# taz.de -- Pegah Edalatian zur Grünen-Urabstimmung: „Sie dürfen immer noch Edalatian sagen“
       
       > Die Basis nimmt eine Satzungsreform an, unter anderem wird ein
       > Vorstandsamt umbenannt. Die taz führt das erste Interview mit einer
       > Grünen-Generalsekretärin.
       
 (IMG) Bild: Urabstimmung statt Parteitagsbeschluss: Die Grünen ändern die Satzung auf ungewöhnlichem Weg
       
       taz: Frau Edalatian, müssen wir Sie jetzt als Frau General ansprechen? 
       
       Pegah Edalatian: Sie dürfen immer noch Edalatian sagen. Aber ja, ich bin
       jetzt die erste Generalsekretärin der Grünen.
       
       taz: Bisher wurde Ihr Amt in der Grünen-Satzung als „Politische
       Geschäftsführerin“ bezeichnet. Was ändert sich durch den neuen Begriff, der
       [1][in der Urabstimmung] mit 83 Prozent der Stimmen angenommen wurde? 
       
       Edalatian: Nach außen wird klarer, was diese Position eigentlich bedeutet.
       Ansonsten verantworte ich nach wie vor Wahlkämpfe und Kampagnen, die
       Gremien und Bundesdelegiertenkonferenzen.
       
       taz: Insgesamt hatte die Parteispitze 17 Änderungsvorschläge an der Satzung
       vorgelegt. Über alle wurde einzeln abgestimmt und die Mitglieder haben alle
       angenommen. Hätten Sie damit gerechnet? 
       
       Edalatian: Ich habe vor der Abstimmung über 45 Webinare gemacht und bin
       durch 20 Kreisverbände gereist. Es gab natürlich kontroverse Diskussionen,
       aber ich habe auch viel Zustimmung erfahren. Überrascht bin ich also nicht.
       Aber ich bin dankbar, dass so viele Mitglieder an der Urabstimmung
       teilgenommen haben, nämlich 64.000. Dass die Zustimmungsraten zu den
       einzelnen Vorschlägen zwischen 51 und 93 Prozent schwanken, zeigt zudem,
       dass viele differenziert abgestimmt und sich sehr viele Gedanken gemacht
       haben. Da bin ich stolz auf die Partei: Die Mitglieder haben sich
       reingefuchst und Verantwortung übernommen für gute, funktionsfähige
       Strukturen.
       
       taz: Satzungsfragen sind Machtfragen. Hat sich die Macht von der Basis zur
       Spitze verschoben, weil zum Beispiel Ortsverbände und Einzelmitglieder
       nicht mehr so einfach Anträge für Parteitage stellen können? 
       
       Edalatian: Nein, im Gegenteil: Die Bundesdelegiertenkonferenzen werden
       jetzt transparenter. Mit weniger Anträgen können wir besser debattieren und
       die wirklich entscheidenden Diskussionen führen. Früher haben Delegierte
       oft nicht nachvollziehen können, worüber sie entscheiden. Das ist jetzt
       demokratischer.
       
       taz: Hätte ein Parteitag über die Satzung entschieden, hätte laut Satzung
       ein Quorum von 50 Prozent gegolten. An der Urabstimmung haben 35 Prozent
       der Mitglieder teilgenommen. Ist das wirklich ein guter Wert? 
       
       Edalatian: Ja, absolut! Beim Parteitag brauchen Reformen ein
       50-Prozent-Quorum und auch eine Zweidrittelmehrheit, weil 900 Delegierte
       für 183.000 Mitglieder abstimmen. Wenn 183.000 Menschen abstimmen, spricht
       dagegen jede*r für sich selbst in der direkten Repräsentation.
       
       taz: Gegner der Reform wollten die Urabstimmung vor dem Schiedsgericht der
       Partei [2][und dem Landgericht Berlin stoppen.] Weitere rechtliche Schritte
       gegen das Ergebnis stehen im Raum. Wie sicher sind Sie sich, dass das
       Ergebnis Bestand hat? 
       
       Edalatian: Ich bin nicht darüber informiert, ob weitere rechtliche Schritte
       geplant sind. Ich bin einfach sehr stolz darauf, dass so viele Menschen
       abgestimmt haben. Das Ergebnis ist die Stimme von über 64.000 Mitgliedern.
       
       taz: Die Parteienrechtlerin Sophie Schönberger sagt: Das Parteiengesetz
       erlaubt keine Satzungsänderung per Urabstimmung. Nur ein Parteitag dürfe
       eine Reform beschließen. 
       
       Edalatian: Wir und übrigens auch unser Bundesschiedsgericht vertreten eine
       andere Interpretationen und berufen uns dabei auf die grundgesetzlich
       verankerte Satzungsautonomie. Dieser Teil des Parteiengesetzes ist in einer
       Zeit entstanden, als Urabstimmungen noch nicht geläufig waren und man
       verhindern wollte, dass ein kleiner Vorstand einfach eine neue Satzung
       erlässt und die innerparteiliche Demokratie beschneidet. Eine Urabstimmung
       erfolgt dagegen nicht an den Mitgliedern vorbei, sondern ermöglicht ja
       gerade eine starke Beteiligung.
       
       taz: Das Ergebnis zeigt zwar, dass nur eine Minderheit gegen die
       Satzungsänderung war. Diese Minderheit war aber zum Teil sehr entschieden
       dagegen und beklagte, ins Verfahren nicht ausreichend eingebunden gewesen
       zu sein. Frust gab es [3][zum Beispiel in den Bundesarbeitsgemeinschaften],
       einer Art innerparteilicher Denkfabriken. Müssen Sie da etwas kitten? 
       
       Edalatian: Die Bundesarbeitsgemeinschaften waren eingebunden, unter anderem
       in der Satzungskommission. Aus meiner Sicht gewinnen sie an Einfluss: Die
       Antragskommission kann künftig zum Beispiel Parteitagsanträge an sie
       überweisen und sie können dann zeigen, dass sie zu ihren Themen unsere
       Expert*innen sind. Bei der Umsetzung der Satzungsänderungen werden wir
       auch weiterhin mit ihnen im Gespräch bleiben.
       
       1 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Abstimmung-zur-Gruenen-Parteireform/!6192400
 (DIR) [2] /Satzungsreform-der-Gruenen/!6184601
 (DIR) [3] /Satzungsreform-der-Gruenen/!6167893
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Schulze
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bündnis 90/Die Grünen
 (DIR) Mitgliederentscheid
 (DIR) Parteien
 (DIR) Basisdemokratie
 (DIR) Bündnis 90/Die Grünen
 (DIR) Bündnis 90/Die Grünen
 (DIR) Bündnis 90/Die Grünen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Abstimmung zur Parteireform: Grüne gewinnen eine Wahl
       
       Grund zur Freude für die Parteispitze: Die Basis nimmt ihre Vorschläge für
       eine Satzungsänderung überraschend deutlich an. Ein Fragezeichen bleibt
       aber.
       
 (DIR) Satzungsreform der Grünen: Gericht weist Klage gegen Urabstimmung ab
       
       Die Grünen wollen über ihre Satzungsreform abstimmen lassen. Teile der
       Parteibasis laufen Sturm. Nun haben sie vor Gericht eine Niederlage
       kassiert.
       
 (DIR) Satzungsreform der Grünen: Die Parteibasis stellt Machtfragen
       
       Die Grünen-Spitze will die Satzung ändern. Mitglieder fürchten weniger
       Einfluss. Nun schalten sich deswegen auch die Bundesarbeitsgemeinschaften
       ein.