# taz.de -- Die Wahrheit: Freiwillige Feuerverweigerung
       
       > Zu Ostern weit weg zu fahren, wo es nicht nur warm ist, sondern auch die
       > üblichen Nachrichten nur als Fetzen zu einem gelangen, ist ein Traum.
       
       Die beste Idee für einen Osterurlaub ist das Aufsuchen einer Gegend, in der
       es wärmer ist als in Norddeutschland und der Frühling sich als Jahreszeit
       präsentiert, die diesen Namen verdient. Außerdem sollten dort die Menschen
       gelassener sein als in Gesamtdeutschland und das Internet muss regelmäßig
       abkacken. Dann erreicht uns nämlich nur ein Puzzle aus Nachrichtenfetzen,
       die wir selbst in irgendeinen Zusammenhang bringen müssen: Trump gibt den
       Schrödinger; er beendet den Krieg und führt ihn gleichzeitig weiter.
       Woanders gilt andauernd und in jeder Meldung die Unschuldsvermutung. Diesel
       kostet bald mehr als Cocktails. Ein Tempolimit würde Sprit sparen, ist aber
       laut CDU sinnlos und würde gar keinen Sprit sparen, also praktisch
       Schrödingers Tempolimit. Hier gilt die Unschuldsvermutung übrigens nicht.
       
       Das ist der Schlüssel zum Glück: Seliges Dösen unterm Sonnenschirm,
       gelegentlich ein Schluck Milchkaffee und immer wieder den Wlan-Stecker
       ziehen, wenn keiner guckt, während man heuchlerisch über die schlechte
       Infrastruktur in Südeuropa klagt.
       
       Ab und zu erreicht uns dennoch die elektronische Lokalzeitung mit
       österlichen Katastrophenmeldungen: „Kunden bekommen vielleicht nicht ihr
       Traumei!“ O mein Gott, da wird Jesus dann eventuell auch nicht auferstehen.
       Oder diesmal vielleicht nicht binnen dreier Tage? Eher so Pfingsten?
       
       ## Keine Ahnung von Ostern
       
       „Was ist los mit den Leuten?“, murmeln der Liebste und ich im geübten Chor,
       aber selbstverständlich haben wir keine Ahnung von Ostern, seinen lastenden
       Traditionen und all den großen Herausforderungen, weil wir erstens Heiden
       und zweitens an diesem Fest häufiger nicht zu Hause sind. Wenn doch, kaufen
       wir brav unsere Traumeier und stellen uns ans Dorf-Osterfeuer, als ob wir
       dazugehörten. Da kommen dann Menschen, die sagen: „Was, ihr wohnt hier? Ich
       habe euch ja noch nie gesehen!“ Schon glauben wir selbst nicht mehr, dass
       wir hier leben, denn es gibt keinen Beweis. Ein Existenzzertifikat wäre
       vielleicht hilfreich.
       
       Um das zu erhalten, bin ich vor einem Jahr beim Osterfeuer in die
       Freiwillige Feuerwehr eingetreten, die aber monatelang auch nicht recht an
       meine Existenz glauben konnte, ehe ich dann endlich aufgenommen wurde. Den
       aktiven Dienst traue ich mir nicht zu, weil ich auf Leitern Höhenangst
       bekomme und Feuer sowieso nicht mag. Aber jemand muss ja auch das Bier
       sponsern und irgendwie ideell mittun. Also Schrödingers Feuerwehrfrau,
       gleichzeitig drin und draußen. Wichtig ist das, weil hier immer wieder
       Strohballenlager, Altreifensammlungen und Gartenhäuser angezündet werden.
       Vielleicht entzünden sie sich auch selbst; es gilt schließlich die
       Unschuldsvermutung.
       
       An diesem Ostern waren wir aber nicht dabei, siehe oben. Keine verrauchten
       Klamotten, keine verkohlten Würstchen, kein Flaschenbier und niemand, der
       fragt, wer ich denn eigentlich sei. Außer ich selbst, aber das zählt nicht.
       Ob ich jetzt wegen Feuerverweigerung aus der Wehr fliege, wird sich zeigen.
       
       8 Apr 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Fischer
       
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