# taz.de -- Wenn eine Renovierung ansteht: Der Preis des Zufußgehens
       
       > Ein Auto kostet Geld, während man zu Fuß doch kostenfrei unterwegs ist?
       > Von wegen, weiß unsere Kolumnistin: Zu Fuß gehen hat teils immense
       > Folgekosten.
       
 (IMG) Bild: So eine Renovierung muss ja auch erst mal gestemmt werden mit dem Material dazu
       
       Zu Fuß gehen, könnte man denken, ist doch eine prima Sache – für die
       Fußgängerin ebenso wie für alle anderen gleich mit! Denn es kostet nichts
       und auch aus ökologischer Sicht ist daran wenig zu beanstanden. Der
       Fußabdruck Gehender verursacht kaum umweltschädlichen Abrieb, Gehen braucht
       kein Benzin und erzeugt keine giftigen Abgase. Man spart sich die Kosten
       für Pkw-Anschaffung, Versicherung und Instandhaltung, auch Parkgebühren
       oder Strafzettel belasten Fußgänger*innenportemonnaies nicht.
       
       Alles super also? Nur auf den ersten Blick! Denn: Zu Fuß gehen hat teils
       immense Folgekosten.
       
       Ich zum Beispiel renoviere gerade meine Wohnung. Meine Tochter war
       kurzfristig ein- und wieder ausgezogen, hat Sachen mitgenommen, die nun
       fehlen, und andere dagelassen, die überflüssig sind. Und sowieso hat meine
       Neuköllner Altbauwohnung mal wieder ein „Makeover“ (Tochtersprache;
       Altendeutsch: Rundumerneuerung) verdient.
       
       Altes soll also weg, Neues her, auch Wände und Decken brauchen einen
       Anstrich – und da fangen die Probleme der Fußgängerin schon an. Etwa 20
       Liter Wandfarbe seien nötig, erklärt mir der Experte, zwei große Eimer voll
       also, dazu Lack für Fenster und Türen sowie speziellen für Heizungen: Waren
       im Gewicht von rund 40 Kilo. Streichen kann ich selbst, aber wie kriege ich
       die Farbe hierher? 49 Euro will der Baumarkt für die Lieferung – nochmal
       fast die Hälfte meiner Einkaufssumme. Auch Do-it-yourself-Möbelhäuser
       machen wenig Sinn ohne eigenes Auto. Die Lieferkosten für mein neues
       Gästebett verteuern selbiges um rund 30 Prozent.
       
       Noch teurer wird es beim Loswerden alter Sachen: Selbst der landeseigene
       Entsorger holt in Berlin Sperrmüll nicht kostenlos ab (schmutziger Funfact:
       Es sei denn, er wurde heimlich am Straßenrand abgestellt, dann macht er es
       irgendwann doch). Allein für die Abholung meines defekten alten Druckers
       verlangt er 52 Euro – etwa genau so viel, wie der einst gekostet hat. Aber:
       Er wird dann ökologisch entsorgt!
       
       Das finde ich gut und den Drucker kann ich mit dem Bus zum Recyclinghof
       bringen (der ist zu weit weg, um ihn zu Fuß dorthin zu transportieren).
       Gleichzeitig erstaunt es mich dabei immer weniger, dass manche Leute es
       vorziehen, ihre defekten Elektrogeräte oder ihren Sperrmüll eben einfach
       nachts an den Straßenrand zu stellen. Aber ich kriege mein altes Sofa ja
       nicht einmal alleine durch die Tür!
       
       Ich ziehe es deshalb vor, einen privaten, billigeren und schnelleren
       Entsorger zu buchen. Für den Abtransport von ein paar Möbelstücken, die ich
       so lange genutzt habe, dass sie tatsächlich niemand mehr geschenkt haben
       will, bezahle ich nochmal 150 Euro. So rechnen sich von der gesamten Summe,
       die ich in mein Wohnungs-Makeover investiere, 47 Prozent auf Liefer- und
       Transportkosten. Und mein Resümee lautet: Ja, Fußgängerin sein ist super –
       gerade für Andere, denn sie verdienen gut daran. Für die Zufußgehenden
       selbst ist es jedoch mitunter ein Luxus, den man sich leisten wollen muss.
       
       Und dabei – Achtung, noch ein schmutziger Funfact zum Thema „anständig
       entsorgen zu Fuß“! – geht es in dieser Stadt, die autolose Bürger*innen
       so schlecht behandelt, gar nicht immer nur um große Dinge (Sofas): Auch ein
       Set stumpf gewordener Messer war kürzlich in meinem Haushalt zu entsorgen.
       In den Hausmüll dürfen die natürlich nicht, der Recyclinghof ist,wie
       gesagt, weit weg – und in den öffentlichen Verkehrsmitteln Berlins gilt ein
       Messerverbot. Wie ich das Problem gelöst habe? Nur so viel: [1][Ich habe in
       dieser Kolumne schon beschrieben], wie ich es hasse, allein aufgrund meines
       Alters und Aussehens unterschätzt zu werden. In diesem Fall war ich zum
       ersten Mal froh darüber.
       
       25 Jul 2026
       
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