# taz.de -- Die Wahrheit: Schwarzrotgoldene Trauerwurst
       
       > Die Lage im Land ist kohlendüster. Nach dem Aus des deutschen Teams bei
       > der WM kann es nur noch abwärts gehen, selbst beim Grillen.
       
       Deutschland ist sowas von im Eimer. Deswegen wurde der Bundestrainer
       ausgetauscht – aber nicht die Mannschaft. Ebenso vor einiger Zeit der
       Kanzler, aber nicht die Bevölkerung, auch wenn Aluhut-Träger anderes
       behaupten. Der Teutone glaubt immer noch fest daran, dass ein einziger Mann
       alles verändern kann. Das hat schließlich 1933 auch geklappt.
       
       Ab und zu gibt es dennoch lasche Appelle an die 84 Millionen Nicht-Kanzler
       im Land: Mehr arbeiten, nicht krankfeiern, mehr Steuern zahlen, dann wird
       alles besser. Immer dieselbe Leier. Überraschend kam dagegen das dringende
       Ersuchen der Agrar-Lobby: „Bauernpräsident ruft Fußball-Fans zum Grillen
       auf!“
       
       Denn es sei, so schluchzte der Chef-Landwirt Joachim Rukwied, durch die
       Fußballweltmeisterschaft noch rein gar keine Belebung des
       Grillfleischgeschäfts zu verzeichnen. Er hoffte auf gute Stimmung durch ein
       „starkes Turnier“ der deutschen Mannschaft; tja, das hat dann schon mal
       nicht geklappt. Vielleicht könnten die Fleischer eine schwarzrotgoldene
       Trauerwurst kreieren, die wir alle in größeren Mengen zwangsabnehmen
       müssen?
       
       ## Goldener Gummistiefel
       
       Auch die späten Spiele helfen den Verkäufern toter Tiere nicht, weswegen
       der Lobbyist und Träger des Goldenen Gummistiefels am Bande sehr ernsthaft
       dazu rät, das Grillen vorzuziehen und sich dann mit vollem Bäuchlein um
       Mitternacht vor die Glotze zu werfen, um bei lahmen Spielen langsam
       wegzudämmern. Hm, ich wollte eigentlich nachts um zwei den Grill anwerfen
       und dazu laut „Olé, olé, olé“ singen. Das möchte ich nämlich immer schon,
       seit ich auf der Welt bin, aber leider versteckt der Liebste die
       Würstchenzange und hält mir den Mund zu, wenn er diesen flackernden Blick
       in meinen Augen sieht.
       
       Mein bisschen Grillkäse macht den deutschen Bauern ohnehin nicht fett. Auf
       irgendeine blöde magische Weise schafft es der Funktionär trotzdem, dass
       ich mich schuldig fühle, weil ich in diesem Jahr noch kein einziges Mal
       gegrillt habe. In Worten: null. Wahrscheinlich verliere ich jetzt die
       deutsche Staatsbürgerschaft und werde mit Mistgabeln aus meinem Dorf
       gejagt.
       
       Jeder Appell aus Politik und Wirtschaft prallt bei mir nämlich eigentlich
       auf fruchtbare Ohren und trifft auf nicht tauben Boden: Mehr Bier trinken,
       die Brauereien gehen pleite! Jawohl. Weniger Alkohol, ist ungesund! Jawohl.
       Mehr konsumieren! Aber klar. Mehr sparen! Ja! Alles ausgeben! Ja, äh,
       Moment, jetzt komme ich nicht mehr mit. Die haben doch bestimmt bei meinem
       Lieblings-Grafitto aus den Neunzigerjahren abgeschrieben: „Schöner Wohnen –
       Teurer Kaufen – Schneller Ficken!“
       
       Vor allem aber denke ich, dass all diese Krakeeler, die immerzu irgendeinen
       Quatsch von mir und den anderen 84 Millionen verlangen, sich einen Satz
       meines Freundes Bernd Rauschenbach zu Herzen nehmen sollten: „Du, da
       draußen gibt’s Haue.“
       
       7 Jul 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Fischer
       
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