# taz.de -- Politiker und WM-Kolumnist: Bundestagsvizepräsident als „Kicker“-Lyriker
> Omid Nouripour von den Grünen glaubt, das Land mit seiner
> Fußballexpertise beglücken zu müssen. Warum eigentlich nur?
(IMG) Bild: Omid Nouripour (Mitte) beim Stadionbesuch
Warum sollte ein Berufspolitiker [1][nicht eine Kolumne über die Fußball-WM
schreiben]? Das könnte man freilich fragen. Naheliegender ist aber die
Frage: Warum nur, Omid Nouripour? Sollen die Zeilen des
Vize-Bundestagspräsidenten zur WM eine Art Kicker- oder Sport-Bild-Ersatz
sein? Dieser Verdacht drängt sich bei der Lektüre der bislang hinterlegten
13 Kolumnen auf. Da informierte der einstige Parteivorsitzende der Grünen
seine Leserschaft, dass Boss und Motor von Ecuadors Team ohne Frage Moisés
Caicedo sei. Mit Blick auf die Elfenbeinküste warf er die Frage auf: „Doch
funktionieren die ‚Elefanten‘ auch als Team?“
Ein guter Schuss Patriotismus darf bei einem Mitglied einer Partei, die
sich in der Mitte verortet, nicht fehlen: „Aber wir sind Deutschland,
natürlich wollen wir den fünften Stern.“ Frank und frei bekennt er, in
Sachen Spanien nachtragend zu sein, [2][des Handspiels von Cucurella] beim
EM-Viertelfinale wegen, was den Deutschen das Ausscheiden beschert hat.
Mainstreamiger kann ein deutscher Fußballfan kaum schreiben.
Darüber hinaus lässt das Mitglied des Deutschen Bundestages vor dem
WM-Halbfinale wissen, dass seine Liebe zum spanischen Fußball mittlerweile
erkaltet ist, weil die Grundstruktur der Mannschaft nicht auf Kreativität,
sondern auf reinste Effizienz ausgelegt sei.
## „Kicker“-Lyrik von Nouripour
Sendungsbewusstsein mag für Parlamentarier nichts Besonderes sein. Aber
weshalb [3][der „glühende Eintracht-Fan“] scheinbar glaubt, das Land mit
seiner Fußballexpertise beglücken zu können, bleibt rätselhaft. Dass er
zwischendurch auch Sportpolitisches zum Thema macht, nimmt dem Ganzen nur
wenig an Peinlichkeit.
Gut, man könnte einwenden, dass sein Pendant in Spanien, der frühere
Regierungschef Mariano Rajoy, seine WM-Kolumnen nutzt, um
rechtspopulistische Themen zu setzten. Dann doch lieber Kicker-Lyrik von
Omid Nouripour, der wohl vor allem auch als Fußballfan gemocht werden will.
Er ist nicht der erste Politiker, der glaubt, dass das für die alltägliche
Arbeit nicht von Schaden sein kann, wenn man sich die Popularität des
Fußballs zunutze macht.
Dass diese WM nur so kurze Zeit angedauert hat, ist gewiss bedauerlich für
Nouripour. Möglicherweise hofft er, in den Kreis der Kicker-Kolumnisten
berufen zu werden. Er könnte weiter über Fußball schreiben – vielleicht im
Wechsel mit Julian Nagelsmann.
15 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://web.de/magazine/autor/omid-nouripour-42370658
(DIR) [2] /Pfeifkonzert-gegen-Marc-Cucurella/!6019593
(DIR) [3] https://www.das-parlament.de/panorama/personalia/der-fussball-fan-omid-nouripour
## AUTOREN
(DIR) Johannes Kopp
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