# taz.de -- Spanien wirft Portugal aus der WM: Am Ende entscheidet die Bank
       
       > Portugal und Spanien spielen verblüffend ähnlich – bis La Roja die Joker
       > zückt. 666 Millionen Follower können also doch irren.
       
 (IMG) Bild: Nicht CR7 ist der Mann des Spiel. Spaniens eingewechselter Mittelfeldspieler Mikel Merino überwindet Portugals Keeper Diogo Costa
       
       Am Ende hielten alle Kameras auf ihn: den größten Influencer der Welt mit
       über 666 Millionen Followern, der nebenbei irgendwie immer noch Fußball
       spielt. Wie er da einsam auf dem Rasen stand wie einst Franz Beckenbauer.
       Würde er Tränen vergießen? Ja, [1][Cristiano Ronaldo] tat ihnen den
       Gefallen – und die Boulevardmedien hatten ihre Schlagzeile.
       
       Und so ging es nach Portugals 0:1-Aus im Achtelfinale gegen Spanien vor
       allem um den spielerisch unwesentlichsten Mann auf dem Platz, zehn
       Ballkontakte in der ersten Halbzeit, sechs in der zweiten, beim berühmten
       Übersteiger blieb er hängen. Mit 41 Jahren hatte er gerade sein wohl
       wirklich letztes WM-Spiel, nun ja, überstanden. Dann sollten alle Spieler
       in der Mixed Zone huldigende Worte über Ronaldo sagen. Schwer atmete die
       Historie in Dallas.
       
       Dabei gab es ja viel Interessanteres. Denn da spielten zwei hochtalentierte
       Teams gegeneinander um den Einzug ins Viertelfinale. Ein Spanien, das mit
       den Magiern Rodri, Pedri und [2][Lamine Yamal], aber auch mit der besten
       Abwehr der WM mit null Gegentoren und Turnierüberraschungen wie Mikel
       Oyarzabal schon wieder verdammt nahe dran ist, das gefürchtete Spanien rund
       um 2010 zu werden. Eines, das vertikaler spielt als einst, spektakulär
       anzuschauen.
       
       Bei Portugal wiederum kann man vor lauter Ronaldo-Gedöns schon mal
       vergessen, mit was für einem begabten, ausbalancierten Team die Iberer zur
       WM anreisten, darunter die aufregende PSG-Achse Nuno Mendes, João Neves und
       Vitinha. Und in der Tat bereiteten die technisch starken und im Zweikampf
       gedankenschnellen Portugiesen den Spaniern viel Kopfzerbrechen, wenn auch
       die Spielanlage konventioneller war.
       
       ## Ähnliche Spielanlage
       
       „Es war ein sehr schwieriges Spiel“, resümierte Kapitän Rodri später.
       „Portugal ist wahrscheinlich das Team, was uns spielerisch am meisten
       ähnelt. Es ist schwer, ihre Linien zu durchbrechen, sie spielen sehr
       geeint.“ In der ersten Hälfte ergab diese Kombination ein wahres
       Fußballfest mit reichlich Torchancen auf beiden Seiten und einem groß
       aufspielenden [3][Dani Olmo], der sich zum König der Steckpässe krönte. In
       der zweiten Hälfte wiederum schienen beide Teams eher in Sorge, einen zu
       kassieren. Es dauerte bis in die Nachspielzeit, bis Spanien diesen einen,
       den genialen Einfall hatte: Nach einem wundervollen Steilpass des
       eingewechselten Torres traf Joker Mikel Merino.
       
       Dass der eher unscheinbare Mittelfeldmann wieder einmal ein wichtiges Spiel
       für Spanien entschied ([4][Deutsche dürften sich an 2024 erinnern]),
       illustriert, welche Qualität in der Breite der spanische Kader hat. „Er ist
       ein sensationeller Spieler“, schwärmte Rodri. „Er hat diese Fähigkeit, im
       entscheidenden Moment da zu sein.“ Und Trainer Luis de la Fuente erklärte:
       „Für mich ist Mikel eine sichere Bank, er lässt einen nie im Stich.“
       
       Der so Gelobte schien Freude an seiner Rolle zu empfinden: „Du musst als
       Einwechselspieler eine 100-Prozent-Überzeugung mitbringen. Ich hebe mir die
       Tore gern für den letzten Moment auf.“
       
       Und es gab da auch noch eine andere gute Geschichte: Zum Viertelfinale wird
       Merinos Familie mit seinem zwei Monate alten Baby anreisen. „Die WM hatte
       auch eine nicht so schöne Seite, nämlich die ersten zwei Lebensmonate
       meines Sohnes zu verpassen“, so Merino. Es war ein wiederkehrendes Thema
       dieser WM, nachdem der Belgier Jérémy Doku heftige Anfeindungen erhalten
       hatte, als er den [5][Wunsch äußerte, zur Geburt seines Kindes abzureisen].
       Zumindest findet sie nun also ein wenig statt, die Vaterrolle der Profis.
       
       ## Fußball schlägt Machtspiele
       
       Für die Spanier geht es jetzt gegen eben dieses Belgien. Das Team des
       frischgebackenen Vaters Doku watschte die USA ordentlich mit 4:1 ab. Eine
       kurze Erleichterung für diese Skandal-WM nach Donald Trumps Intervention
       zugunsten des gesperrten Falorin Balogun und massiven Protesten von Belgien
       und der Uefa. Nun muss niemand rausfinden, was eigentlich im Falle eines
       US-Sieges passiert wäre. Verdächtig erinnerte die Geschichte an den
       Präzedenzfall Ronaldo, der ebenfalls von einer urplötzlichen Aufhebung
       seiner Rot-Sperre profitiert hatte und erst deswegen die ersten beiden
       WM-Spiele absolvieren konnte.
       
       Fußballfreund:innen durften sich nun über die Erkenntnis des Spieltags
       freuen: [6][Machtpolitische Unterstützung im Falle der USA] und
       Influencer-Value im Fall Ronaldo reichten nicht, um ein schwächeres Team
       ins Viertelfinale zu hieven. Diesmal zumindest nicht. Ronaldo raus,
       [7][Neymar raus], das gab auch Hoffnung, dass es ab dem Viertelfinale
       vielleicht mehr um sportliche Meriten geht als um kickende Influencer.
       
       Vor lauter Cristiano Ronaldo ging der vorangekündigte Rücktritt von
       Portugals Coach Roberto Martínez fast unter. Ronaldo hat indes seine
       Klammerumarmung ums Nationalteam noch nicht gelöst. Denn ob der Übermann
       endlich zurücktritt, weiß man noch nicht. Zu seinem Schaffen erklärte er in
       der dritten Lothar-Matthäus-Person: „Vor Cristiano hatte Portugal nie einen
       großen Titel gewonnen.“ Die Hoffnung auf die Zeit nach Cristiano muss
       womöglich warten.
       
       7 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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