# taz.de -- Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Mein Rücktritt wäre Betrug am Fußball
       
       > Gianni Infantino muss sich mit unzumutbaren Forderungen beschäftigen. Das
       > hält ihn nicht davon ab, den Fußball mit einer neuen Idee voranzubringen.
       
 (IMG) Bild: Weiter geht’s: Infantino freut sich über prominente Unterstützung
       
       ## 11. Juli
       
       Für wen schreibe ich dieses Tagebuch eigentlich? Für mich allein etwa? Das
       könnte man fast glauben. Jetzt schlägt seit Sonntag dieses Interview in
       Europa Wellen, das ich dem Schweizer Portal „blue Sport“ gewährt habe.
       Dabei habe ich [1][doch schon vor mehr als zwei Wochen in meinem Tagebuch
       hier in der taz] festgehalten, dass eine WM mit 64 Teams mir gefallen
       würde.
       
       Neu ist das nun wirklich nicht. Sogar davor habe ich mich schon zu dem
       Vorschlag geäußert. Beim Fifa-Kongress in Paraguay 2025 war das. Damals
       habe ich diesen Satz formuliert, der auch für die Geschichtsbücher bestimmt
       war: „Jede Idee ist eine gute Idee.“ Wirklich schade, dass diese
       geistreiche Formulierung von mir so schnell in Vergessenheit geraten ist.
       
       Überhaupt scheint es ein Problem für mich zu werden, dass meine Ideen, die
       fantastischerweise immer sehr, sehr gute Ideen sind, nicht mehr so
       wertgeschätzt werden, weil viele lieber über meine [2][privaten
       Telefongespräche] Mutmaßungen anstellen. Sogar die Forderung nach meinem
       Rücktritt ist mir begegnet.
       
       ## Verrat an mir selbst
       
       Als wenn das so einfach wäre. Selbst wenn ich wollte, könnte ich nicht
       zurücktreten. Bei meiner letzten Wahl wurde mir die Verantwortung
       übertragen, bis zum Fifa-Kongress 2027 das größte Spiel dieses Planeten
       noch größer zu machen. Ein Rücktritt wäre Betrug am Fußvolk des Fußballs,
       Betrug an meinen Wählerinnen und Wählern, Betrug an meinen
       außergewöhnlichen Ideen, und was am schlimmsten ist: Es wäre Betrug am
       Fußball. Und gegen Betrug in der Fifa und am Fußball bin ich doch
       angetreten. Das war mein einziger Antrieb. Ein Rücktritt wäre also auch ein
       Verrat an mir selbst. Wie kann man all das von mir nur verlangen?
       
       Ausgerechnet die größten Staatenlenker dieser Welt zeigen jetzt das größte
       Mitgefühl. Meine Freunde Donald und Wladimir haben mich bestärkt,
       weiterzumachen. Das hat mich sehr berührt und ist mir eine weitere
       Verpflichtung. Gerade Wladimir, der etwas einsilbig geworden war, honoriert
       mein verstärktes Bemühen, den Weltfußball größer zu machen und Russland
       wieder in den Fifa-Spielbetrieb einzugliedern.
       
       Keine Sorge, ich werde dem Fußball weiter dienen und ihn bereichern. Mit
       dem geplanten Verkauf des Finalrasens an die Fans – die teuersten
       zertifizierten Stücke kosten 2.500 Euro – werden wir wieder ein hübsches
       Sümmchen zusammenbekommen. Und gestern kam mir die fantastische Idee, dass
       wir an der Stelle viel mehr Potenzial haben. Wie wertvoll dürften erst die
       Trinkflaschen für Sammler sein, aus denen kommende Weltmeister während der
       Trinkpausen im Finale getrunken haben. Oder die Kleiderbügel, an denen die
       Trikots in der Kabine hingen. Und die Rote Karte, die [3][Folarin Balogun]
       gesehen hat, sollten wir unbedingt versteigern lassen. Solche historischen
       Sammlerstücke sind mit Gold kaum aufzuwiegen. Was für ein Gewinn ist meine
       WM für den Fußball!
       
       12 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Das-WM-Tagebuch-des-Fifa-Praesidenten/!6190236
 (DIR) [2] /Das-WM-Tagebuch-des-Fifa-Praesidenten/!6193682
 (DIR) [3] /Fifa-Spitze-bedroht-den-Fussball/!6191084
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gianni Infantino
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Fußball-WM
 (DIR) Kolumne Giannis Welt
 (DIR) Rücktritt
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Kolumne Giannis Welt
 (DIR) Kolumne Giannis Welt
 (DIR) Fußball-WM
 (DIR) Kolumne Giannis Welt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Ein Fußballherz aus Gold
       
       Gianni Infantino macht eine WM-Pause und fliegt kurz nach Katar. Der Tod
       des einstigen Emirs erschüttert ihn. Beide haben sich viel zu verdanken.
       
 (DIR) Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Musik in seinen Ohren
       
       Immer noch diskutiert die Welt über eine Schiedsrichterentscheidung.
       Derweil hebt Gianni Infantino die Fifa kulturell auf ein neues Niveau.
       
 (DIR) Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Auffällig unabhängig
       
       Fifa-Präsident Infantino scheint erschöpft zu sein, doch er schmiedet
       wieder neue große Pläne. Er denkt an eine Unabhängigkeitskommission.
       
 (DIR) Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Glückliche Tage für den Fußball
       
       Gianni Infantino erinnern die Diskussionen um eine Rote Karte an seine Zeit
       als Nachwuchsfußballer. Auch da ist über Schiedsrichter diskutiert worden.