# taz.de -- Abschied vom US-Team: Eine große Hoffnung
> Das US-Team hat bei dieser WM begeistert. Tragisch ist nur, dass der
> größte Gegner des Gastgebers zugleich der Regierungschef des Gastgebers
> ist.
(IMG) Bild: Einer, der Niederlagen akzeptieren kann: Folarin Balogun nimmt Abschied vom US-Publikum
Ein bedauernswerteres Gastgeberteam hat es noch nie bei einer
Fußballweltmeisterschaft gegeben. Spiel für Spiel haben sie mit ihrem
unbeschwerten Offensivdrang die Begeisterung und Euphorie in ihrem Land
größer werden lassen. Zehn Treffer hatten sie bereits vor dem Achtelfinale
erzielt. Christian Pulisic etwa entzückte mit seinen kreativen Einfällen,
der unermüdliche Weston McKennie mit seinen Antriebskräften und dann war da
noch dieser pfeilschnelle Folarin Balogun. Seit Jahren haben sie im
US-Verband von so einem zentralen Stürmer mit solch großer Nervenstärke vor
dem Tor geträumt. Seine drei Treffer bei dieser WM machten Hoffnung, dass
da noch viel mehr möglich ist.
Und naturgemäß hatten auch weltweit viele Fußballfans diesem Team die
Daumen gedrückt. Mit dem Ausscheiden der Gastgeber verliert jede WM an
Attraktivität. Sehr bedauerlich ist aber eben, wenn der größte Gegner des
Gastgebers zugleich der Staatschef des Gastgebers ist. Und wenn dieser in
einem Handstreich [1][nicht nur die Integrität einer Sportart], sondern
auch das Ansehen eines Fußballteams in den Schmutz zieht.
[2][Mit dem Anruf von Donald Trump bei Fifa-Chef Infantino] und seinem
erfolgreichen Begehr, die Rot-Sperre von Balogun für das Spiel gegen
Belgien auszusetzen, rauschten die Sympathiewerte für dieses Team in den
Keller und die Fangemeinde des Achtelfinalgegners Belgiens gewann immer
mehr an Größe. Und so motiviert hat man das bislang sehr behäbige Team der
Belgier bei dieser WM auch noch nicht aufspielen sehen. Die Einflussnahme
von Trump schien tatsächlich eine Wirkung zu haben, nur nicht die erhoffte.
Mitleid hatte dann auch Belgiens Trainer Rudi Garcia insbesondere mit
Balogun: „Er kam zu mir, das hat mir gefallen. Er ist nicht schuld. Er hat
nichts falsch gemacht. Ich schätze ihn.“ Der unfreiwillige Protagonist
dieser Partie zeigte Verständnis für die verbreitete Empörung: „Natürlich
ist es dann kontrovers, wenn die Entscheidung geändert wird.“ Fast schon
entschuldigend erinnerte er daran, dass das Team die Rote Karte ja
akzeptiert hätte. Im Unterschied zu Trump – konnte ein jeder im Geiste
ergänzen.
## Berührungsängste mit dem US-Team
Was die Angelegenheit besonders kurios macht: Trump akzeptiert einen
Nationalspieler Folarin Balogun eigentlich auch nicht, weil dieser nach
seinem Verständnis kein US-Bürger sein dürfte. Zu seinem US-Pass kam
Balogun nur, weil seiner hochschwangeren nigerianischen Mutter die Ausreise
nach England untersagt wurde. Das Geburtsortprinzip für die
US-Staatsbürgerschaft will Trump abschaffen, was der Supreme Court gerade
als verfassungswidrig einstufte.
Generell fiel Trump bei dieser WM lange Zeit eher durch seine Zurückhaltung
auf. Seine Berührungsängste mit dem US-Team waren offensichtlich. Diese
Mannschaft, die beim letzten WM-Test gegen Deutschland in Chicago mit
Rückennummern in Regenbogenfarben auflief, verkörpert eine Weltoffenheit,
die wenig mit der Regierungslinie gemein hat.
Anfang Juni postete U.S. Soccer auf Facebook: „In diesem Monat feiern wir
die LGBTQ+-Community im gesamten US-Fußballverband und im gesamten
Fußballumfeld. Wir sind davon überzeugt, dass der Fußball stärker ist, wenn
sich jeder gesehen, unterstützt und bestärkt fühlt, ganz er selbst zu sein.
Auf einen Monat voller Feierlichkeiten, Verbundenheit und Zugehörigkeit!“
Die größte Angst von Trump dürfte aber gewesen sein, nach einer Niederlage
des US-Teams als Verlierer auf der Tribüne abgelichtet zu werden.
Jedenfalls war er bei der WM bei keinem Spiel vor Ort. Sein erster
WM-Einsatz als Telefonjoker erfolgte erst, als es scheinbar mit dem US-Team
etwas zu gewinnen gab. Dass er damit dem US-Fußball [3][die schmählichste
Niederlage] bescherte, ist von besonderer Tragik.
Der einzige Trost nach dem eigentlich so formidablen WM-Auftritt: Ein
Besuch im Weißen Haus bleibt dem Team erspart.
7 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Johannes Kopp
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