# taz.de -- Über das Zeichnen im öffentlichen Raum: „In das Gefühl des Ortes eintauchen“
       
       > Für Ingrid Pesch ist ihr Skizzentagebuch das Gegenstück zum schnellen
       > Foto. Damit ist sie Teil des weltweiten Urban Sketching, das in Seattle
       > begann.
       
 (IMG) Bild: Rumsitzen und zeichnen: Weltweit gibt es immer mehr Urban Sketcher
       
       taz: Was gibt es in Kiel, das sich zu zeichnen lohnt, Frau Pesch? 
       
       Ingrid Pesch: Im Moment zeigt das Stadtmuseum Warleberger Hof eine
       wunderbare [1][Ausstellung mit Werken aus 200 Jahren Stadtgeschichte]. Das
       nehme ich zum Anlass, mich mit den Teilnehmenden des Workshops auf die
       Spuren dieser Gemälde zu begeben und rund um die Altstadt Urban Sketching
       zu üben.
       
       taz: Was ist die Idee des Urban Sketching? 
       
       Pesch: Die Idee entstand 2007 in den USA. Seither ist weltweit [2][eine
       lockere Gemeinschaft von Künstlerinnen und Künstlern] entstanden, die die
       Orte zeichnen, an denen sie leben oder an die sie reisen. Es ist eine Art
       visueller Journalismus.
       
       taz: Mit dem Skizzentagebuch als Gegenstück zum [3][schnellen Foto]? 
       
       Pesch: Ja, genau das. Denn es ist etwas komplett anderes, ob man eine
       Zeichnung anfertigt oder ein Foto schießt. Wenn ich später mein Skizzenbuch
       durchblättere, erinnere ich mich noch nach Jahren an die Szene und weiß, wo
       ich gesessen habe oder wer mich angesprochen hat. Mit einer Skizze kann ich
       die Situation ganz anders einfangen und tauche tief in das Gefühl des Ortes
       ein.
       
       taz: Stellt man die Staffelei auf oder geht es um die Skizze im Stehen? 
       
       Pesch: Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen. Eine Staffelei bringt
       selten jemand mit, weil man die Sachen ja schleppen muss. Einige zeichnen
       im Stehen, andere haben einen Dreibeinhocker oder setzen sich auf eine Bank
       oder ins Straßencafé. Auch die Technik ist frei – Aquarell, Kugelschreiber,
       Fineliner, Acrylmarker, Bleistift, wie man mag.
       
       taz: Und man wird auch angesprochen. Was sind das für Begegnungen? 
       
       Pesch: Einige sind skurril, die meisten sehr nett. Viele finden es
       spannend, dass da jemand sitzt und zeichnet und sich damit – man ist ja im
       öffentlichen Raum – auch Kritik aussetzt. Ich habe schon viele Leute über
       Urban Sketching kennengelernt und Freundschaften geschlossen. Und da es in
       fast allen Orten entsprechende Gruppen gibt, kann man Gleichgesinnte
       treffen, wohin man auch reist.
       
       taz: Und es geht auch darum, die fertigen Werke zu veröffentlichen? 
       
       Pesch: Richtig, das ist ebenfalls Teil der Idee. Die meisten Urban Sketcher
       veröffentlichen über Instagram oder andere Kanäle und erzählen, wo sie das
       Bild angefertigt haben, was sie beim Malen erlebt haben und so weiter. Es
       ist auch ein Weg, um mit anderen in Kontakt zu bleiben.
       
       taz: Wie kamen Sie selbst dazu? 
       
       Pesch: Ich bin 2018 nach Eckernförde gezogen, damals entstand hier gerade
       eine Urban-Sketching-Gruppe. Ich habe immer schon gezeichnet, aber seither
       ist das Malen und Zeichnen fester Teil meines Alltags.
       
       taz: Früher zog es Künstler:innen in die Natur, um Blumen oder
       Kreidefelsen zu malen. Warum steht heute die Stadt im Mittelpunkt? 
       
       Pesch: Ich glaube, das kommt ganz einfach daher, dass der Begründer der
       Bewegung in Seattle wohnte. Es geht um die Lebenswelt, die natürlich auch
       dörflich sein kann, und ich nenne es auch Urban Sketching, wenn ich mit
       meinem Skizzenbuch an der Lindaunisbrücke sitze. Aber wichtig ist das
       Zeichnen vor Ort, und oft liegt der Fokus dabei nicht auf der Landschaft,
       sondern der Interaktion von Menschen. Und da gibt es im städtischen Raum
       mehr zu entdecken.
       
       taz: Was braucht es, um mit dem Urban Sketching anzufangen? 
       
       Pesch: In erster Linie Spaß am Zeichnen. Und ein Skizzenbuch sowie Stifte,
       wobei für den Anfang ein normaler Block und ein Bleistift reichen. Später
       besorgt man sich sowieso weitere Stifte, Farben, Ausrüstung, der Markt ist
       riesig. Aber der Einstieg ist sehr niedrigschwellig.
       
       taz: In Kiel gibt es bereits [4][eine Gruppe der Urban Sketcher]. Ist Kiel
       vielleicht sogar besonders malenswert? 
       
       Pesch: Absolut! Auf den ersten Blick erschließt sich Kiel vielleicht nicht
       so leicht. Aber es finden sich viele spannende und schöne Ecken. Urban
       Sketching hilft auch dabei, die eigene Stadt immer neu und anders
       kennenzulernen.
       
       7 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] https://urbansketchers.org/
 (DIR) [3] /Siegeszug-der-Handyfotografie/!5953113
 (DIR) [4] https://uskkiel.wordpress.com/
       
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       Anusch Thielbeer ist Grafikerin, Illustratorin und vieles mehr. Sie gehört
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