# taz.de -- Not-in-my-backyard-Konflikt in Kreuzberg: Eltern sind irritiert und besorgt
> Junge Erwachsene mit Suchterfahrung neben einer Kreuzberger Grundschule?
> Darüber ist eine Debatte entbrannt. Der Bezirk warnt vor pauschaler
> Diffamierung.
(IMG) Bild: „Nicht in meinem Schulhof“: ein Gedanke, der Rosa Parks wohl im Grab rotieren lassen würde
Die nächtliche Schließung des [1][Görlitzer Parks ist seit einigen Wochen
aufgehoben]. Während dieser Zeit hielten sich vermehrt schwer suchtkranke
Menschen in den benachbarten Wohngegenden auf, teilweise zum offenen
Drogenkonsum – auch im Umfeld der [2][Rosa-Parks-Grundschule]. Kaum war die
Lage im Viertel wieder etwas ruhiger geworden, kommt es nun für einen Teil
der Eltern zum Eklat.
In einer [3][Pressemitteilung kündigte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg]
an, dass die Tannenhof-Schule – eine Schule des Zweiten Bildungswegs für
junge Erwachsene mit Suchterfahrung – für zunächst zwei Jahre ins Gebäude
neben der Grundschule einziehen soll. Beide Schulen werden organisatorisch
getrennt. Die Erwachsenen nutzen einen eigenen Eingang und ausschließlich
die oberen Etagen. „Begegnungen“ von Schüler*innen der beiden Schulen
„auf dem Schulhof“ seien „ausgeschlossen“.
Ein Teil der Eltern reagierte auf diese Ankündigung empört. Die Arbeit der
Tannenhof-Schule sei zwar „anerkennenswert und wichtig“, heißt es in einer
Petition für den „Erhalt der Rosa-Parks-Grundschule als Schutzraum für
Kinder“. Die „Präsenz“ von Menschen mit „problematischen Vergangenheiten“
könne jedoch das Sicherheitsgefühl der Kinder beeinträchtigen. Deshalb sei
der Standort „ungeeignet“, so die Initiator*innen.
Ein Vater berichtet, er sei „sehr besorgt“ und überlege sogar, seine Kinder
„von der Schule abzumelden“. Über den Einwand, die Tannenhof-Schule würde
nur das Nebengebäude nutzen und hätte keinen Zugang zum Schulhof, zeigte er
sich eher überrascht. Trotzdem habe es „zu wenige Infos“ gegeben – und das
„kurz vor den Sommerferien“.
## „Gesellschaftliche Teilhabe“
Der Bezirk begründet die späte Information mit der erst kurzfristig
erzielten Einigung zwischen Senat und den beteiligten Bezirken. Auf Anfrage
der taz erklärt das Bezirksamt, man habe Verständnis für die Sorgen der
Eltern. „Kein Verständnis“ habe man jedoch für Eltern, die „suchtkranke
Menschen, die drogenfrei leben“, pauschal als Bedrohung darstellten.
Auch der Schulleiter nehme die „Sorgen eines Teils der Elternschaft ernst“.
Eine Gefährdung der Kinder sehe er jedoch nicht. Die Tannenhof-Schule
ermögliche ihrer Klientel seit Jahren nachweislich „gesellschaftliche
Teilhabe“. Offene Fragen sollen diese Woche bei einer
Informationsveranstaltung geklärt werden.
Der Fall erinnert in erster Linie an klassische „Not in my
backyard“-Debatten. Immer wieder entstehen Anwohnerinitiativen, die neue
Projekte, wie Windräder und soziale Einrichtungen etc., grundsätzlich
unterstützenswert finden, solange sie nicht in der eigenen Nachbarschaft
entstehen.
In diesem Fall stellt kaum jemand die Arbeit der Tannenhof-Schule
grundsätzlich infrage, ihren Standort hingegen schon. Oft kommt es dabei zu
Symptombekämpfung, statt zur Analyse der tatsächlichen Ursachen. So auch
hier. Während Maßnahmen wie die Schließung des Görlitzer Parks vor allem
zur räumlichen Verlagerung der Probleme führten, gehört eine Einrichtung
wie die Tannenhof-Schule zu jener sozialen Infrastruktur, die Menschen
zurück ins Leben holen soll – um ebenjenen Problemen nachhaltig
entgegenzuwirken.
Das dies derzeit kaum Thema ist, zeigt allerdings, wie wichtig es ist, von
politischen Entscheidungen betroffene Gruppen zeitnah und für alle
zugänglich in die Pläne miteinzubinden. Das könnte emotional geführte
Debatten frühzeitig entschärfen, ohne Vertrauen aufs Spiel zu setzen.
14 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Urteil-zum-Goerlitzer-Park/!6183708
(DIR) [2] https://rosa-parks-grundschule.de/
(DIR) [3] https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/aktuelles/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1689927.php
## AUTOREN
(DIR) Paul Taylan
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