# taz.de -- KI startet Cyberangriff: Noch kein Skynet, aber trotzdem gruselig
       
       > Die Aufregung wegen der Cyberattacke durch eine KI kommt Big Tech
       > gelegen. Die willkommene Botschaft ist: Wir sind mächtig.
       
 (IMG) Bild: Ob Sam Altman, CEO von OpenAI, auch Terminator 2 gesehen hat, in der die KI Skynet die Menschheit unterjocht?
       
       Es ist ein Stoff, aus dem sich ein apokalyptischer
       Near-Future-Science-Fiction-Thriller stricken ließe: [1][Eine künstliche
       Intelligenz (KI), die eigentlich einen Testlauf absolvieren soll, findet
       eine unbekannte Sicherheitslücke]. Sie gelangt so ungeplant ins Internet
       und startet dort einen Cyberangriff. Was dann kommt – lahmgelegte
       Stromversorgung, zusammenbrechende Zivilisationen –, ist Fantasie. Doch bis
       zum Angriff, der im aktuellen Fall nur eine Softwareplattform traf, ist es
       Realität.
       
       Bei allem Gruselpotenzial, das der Fall bereithält und das auch durch den
       Fakt, dass es nicht der erste Vorfall dieser Art war, noch verstärkt werden
       könnte: Ja, KI kann Gefahren bedeuten, aktuelle und absehbare, über die wir
       als Gesellschaft diskutieren und Lösungen finden müssen, und zwar dringend.
       Aber nein, deshalb Weltuntergangserzählungen zu spinnen, wäre die falsche
       Strategie, selbst wenn ein tragfähiges Geschäftsmodell noch fehlt.
       
       Solche Erzählungen kommen vor allem den großen Playern der KI-Branche
       gelegen. Denn sie signalisieren zweierlei: Erstens ist die Technologie
       mächtig. Damit beeindruckt man Investor:innen und sammelt Milliarden
       ein. Zweitens lenkt Fatalismus ab. Weil er den Blick verstellt für die
       tatsächlichen aktuellen Probleme, die KI mit sich bringt, und damit ihre
       Regulierung behindert.
       
       Und die vorhandenen Probleme sind zahlreich: das massenhafte Datensammeln
       der Big-Tech-Konzerne, das die Basis ist für das Training der KI-Modelle;
       das Problem der sogenannten Blackbox, dass also bei den meisten Modellen
       nicht mal die Entwickler:innen durchschauen, wie ihre KI zu einem
       Ergebnis kommt; massenhaft mittels KI generierte Fake News; Propaganda;
       [2][gefällige, aber sinnlose Müllinhalte]; Urheberrechtsverletzungen;
       Verzerrungen durch unausgewogenes Datenmaterial, was einzelne
       Bevölkerungsgruppen benachteiligt.
       
       Dazu kommt: Hätte OpenAI im aktuellen Fall ein Freidrehen seines KI-Modells
       verhindern wollen – es wäre ein Leichtes gewesen. Schon einfache
       Sicherheitsmaßnahmen hätten geholfen, etwa eine physische Trennung der
       Testumgebung vom Internet.
       
       ## Demonstration der Möglichkeiten?
       
       Dass es trotzdem schiefging, lässt zwei Schlussfolgerungen zu: Entweder hat
       OpenAI den Angriff billigend in Kauf genommen. Das wäre nicht überraschend,
       schließlich macht Konkurrent Anthropic seit Monaten Schlagzeilen mit
       angeblich überragenden Fähigkeiten seiner neuen KI-Modelle. Wenn nun
       OpenAIs Modell eine unbekannte Sicherheitslücke findet und ausgehend davon
       einen Cyberangriff startet, ist das in dieser Lesart eine Demonstration der
       Möglichkeiten der Firma.
       
       Oder: Die zuständigen Entwickler:innen haben eine unterirdische
       Kompetenz in Sachen IT-Sicherheit und mit einem leichtsinnigen und
       vermeidbaren Fehler ein Sicherheitsrisiko geschaffen. Das wäre ein
       Szenario, das zwar unspektakulärer ist als ein extrem leistungsfähiges
       KI-Modell, das seine menschlich gesetzten Grenzen sprengt. Aber nicht
       weniger gruselig.
       
       25 Jul 2026
       
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