# taz.de -- Österreich gegen Spanien bei der WM: Die gebremste Euphorie vor dem „Habsburger Derby“
> Es ist nur ein Spiel, das eine Spiel: Wie sich Österreich nach dem Rausch
> der letzten Rettung auf das K.-o.-Spiel gegen Spanien vorbereitet.
(IMG) Bild: Bist du deppert: narrischer Jubeltrubel nach dem 3:3 gegen Algerien
Es ist nur das eine Spiel, und in einem Spiel ist alles möglich. An diese
Fußballbinse hält sich eine ganze Nation. Und zwar die, die mit Saša
Kalajdžićs Ausgleich gegen Algerien das bisher vielleicht größte Drama
dieser WM geliefert hat: vom Aus in der Nachspielzeit bis zur Rettung ins
Sechzehntelfinale in knapp vier Minuten. Österreich kann WM, und das wird
als große Genugtuung gesehen. Vor allem, seit der große Nachbar, Rivale und
Erzfreund Deutschland so schmählich ausgeschieden ist.
Das erlösende Tor des Ex-Stuttgarters zum 3:3 ist neben der Roten Karte für
den Paraguayer Miguel Almirón gegen die Türken auch deswegen bereits
unvergesslich, weil es für den medialen Moment des Turniers gesorgt hat:
Wie die DJ-eske Mitteilung des Schiedsrichters Ivan Barton bei der Roten
Karte („[1][decision is red card]“) ist das befreite [2][Gebrüll des
ORF-Reporters Daniel Warmuth] viral gegangen wie sonst was, als Meme, als
Soundschnipsel für [3][allerlei musikalische Bearbeitung]. Warmuth, der
völlig eskaliert, wie man so einen Ausraster heutzutage nennt, genießt nach
der Erlösung seine 15 Minuten Fame.
Eine Erlösung, auf die [4][die Deutschen vergeblich gehofft haben], hat
Österreich erfasst. Eine Erlösung und in der Folge eine Philosophie: „Der
Fußball wird immer enger. Jeder kann jeden schlagen“, wie etwa Aleks
Dragović, der Experte des Boulevardblatts Heute, in Hinsicht auf das
Sechzehntelfinalspiel an diesem Donnerstagabend meint.
Womit wir also wieder bei dem einen Spiel sind, in dem alles möglich ist.
Warum nicht auch ein Sieg über Spanien? So richtig beängstigend war bislang
eh nicht, was die Weltmeister von 2010 im Turnier gezeigt haben. Und
Österreich unter dem deutschen Trainer Ralf Rangnick kann modernen Fußball,
auch wenn man vergleichsweise star-, also auch unterschiedsspielerlos
aufläuft: Es wird für die Rotweiß-Roten im „Habsburger Derby“ viel auf die
Geschlossenheit ankommen, aufs kompakte Verteidigen, auf die viel besagten
Umschaltmomente.
## Schlitzohr und Fleiß
Und vorne gibt es Schlitzohr Marko Arnautović, der allein wegen
altersbedingt fehlender Spritzigkeit immer nur eine Halbzeit auflaufen
kann: Er wird entweder von Fleißspieler Michael Gregoritsch vom FC Augsburg
oder dem Leih-Linzer Kalajdžić abgelöst. David Alaba hält hinten den Laden
zusammen, Konrad Laimer läuft für zwei, Marcel Sabitzer hat die berühmte
Klebe (wie bei seinem 2:1 gegen Algerien) und Schlager, Wanner, Grillitsch,
Schmid, Schöpf oder Wimmer sorgen für Momente: Der Kader ist ausgewogen
genug, um den Stars um Lamine Yamal und Nico Williams etwas entgegensetzen
zu können.
Österreich hat Spanien schließlich schon einmal geschlagen, bei der für
Austria fußballhistorisch so entscheidenden WM 1978: in der Vorrunde mit
2:1, Tore von Walter Schachner und Hans Krankl. „Erst Spanien, dann ganz
Großes möglich“, lässt sich ÖFB-Sportchef Peter Schöttel zitieren. Und
warum auch nicht: Die nachtschlafenden Uhrzeiten sind für die „kleine
Fernsehnation“ vorbei, und zwar endgültig. Nach dem einen Spiel gegen
Jordanien um 6 Uhr in der Früh und dem anderen gegen Algerien um 4 Uhr
warten jetzt jedenfalls in der Theorie nur noch Abendspiele: Gegen Spanien
ist der Anpfiff um 21 Uhr MESZ.
Auch das Achtelfinale gegen CR7 oder Luka Modrić wird um 21 Uhr gestartet,
ebenso das Viertelfinale gegen USA, Bosnien, Belgien oder Senegal. Es ist
die [5][leichte Turnierbaumhälfte]! Durchaus was drin! Halbfinale dann
gegen Frankreich – noch einmal das eine Spiel!! – und Finale gegen
Argentinien: auch wieder um 21 Uhr. Österreich könnte ein Sommermärchen
erleben, quasi am helllichten Tag.
Wer mag da noch Salz in die Suppe spucken? Der Standard vielleicht:
„Österreichs Defensive war bei der bisherigen WM nicht besonders
sattelfest“, wird da geunkt. Wer spielt gegen Yamal? Ob Marco Friedl oder
ein anderer, fest steht: „Es wird ohnehin die ganze Mannschaft brauchen,
dass aus der Festung keine Sandburg wird.“
Gewarnt und auf die Euphoriebremse gedrückt, wird allenthalben also genug:
Und den einen Moment, den hatte Österreich im Grunde schon. Von dem kann
man, wie damals nach Córdoba bei besagter WM 1978, im Grunde noch fünf
Jahrzehnte lang zehren.
2 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=k4FAMGeCZug
(DIR) [2] https://www.youtube.com/shorts/lU3axNPsTzg
(DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=ee7ivx3MG4Y
(DIR) [4] /Niederlage-der-DFB-Elf-Daemlicher-deutscher-Hochmut/!6192046
(DIR) [5] /Fuenf-gute-Ausreden-fuer-Julian-Nagelsmann-falls-Deutschland-scheitert/!6191540
## AUTOREN
(DIR) René Hamann
## TAGS
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Österreich
(DIR) Spanien
(DIR) Argentinien
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Fußball-WM
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Fußballschauen in der Ukraine: Public Viewing, aber nur bis Mitternacht
In der Ukraine spielt die WM kaum eine Rolle. In Odessa muss man die
Fußballbegeisterten erstmal finden. In Lwiw gedenkt man eines getöteten
Torwartes.
(DIR) Rekordtorjäger Lionel Messi: Der Fuß Gottes
Durch sein 2:0 gegen Österreich ist Messi nun alleiniger
WM-Rekordtorschütze. Laut Österreichs Trainer Rangnick war der erste
Treffer nicht regulär.
(DIR) Österreich gegen Argentinien: Der Realitäts-Check
In der Alpenrepublik ist der Optimismus, was den WM-Titel angeht, groß.
Gegen Argentinien kann Rangnicks Team nun überprüfen, ob der berechtigt
ist.