# taz.de -- Treibstoffkrise in Russland: Als Polizist verkleidet, um an Sprit zu kommen
       
       > Wegen der Benzinknappheit werden die Warteschlangen vor russischen
       > Tankstellen länger. Im Netz suchen einige nach Anleitungen, um Benzin
       > selbst herzustellen.
       
 (IMG) Bild: Zapfpistolen einer Gazprom-Neft-Tankstelle. Auf den Schildern steht: „Es tut uns leid, die Anlage ist vorübergehend außer Betrieb“
       
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       Mittwoch eine wöchentliche Auswahl aktueller Berichte aus russischen
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       „Echofm“ öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland.
       [2][Den ganzen Text lesen Sie hier auf Russisch]. 
       
       [3][Die Treibstoffknappheit] hat fast ganz Russland erfasst und wirkt sich
       mittlerweile auch auf sein Nachbarland Kasachstan aus. Dort werden die
       Grenzkontrollen verschärft, um illegalen Benzinschmuggel nach Russland
       einzudämmen, sagte Kasachstans Vizeminister für Energie, Kairchan
       Tutkyschbajew, dem Nachrichtenportal Orda. Pkw und Lkw dürfen nur noch
       einmal täglich nach Russland einreisen. Zudem kontrollieren die Behörden
       Fahrzeuge mit nachgerüsteten Zusatztanks. Seit wann die Beschränkungen
       gelten und von wem sie eingeführt wurden, verriet Tutkyschbajew indes
       nicht.
       
       Laut Energieministerium gebe es keine Daten, wie viel kasachisches Benzin
       genau außer Landes gebrachten worden sei. Gleichzeitig seien die
       Benzinverkäufe in den drei an Russland grenzenden Regionen Westkasachstan,
       Aqtöbe und Pawlodar deutlich gestiegen.
       
       Dass die ukrainische Armee gezielt die russische Energieinfrastruktur
       angreift, spürt auch die russische Zivilbevölkerung. Das Betanken von
       Kanistern ist untersagt und Menschen, die über den Schwarzmarkt
       überteuertes Benzin verkaufen, werden bestraft.
       
       Besonders angespannt ist die Lage in den russischen Regionen im Osten, in
       Transbaikalien und im Gebiet Irkutsk in Sibirien. [4][Wegen der
       Treibstoffkrise] haben sich dort lange Warteschlangen an Tankstellen
       gebildet. In Transbaikalien wurde offenbar eine Art Rationierung beim
       Tanken eingeführt. Wer öfter als einmal alle drei Tage tanken möchte, muss
       sich in die langen Warteschlangen einreihen.
       
       ## Als Polizist verkleidet
       
       Auch aus anderen Regionen werden lange Warteschlangen gemeldet. So
       veröffentlichte der Telegram-Kanal „Perm 36,6“ ein Video aus der Ortschaft
       Barda. Dort war eine Tankstelle zwei Tage lang geschlossen. Nach der
       Wiedereröffnung warteten rund 100 Fahrzeuge auf Kraftstoff.
       
       In der Stadt Machatschkala in der russischen Teilrepublik Dagestan seien
       die Warteschlangen an den Tankstellen zwar kürzer geworden, schreibt das
       Onlineportal Kawkasski Usel. Die Kraftstoffpreise seien jedoch stark
       gestiegen. Vor Beginn der Treibstoffknappheit im Juni 2026 kostete ein
       Liter Benzin der Sorte AI-95 circa 73 Rubel. Nun sind es inzwischen
       zwischen 115 und 120 Rubel – ein Anstieg von fast 66 Prozent.
       
       Eigentlich sollen Menschen mit Behinderung ohne Wartezeit tanken können.
       Betroffene aus dem Gebiet Irkutsk beklagen, dass ihnen dieses Recht
       verweigert wird. Ein spezieller Chatbot soll prüfen, ob Behindertenausweise
       echt und noch gültig sind. Innerhalb eines Tages erhielten 47 Antragsteller
       eine Ablehnung. Wie der Bot genau arbeitet, ist unklar.
       
       In der Region Transbaikalien nahm die Polizei zudem einen Mann fest, der
       sich als Polizist ausgab, um die Wartezeit an einer Tankstelle abzukürzen.
       Die Uniform habe er eigenen Angaben zufolge im Internet gekauft.
       
       Angesichts des Treibstoffmangels suchen Russinnen und Russen offenbar nach
       anderen Wegen, um an Benzin zu kommen. Auf Yandex, der beliebtesten
       Suchmaschine Russlands, wurde der Suchbegriff „Benzin“ im Juni 21,1
       Millionen Mal eingegeben. Im Mai waren es mit 4,3 Millionen Suchanfragen
       noch fast fünfmal weniger. Auch die Suchanfragen nach „Benzin kaufen“
       stiegen deutlich – von 178.000 im Mai auf 982.000 im Juni. Die Suchanfragen
       zum Thema „Wie stellt man Benzin her?“ stieg im Juni ebenfalls stark an.
       
       So könnte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich in russischen
       Tanks schwarzgebrannter Sprit befindet.
       
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       8 Jul 2026
       
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