# taz.de -- Nachruf auf Village-People-Sänger: Knalliges Catwalking mit testosteronsättigendem Tanz
> Victor Willis war Sänger und Produzent der Discoband Village People. Er
> war der einzige Hetero in der Truppe, in einer Zeit, in der Schwules noch
> unsagbar war.
(IMG) Bild: Victor Willis von den Vilage People ist tot
Es war die Zeit, als von [1][Aids] und anderen sexuell ansteckenden
Infektionen noch keine Rede sein musste, also um das Jahr 1978, als ein in
den USA lebendes französisches Freundespaar in seiner Musikszene auf die
Idee kam, einen Act zu kreieren, der die männlichsten (nach klassischer
Lesart) Stereotypen zusammenfasste, um aus ihnen so etwas wie eine
gecastete Discoband zu gestalten. Heraus kam eine Formation namens Village
People – und ihr Lied lautete [2][„Y.M.C.A.“].
Das war ein schon nach kurzer Zeit, wie alle Schlager, enervierender
Ohrenfräser, ästhetisch weitgehend anspruchsarm produziert, immens
erfolgreich, bis in heutige Tage ein Popsong in kristalliner Klarheit.
Tanz- und stampffähig, entsetzlich eingängig auf Anhieb.
Das Kuriose war allein: Die Männer, die die Band verkörperten, waren
ausstaffiert wie aus einem schwulen Traumarrangement – der, hier in der
Nomenklatur benannt wie in früheren Zeiten, Indianer, der Bauarbeiter, der
Schwarze und der Cowboy.
Und das Dorf, das Village, um das es behaupteterweise ging, war Greenwich
Village, das Schwulenviertel in New York City, noch eher ungentrifiziert,
nahe am Hudson, weit weg von der vornehmen East Side, Sex, Drugs & Gay Rock
‚n‘ Roll. Nur dass das keiner aussprechen durfte (oder vermochte): Schwules
war noch hot, weil es so unsagbar, so verboten, so
CSD-Pride-Parade-Lichtjahre-entfernt, zumal in Deutschland das Wort
„[3][Stonewall]“ noch niemand als politisches Faktum gehört hatte, aber
selbst Heteros, die sich als aufgeklärt und informiert verstanden,
erkannten in diesen Dorfleuten keine Signaturen schwuler Codes.
## Der Mann des virilen, lebenszuversichtlichen Konzepts
Noch kurioser: Der Leadsänger, Victor Willis, war der einzige der
Formation, der nicht schwul war. Geboren 1951 in Dallas, Texas, spielte er
in der Popgruppe die Figur des „Cop“ (and he was no bastard!) und
Marineoffiziers, bekam früh attestiert, über eine schöne und kräftige
Rhythm-'n‘-Bluesstimme zu verfügen, nur für eine Solokarriere reichte es
nie.
Dafür, siehe die Zeilen vorher, wurde er entdeckt als Mann des virilen,
lebenszuversichtlichen Konzepts, keine Schneeflocke, keine vergrübelte
Sanftheit, im Gegenteil knallig fröhliches Catwalking mit
testosteronsättigenden Tanzschritten. Willis, bis zu seiner Erfolgsnummer
hier und da am Broadway tätig, in der Werbejinglebranche, aber fern eines
persönlichen Oeuvres, produzierte einige der Hits der Village People mit,
auch an den zwei anderen Liedern, die ewige Tantiemen verhießen, [4][„In
the Navy“], „[5][Macho Man]“ oder „[6][Go West]“.
Willis, der vom Miterfinder der Village People darauf hingewiesen wurde,
dass auch er mit den Zeichen der politisch und kommerziell erwachenden
Schwulenszene Post-Stonewall umzugehen habe, war nicht zimperlich – und
machte seinen Job mit den anderen exzellent. Dass ein sehr aufregendes
Leben damals zu Drogenkonsum führen würde, ist aus heutiger Sicht
naheliegend, dass er seine Kokainprobleme in den Griff bekommen würde,
tröstlich.
Er war zweimal verheiratet, hatte am Ende nichts mehr mit der Urbesetzung
der Village People gemein, die im Übrigen nach Willis' Abschied aus der
Gruppe nie mehr so recht Erfolg hatten.
Am 30. Juni ist er im einen Tag vor seinem 75. Geburtstag gestorben. Er hat
buchstäblich Spuren hinterlassen, unironisch gemeint, gut lesbar … und
heute ein wenig verweht.
1 Jul 2026
## LINKS
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(DIR) [4] https://youtu.be/nmGuy0jievs?si=LRJkj692IxZ57BZY
(DIR) [5] https://youtu.be/Zg3q6qW2aKo?si=61KYxWrPOsME6i7Z
(DIR) [6] https://youtu.be/1wc-AQJ2MYo?si=DVzrXUPDmF7yk_m6
## AUTOREN
(DIR) Jan Feddersen
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nur noch Y heißen.