# taz.de -- Film-Thriller „The Piano Tuner“: Macht bloß keinen Lärm!
       
       > In „The Piano Tuner“ von Daniel Roher muss die Hauptfigur nicht nur
       > Klaviere stimmen, sondern auch Safes knacken. Seinen Mentor spielt Dustin
       > Hoffman.
       
 (IMG) Bild: Niki (Leo Woodall) in „The Piano Tuner“ hört einfach sehr gut, das hilft beim Safe-Knacken
       
       Dustin Hoffman wird nächstes Jahr neunzig. Er hat aber schon jetzt den
       Status erreicht, dass sein bloßer Anblick die Kinobesucher*innen
       nostalgisch stimmt. Fast muss man darauf achten, ihn in der aktuellen Rolle
       tatsächlich als Figur zu sehen, so sehr ruft seine Erscheinung die
       Erinnerung an frühere, goldene Zeiten des Kinos hervor. Einschließlich der
       Wehmut darüber, dass alles sich derzeit so anfühlt, als seien selbige
       vorbei.
       
       In Daniel Rohers „The Piano Tuner“ spielt Hoffman einen alteingesessenen
       Klavierstimmer namens Harry Horowitz. Seine reichen New Yorker Kunden davon
       zu überzeugen, ihre Klaviere stimmen zu lassen, auch wenn sie sie gar nicht
       benutzen, fällt ihm leicht. Ihren Bitten, doch gleich auch noch nach der
       Heizung oder dem WiFi-Router zu schauen, begegnet er mit resigniertem Witz
       und Charme.
       
       Mit dem Hören allerdings tut er sich zunehmend schwer. Weshalb er Niki
       ([1][Leo Woodall] aus der zweiten Staffel von „White Lotus“), einen jungen
       Mann, an seiner Seite hat, den er jedem, der es hören will, als den besten
       Klavierspieler vorstellt, den er je erlebt habe.
       
       Allerdings setzt Niki sich nie ans Klavier. Seine verheißungsvolle
       Karriere, so erfährt man später im Film, brach ab, als er auf Lärm
       „allergisch“ wurde. Niki leitet unter Hyperakusis; er erträgt seine
       Umgebung nur mit Stöpsel in den Ohren und mit Kopfhörern darüber. Seine ihn
       vereinzelnde Sonderbegabung bringt in der Paarung mit dem sozial gewieften
       Harry ein fernes Echo an Barry Levinsons „Rain Man“ von 1988 zurück. Nur
       dass damals Hoffman der mit der Sonderbegabung war und Tom Cruise ein
       junger Mann mit großem sozialen Geschick.
       
       ## Lärm stört ihn sehr
       
       Was Niki und Harry zusammengebracht hat, erzählt der Film nur in
       Andeutungen. Es ist wohl eher Wahl- als tatsächliche Verwandtschaft, wobei
       die gegenseitigen Gefühle von Ersatz-Sohn zu Ersatz-Vater und umgekehrt
       umso echter erscheinen.
       
       Die Gelegenheit, wie Niki aus seiner „Behinderung“ Profit schlagen könnte,
       lässt nicht lange auf sich warten. Zuerst soll er Harrys Privatsafe öffnen,
       zu dem der Schlüssel verlegt wurde, leider kurz nachdem Harry ein neues
       Passwort festlegte, an das er sich aber nicht mehr erinnern kann. Per
       Internet-Tutorial bringt Niki sich bei, wie man den Code eines Safes
       erlauscht. Es ist gar nicht so einfach, auch nicht für jemand mit
       Supergehör. Aber dann schafft er es doch.
       
       Wenig später wird er bei einem Auftrag von Lärm gestört und stößt so auf
       Uri (Lior Raz aus „Fauda) und seine Männer, die einen Safe mit Gewalt und
       lauten Geräten öffnen wollen. Uri behauptet, sie täten es in ihrer Mission
       als Security. Niki traut dem zwar nicht ganz, aber hilft aus, schon allein
       weil er weiteren Lärm vermeiden will. Und dann ist da auch das Geld, das
       Uri ihm anbietet. Und von dem er bald noch mehr, noch sehr viel mehr in
       Aussicht stellt.
       
       ## Er möchte helfen
       
       Regisseur Daniel Roher hat bereits einen Oscar gewonnen, allerdings für
       einen Dokumentarfilm, „Navalny“ von 2022. „The Piano Tuner“ ist sein
       Spielfilmdebüt, für das er mit Robert Ramsey zusammen auch das Drehbuch
       schrieb. Roher ist gerade mal 33, aber die Art und Weise, wie er seinen
       Film strukturiert, scheint absichtlich „old school“.
       
       Der Grund, der Niki zum Safeknacker macht, ist rein altruistisch motiviert:
       Er möchte Harry und seiner Frau helfen, die mit einer hohen
       Krankenhausrechnung geschlagen sind. Auch wird gleich schon signalisiert,
       dass das Ganze nicht lange gutgehen wird. Außerdem kommt in einem
       romantischen Nebenstrang die forsche, junge Komponistin Ruthie (Havana Rose
       Liu) ins Spiel.
       
       Das alles fügt sich zu einem kleinen, charakterbetonten Thriller zusammen,
       der durch sein Figuren-Arsenal besticht und nie ganz ins Klischee absinkt.
       Er kann es mit den Charakterdramen von früher, mit „Rain Man“ etwa, aber
       doch nicht wirklich aufnehmen. Zum einen ist [2][Dustin Hoffmans Rolle]
       viel kleiner, als man es erhofft. Zum andern fehlt der Figur von Niki
       etwas, das ihn jenseits seiner „Sonderbegabung“ wirklich interessant und
       vor allem: zeitgemäß macht.
       
       5 Jul 2026
       
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