# taz.de -- Soloalbum-Debüt von Chili Pepper Flea: Er möchte frei sein
> Flea, Bassist der US-Punkfunker Red Hot Chili Peppers, veröffentlicht mit
> „Honora“ sein Solodebüt. Damit verneigt er sich arg ehrfürchtig vor dem
> Jazz.
(IMG) Bild: Mal nicht am Slappen, sondern beim Schmettern: Flea
Red-Hot-Chili-Peppers-Bassist Flea tanzt im Video zu seinem Song „A Plea“,
es ist die erste Auskoppelung aus dem nun endlich erscheinenden
Debütsoloalbum „Honora“. Wow! Das ist wirklich verdammt gut! Die
zauberhafte Querflöte, die Jazz-Gitarre (von Jeff Parker) und natürlich die
funkigen Basslicks von Flea selbst. Und was für messerscharfe Breaks aus
der guten alten James-Brown-Schule! Damit war nun wirklich nicht zu
rechnen!
Als Fan der Red Hot Chili Peppers war der Output bis zu ihrem Album „Blood
Sugar Sex Magik“ immer ein großes dissidentes Funk-Vergnügen. Ihr
Crossover-(Punk-)Rock im Gefolge von Funkadelic, Gang Of Four und Black
Flag war immer sehr szeneübergreifend und partytauglich.
Mit ihrem Album „Californication“ wurden die Peppers endgültig zur größten
Crossover-Band des Planeten. Kein Wunder, dass die britische Private Equity
Company „Hipgnosis“, die schon die Musikkataloge von Neil Young, Bob Dylan
oder Sting für unfassbar viel Geld für ihre Kapitalanleger aufgekauft hat,
der kalifornischen Band nun astronomische 140 Millionen US-Dollar für ihren
Katalog gezahlt hat.
Dabei waren die letzten sechs Alben der Red Hot Chili Peppers sehr
durchwachsen. Spannend gerieten eher die Soloalben von Gitarrist John
Frusciante, der die Band schon zweimal verließ, seit 2019 aber wieder mit
dabei ist.
Nun also „Honora“, das Debütsoloalbum ihres freakigen Bassisten, der einst
den Slapbass in den Antifa-Rockläden salonfähig machte. Sowieso Funk und
Rock, die Unterscheidung von Black und White Music – alles kulturelle
Gräben, die es in den 80er und auch 90er Jahren unbedingt zu überwinden
galt. „Who says a rock band can’t play funk?“, [1][fragte George Clinton]
bereits 1978 auf dem Funkadelic-Album „One Nation Under A Groove“.
Die Red Hot Chili Peppers haben ihren Teil mit Punkattitüde zur
überfälligen Auflösung dieser Genregrenzen auf jeden Fall beigetragen. Für
Fleas Soloalbum braucht man als Fan aber unbedingt eine starke Affinität
zum Jazz.
So spielt er auf diesem Album nicht nur Bass, sondern auch Trompete und
bläst etwa das legendäre „Maggot Brain“ von Funkadelic. Der Track „Frailed“
klingt wie 90er-Jahre-Electronic zwischen Drum-’n’-Bass-Breakbeat und
TripHop-Einschläferung! Musik, die einst auf Labels wie Mo’ Wax
herausgekommen ist.
Thom Yorke taucht auf dem Album als Gastsänger auf, genau wie Nick Cave,
der die Mutter aller Rausschmeißersongs intoniert: De Countrypopsong
„Wichita Lineman“ von Glen Campbell. Cave klingt auf dieser Aufnahme wie
Scott Walker zu besten Walker-Brothers-Zeiten.
## Glaubwürdige Freiheit
Insgesamt hätte es diese Coverversionen aber nicht wirklich gebraucht,
wobei „Maggot Brain“ und „Wichita Lineman“ zweifelsohne eine ausgezeichnete
Wahl im Periodensystem der Digger-Elemente sind. Was dem Album am Ende aber
leider fehlt, ist ein zweites „A Plea“. Hätte Flea es tatsächlich
geschafft, ein ganzes Album auf diesem Niveau mit seiner Spitzenband
einzuspielen, es wäre ein Werk für alle Ewigkeiten geworden.
[2][Aber gerade im weltweiten Jazz-Universum gibt es aktuell so unfassbar
viel gute Musik], dass das Crossover-Album unseres liebsten Funky-Punks
eher wie eine große Ehrerweisung an den Jazz klingt. Ein virtuoser oder
innovativer Jazzkünstler ist Flea eben nicht.
„Free as I want to be“, heißt es zum Schluss, und es gibt noch mal
wunderbar schleppende Funky-Rock-Licks in bester Funkadelic-Manier. Der
Chor steigt ein und wiederholt den Songtitel als Mantra.
Das kauft man Flea auf seinem Soloalbum auf jeden Fall ab: Dass sich
ebendieser inzwischen 62-jährige Michael Peter Balzary so frei fühlt, wie
er sich fühlen möchte. Fest steht: Die Freiheit, die er und seine Band uns
hier spüren lassen, ist nicht dieselbe, die mächtige alte Männer im
Mutterland des Funk gerade meinen, wenn sie von Freiheit reden und sich
dummdreist die Disco-Grooves von Village People für ihre Zwecke aneignen.
23 Mar 2026
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