# taz.de -- Regierung in Großbritannien: Keir Starmers persönliches Finale
       
       > Der scheidende britische Premier lässt sich in Paris feiern. Die
       > Labour-Partei bestätigt derweil Andy Burnham als seinen Nachfolger. Das
       > Parlament wird nicht beteiligt.
       
 (IMG) Bild: Muss jetzt wieder mehr zu Fuß gehen: Keir Starmer, Nochpremier, übergibt Amt und Dienstwagenprivileg am Montag an seinen Nachfolger
       
       Der Countdown läuft. Am kommenden Montag bekommt das Vereinigte Königreich
       einen neuen Premierminister. Andy Burnham löst Keir Starmer ab, der am 15.
       Juni seinen [1][Rücktritt als Vorsitzender der regierenden Labour Party]
       angekündigt hatte. Nachdem bis Montag 349 der 403 Labour-Abgeordneten im
       Unterhaus Burnham für Starmers Nachfolge nominiert haben, bestätigte die
       Parteiführung, dass er als einziger Kandidat am Freitag auf einem
       Sonderparteitag als neuer Parteichef eingesetzt wird. Das üblicherweise
       vorgesehene Mitgliedervotum fällt aus. Am darauffolgenden Arbeitstag,
       Montag, den 20. Juli, übernimmt er dann auch das Amt des Premierministers.
       
       Die Regeln sind klar: Der britische König ernennt zum Premierminister
       diejenige Person, die am ehesten eine Mehrheit im Parlament hinter sich
       scharen kann. Das ist logischerweise der Chef der Partei, die die
       Parlamentsmehrheit hält. Eine Gegenkandidatur zu Burnham als neuem
       Labour-Chef in letzter Minute ist ausgeschlossen: Wer zum Labour-Vorsitz
       antreten will, braucht die namentliche Unterstützung eines Fünftels der
       Fraktion, und Burnham hat bereits mehr als vier Fünftel hinter sich. Am
       Mittwoch und Donnerstag können zwar noch die Labour-Ortsverbände und die
       mit Labour verbundenen Gewerkschaften Kandidaten nominieren, aber nur
       solche, die schon aus der Fraktion nominiert worden sind. Andy Burnham ist
       damit konkurrenz- und alternativlos.
       
       Der nahende Staffettenwechsel in 10 Downing Street beherrscht bereits die
       politische Agenda. Am Montagabend ließ sich Keir Starmer ein letztes Mal
       auf der internationalen Bühne feiern. Beim Pariser Gipfel, der von
       Großbritannien und Frankreich ins Leben gerufenen „Koalition der Willigen“
       zur Unterstützung der Ukraine, organisierte Gastgeber Emmanuel Macron eine
       Jubelapplausrunde für den Briten und lobte ihn für seine „historische
       Rolle“. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte Starmer einen
       Freund. Am Dienstag wohnte Starmer der [2][traditionellen Militärparade zum
       französischen Nationalfeiertag in Paris] bei, an der auch britische und
       ukrainische Truppen teilnahmen – ein emotionaler Höhe- und Schlusspunkt
       seiner politischen Karriere.
       
       ## Was hat Burnham zu sagen?
       
       So viel Anerkennung wird Starmer nach seiner Rückkehr nach London nicht
       mehr erwarten können. Am Mittwoch leitet er seine letzte Kabinettssitzung
       und bestreitet seine allerletzte parlamentarische Fragestunde als
       Premierminister. Sein Nachfolger Andy Burnham sollte am Dienstagabend
       erstmals überhaupt im Parlament sprechen – er wurde am 18. Juni für den
       Wahlkreis Makerfield nahe Manchester, dessen Bürgermeister er zuvor gewesen
       war, [3][ins Unterhaus gewählt], aber hat sich dort seit seiner Vereidigung
       als Abgeordneter am 22. Juni nicht mehr blicken lassen.
       
       Burnhams Geringschätzung des Parlaments hat bei der Opposition Kritik
       ausgelöst, und sie setzt sich fort. Das Unterhaus geht am kommenden
       Donnerstag in die Sommerferien und kommt erst im September zurück. Der neue
       Premierminister übernimmt also sein Amt, bildet seine neue Regierung und
       formuliert sein Regierungsprogramm, ganz ohne parlamentarische Rechenschaft
       ablegen zu müssen – anders als bei jeder vorherigen Auswechslung von
       Premierministern mitten in einer Legislaturperiode.
       
       ## Starmers persönliches Finale
       
       Starmer hingegen hat noch eine Gelegenheit, Geschichte zu schreiben. Sollte
       England in der laufenden [4][Fußball-WM] das Halbfinale am Mittwoch gegen
       Argentinien überstehen und ins Finale am Sonntag einziehen, wird der
       Nochpremierminister dafür in die USA reisen. Er müsste dann mitten in der
       Nacht im Regierungsflieger zurück nach Großbritannien eilen, damit er
       einigermaßen frisch am Montagmorgen ein letztes Mal vor seinem Amtssitz in
       10 Downing Street vor die Kameras treten kann.
       
       Danach wird Starmer im Dienstwagen zum König im Buckingham Palace gefahren,
       wo er sein Amt niederlegt. Den Dienstwagen ist er dann los. Während er
       sehen kann, wie er nach Hause kommt, wird Andy Burnham herbeizitiert, zum
       Premierminister ernannt und darf umgehend im von Starmer hinterlassenen
       Dienstwagen in die Downing Street gefahren werden. Dort wird er
       voraussichtlich eine Antrittsrede halten.
       
       Als letzte Amtshandlung könnte Keir Starmer in seiner Abschiedsrede am
       Montagvormittag einen zusätzlichen Feiertag ausrufen – falls England
       Fußballweltmeister wird. Das wäre an dem Tag dann ohnehin das beherrschende
       Thema in den Köpfen der Briten und nicht, wer sie regiert.
       
       14 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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