# taz.de -- Rekordtorjäger Lionel Messi: Der Fuß Gottes
       
       > Durch sein 2:0 gegen Österreich ist Messi nun alleiniger
       > WM-Rekordtorschütze. Laut Österreichs Trainer Rangnick war der erste
       > Treffer nicht regulär.
       
 (IMG) Bild: Da kommen die Österreicher nicht mehr hinterher: Messi und sein Fuß
       
       Die Heldenverehrung für [1][Lionel Messi] erreichte direkt nach dem Abpfiff
       das nächste Level. Ekstatisch jubelte das Publikum, als Argentiniens
       Kapitän nach seinen tatsächlich historischen WM-Toren 17 und 18 lachend und
       winkend Auszug hielt aus der Arena von Arlington bei Dallas. Auch
       Österreichs deutscher Trainer Ralf Rangnick stimmte ein in die
       Lobpreisungen für Messi, der mit seinen beiden Treffern beim 2:0(1:0)-Sieg
       zum alleinigen WM-Rekordtorschützen aufgestiegen war.
       
       Insgesamt 18 WM-Tore hat Messi nun bei seinen sechs Weltturnieren
       angehäuft, zwei mehr als der frühere deutsche Nationalspieler Miroslav
       Klose. Allein in den zwei Spielen bei der aktuellen WM hat Messi bereits
       fünf Tore erzielt. „Das war uns vorher schon klar, dass Lionel Messi der
       beste Spieler der Welt ist“, sagte Rangnick.
       
       An diesem Mittwoch feiert Messi seinen 39. Geburtstag. Bemerkbar gemacht
       hat sich sein Alter bislang aber nicht wirklich, wenngleich er nach dem
       vorzeitigen Einzug ins Sechzehntelfinale angab, erschöpft zu sein. „Ich bin
       natürlich sehr froh, dass ich das alles erreicht habe“, sagte Messi, „ich
       genieße einfach den Moment.“
       
       Dass er zunächst einen Foulelfmeter ziemlich kläglich neben das Tor
       geschossen hatte und [2][von den Österreichern phasenweise gut
       kontrolliert] worden war, aber dennoch der Hauptdarsteller wurde, zeige
       seine herausragende Qualität, befand Rangnick: „Deswegen ist er Messi, dass
       er nicht so viele Situationen braucht, um so sein Spiel trotzdem zu
       entscheiden.“
       
       ## Rangnick erzürnt
       
       Zugleich verwies er mehrfach auf jene Szene, die Messis erstem Tor
       vorausgegangen war. Wie vor dem besagten Elfmeter hätte sich Rangnick
       [3][ein Einschreiten des VAR] gewünscht. Dann hätte der Schiedsrichter Amin
       Omar „gesehen, was jeder von uns auf der Bank gesehen hat: Nämlich, dass es
       ein klares Foul an Xaver Schlager war“, sagte er. Gemeint war der
       Ballgewinn zu Beginn des Konters, als Alexis Mac Allister dem Österreicher
       wohl von hinten in die Fersen getreten hatte.
       
       Rangnick erzürnte der Verzicht auf ein Eingreifen des VAR so sehr, dass er
       sein Missfallen noch ein zweites Mal ungefragt vortrug. Er könne das „nicht
       verstehen“, sagte er. Seine Mannschaft hatte gegen den Titelverteidiger
       zwar gut dagegengehalten, aber zu selten für Torgefahr gesorgt. Die Chancen
       aufs Weiterkommen stehen dennoch gut, zumal Österreich erst ganz am Ende
       der Gruppenphase gegen Algerien antreten muss. „Es ist sicherlich von
       Vorteil, dass wir das allerletzte Spiel haben, weil wir dann wissen, was
       für ein Ergebnis wir brauchen“, sagte Rangnick.
       
       Es passte zum 40. Jahrestag von Diego Maradonas Tor mit der berühmten Hand
       Gottes und seinem anschließenden Sololauf zum Jahrhunderttor, dass nun auch
       Messis WM-Rekordtreffer eine Debatte nach sich zog, ob dieser regulär war.
       Zwar hatte sich Argentiniens aktuelle Nummer 10 im Gegensatz zum
       verstorbenen Idol nichts zuschulden kommen lassen, dafür aber wohl sein
       Teamkollege.
       
       Weil die Szene in den TV-Bildern jedoch nur aus größerer Entfernung gezeigt
       wurde, ließ sie keine eindeutige Bewertung zu. Umso deutlicher war aber zu
       sehen, wie sich Schlager direkt nach dem Zweikampf auf dem Boden krümmte.
       Ob die Szene überprüft worden war vom VAR, blieb unklar. Schlagers
       Interpretation der Szene war jedenfalls unzweifelhaft. Gegenüber dem
       Vierten Offiziellen deutete er mit einer Geste an, dass ihm Mac Allister
       mit dem Tritt von hinten die Beine wegzogen habe.
       
       ## Nur fast wie Maradona
       
       Die diffusen Umstände von Messis WM-Rekordtor erinnerten auch deshalb an
       die WM 1986, weil die damals noch nicht so brillante Bildqualität zunächst
       leichte Zweifel zuließ, ob Maradona den Ball bei seinem ersten Tor im
       Viertelfinale gegen England tatsächlich mit der Hand gespielt hatte. „Es
       war ein bisschen Maradonas Kopf und ein bisschen die Hand Gottes“, gab
       Maradona damals an und trug so zur Legendenbildung bei.
       
       Wenn man so will, hatte das Publikum nun bei Messis Tor den Fuß Gottes
       erlebt. Der Spielzug nach dem umstrittenen Ballgewinn durch Mac Allister
       war auf jeden Fall himmlisch. Thiago Almada hatte Facundo Medina links
       mitgenommen. Der Linksverteidiger passte direkt wieder in die Mitte, wo
       Almada den Ball für Messi durchließ, der ebenfalls direkt mit links flach
       ins untere linke Eck vollendete.
       
       [4][Messis Verehrung] wird durch dieses Tor weiter zunehmen, wenngleich er
       an Maradonas Heiligenstatus in Argentinien wohl nie herankommen wird.
       Maradonas Geschichte mit seiner Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen
       berührt die Herzen schlicht mehr als Messis, der mit 13 Jahren bereits zum
       FC Barcelona kam. Und der auch dank der Gabe von Wachstumshormonen zum
       achtmaligen Weltfußballer und nun zum WM-Rekordtorschützen aufsteigen
       konnte. Wie gut er noch immer ist, hat er bei dieser WM längst gezeigt.
       Nicht nur mit seinen Rekordtoren.
       
       23 Jun 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Maik Rosner
       
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