des Eintrags eingeleitet.
       
       Weil Liebich dennoch seit der Änderung offiziell als Frau gilt, war sie zum
       Haftantritt in das Frauengefängnis Chemnitz geladen worden. Es ist das
       Liebichs Meldeadresse nächstgelegene Gefängnis. Allerdings trat die
       Rechtsextremistin ihre Haft im vergangenen Jahr nicht an, floh stattdessen
       und wurde erst im April dieses Jahres [3][in Tschechien gefasst].
       
       ## Liebich wollte nicht nach Deutschland gebracht werden
       
       Daraufhin wurde sie nach Pilsen (Plzeň) gebracht. Vor dem Gericht in der
       Stadt im Westen Tschechiens gab Liebich an, nicht nach Deutschland gebracht
       werden zu wollen, weil sie Angst habe, in einem deutschen Männergefängnis
       ums Leben zu kommen. Schließlich gab die tschechische Justiz aber grünes
       Licht für die Auslieferung.
       
       Liebich hatte seit 2014 regelmäßig Demonstrationen organisiert, oft auf dem
       Marktplatz in Halle in Sachsen-Anhalt. Immer wieder kam es dabei auch zu
       Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten. Mehrfach mussten sich Gerichte
       mit Beschuldigungen gegen Liebich auseinandersetzen.
       
       In dem Prozess gegen Liebich, der mit dem rechtskräftigen Urteil zur
       Freiheitsstrafe endete, hatte die Staatsanwaltschaft Halle in sechs
       Anklagen unterschiedliche Vorwürfe gegen die 1970 in Merseburg im
       Saalekreis geborenen Rechtsextremistin erhoben. Einige Vorfälle lagen zu
       Beginn des Prozesses bereits mehrere Jahre zurück.
       
       16 Jul 2026
       
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