# taz.de -- Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Musik in seinen Ohren
       
       > Immer noch diskutiert die Welt über eine Schiedsrichterentscheidung.
       > Derweil hebt Gianni Infantino die Fifa kulturell auf ein neues Niveau.
       
 (IMG) Bild: Singt selbst gerne: Gianni Infantino trällert die Schweizer Nationalhymne
       
       ## 9. Juli 2026
       
       Heute bin ich mit einem Ohrwurm aufgewacht. Ein heiteres Lied, das durchaus
       auch die ernsten Seiten des Lebens nicht unerwähnt lässt, wird mich wohl
       durch diesen wunderbaren Turniertag begleiten, an dem ich nach einem
       spielfreien Tag endlich wieder irgendeinem Spiel in irgendeinem Stadion
       beiwohnen darf. Wer kennt sie nicht, diese wunderbaren Zeilen, mit denen
       Justin Bieber die Welt beschenkt hat? „Yeah, is it too late to say sorry?“,
       singt er in seinem Song „Sorry“.
       
       Für mich steht die Antwort auf diese Frage längst fest: Nein, es ist nie zu
       spät, sich zu entschuldigen. Alle, die mir in den vergangenen Tagen übel
       nachgeredet haben, [1][nur weil ich mit Donald Trump über eine
       Schiedsrichterentscheidung gesprochen habe], können sich gerne bei mir
       entschuldigen. Heute, morgen oder – wenn es denn nicht anders geht –
       irgendwann in ferner Zukunft. Ein Gianni Infantino ist nicht nachtragend,
       auch wenn sich tiefe Narben in die Seele des Fifa-Präsidenten
       eingeschrieben haben.
       
       Natürlich gibt es einen Grund dafür, warum sich der Ohrwurm, der mich
       hoffentlich noch lange nicht loslassen wird, bei mir eingeschlichen hat.
       Denn es gibt eine wunderbare Nachricht zu vermelden. Justin Bieber wird am
       19. Juli Teil der Halbzeitshow sein, mit der sich die Fifa für immer in das
       kulturelle Gedächtnis des Planeten einschreiben wird.
       
       Gemeinsam mit der wunderbaren Madonna, der nicht weniger wunderbaren
       Shakira, die längst ihren Stammplatz in der kulturellen Hall of Fame des
       Fußballs hat, und zusammen mit den mindestens ebenso wunderbaren
       koreanischen Popkünstlern von BTS [2][wird er die größte Halbzeitshow
       bereichern, die der Fußball je erlebt hat]. Mit dieser Show erfinden wir
       den Fußball einmal mehr neu. 11 Minuten soll die Vorstellung dauern. Aber
       da sind wir offen. Sollten sich noch weitere Superstars bei mir melden,
       werden wir natürlich darüber nachdenken, die Länge der Halbzeitpause an die
       Bedürfnisse der Kunst anzupassen.
       
       Vielleicht können wir ja auch die Trinkpausen für die Kunst öffnen. Mir ist
       in den Stadien aufgefallen, dass Fans bisweilen durch Pfiffe ihren Unmut
       zum Ausdruck bringen, sobald der Schiedsrichter zur Trinkpause bittet. Ich
       verstehe die Fans. Ihnen fehlt etwas. Wie wäre es also mit einer
       Trinkpausenshow? Wenn die dann etwas länger dauern sollte als jetzt, werden
       vor allem die Spieler gewiss nichts dagegen haben.
       
       Mit großer Sorge nehme ich seit Jahren die Klagen von Profis zur Kenntnis,
       die sich aufgrund der immer größer werdenden Wettbewerbe [3][am Rande ihrer
       Belastungsfähigkeit] sehen. Mit längeren Trinkpausen könnten wir dem
       entgegensteuern und die Welt gleichzeitig auch kulturell in eine neue
       Dimension hieven. Beim Verfassen dieser Zeilen stelle ich gerade fest, dass
       ich ins Träumen gekommen bin. Aber so bin ich nun einmal. Wie sagt es
       Justin Bieber so schön? Sorry!
       
       9 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Trump-greift-bei-Fussball-WM-ein/!6193728
 (DIR) [2] https://inside.fifa.com/organisation/media-releases/justin-bieber-world-cup-2026-final-halftime-show-madonna-shakira-bts
 (DIR) [3] https://www.sportschau.de/fussball/spielerbelastung-fifa-fuehrt-diskussionen-ohne-fifpro,fifa-fifpro-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gianni Infantino
       
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