# taz.de -- Stahlindustrie: EU zieht Mauern für China-Importe hoch
> Die EU will die Einfuhr von Billigstahl aus China abwürgen. Mit
> möglicherweise üblen Folgen für die Stahlindustrie der Ukraine.
(IMG) Bild: Stahlproduktion in den Elbe-Stahlwerken Feralpi in Riesa
Die EU weitet ihre [1][Strafzölle gegen billigen Stahl] aus China, Taiwan
und andere Staaten aus. Zugleich sollen wichtige Handelspartner wie die
Türkei, Südkorea oder die Ukraine geschont werden. Wer ein
Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet hat, werde bevorzugt
behandelt, kündigte Handelskommissar Maroš Šefčovič in Brüssel an.
Die neuen Schutzmaßnahmen sollen ab diesem Mittwoch gelten. Die Menge der
zollfreien Stahlimporte in die EU wird auf 18,3 Millionen Tonnen fast
halbiert, zugleich werden die [2][Antidumpingzölle] verdoppelt. Damit das
Ganze mit den Vorschriften der Welthandelsorganisation WTO vereinbar ist,
hat sich die EU komplizierte Regeln ausgedacht.
Die erste Hälfte des zollfreien Kontingents wird demnach wie bisher unter
allen Handelspartnern aufgeteilt. Die zweite Hälfte hingegen geht künftig
ausschließlich an jene Staaten, mit denen die EU ein Freihandelsabkommen
oder eine entsprechende Absichtserklärung geschlossen hat. Das hilft vor
allem der Türkei, Indien und Südkorea.
Für die Ukraine hat sich die EU-Kommission eigene Schutzregeln ausgedacht.
Dennoch sorgen sich die ukrainischen Exporteure: Das neue europäische
Quotensystem „könnte die ukrainische Stahlindustrie zerstören“, warnt Yuriy
Ryzhenkov, der Chef des Konzerns Metinvest. Es sei unfair, die Importe
mitten im Krieg mit Russland zu beschränken.
## Sorgen der Ukraine unbegründet
Die Sorgen seien unbegründet, heißt es dagegen in Brüssel. „Wir haben einen
guten Kompromiss zwischen den WTO-Regeln und den Verpflichtungen gegenüber
unseren wichtigsten Handelspartnern gefunden“, so Šefčovič. Die
Partnerstaaten könnten künftig sogar mehr Stahl in die EU exportieren und
nicht – wie befürchtet – weniger.
Unklar ist, wie sich die neuen Maßnahmen auf die USA auswirken.
US-Präsident Donald Trump ist mit seinen Strafzöllen auf Stahl und
Aluminium aus der EU sowie mit seinem Handelskrieg gegen China
mitverantwortlich für die [3][Krise am europäischen Stahlmarkt]. Wegen der
US-Barrieren drängt immer mehr Billigstahl aus China nach Europa.
Auf der anderen Seite zählen die USA nicht zu den bevorzugten
Handelspartnern der EU. Sie sind daher auch von den neuen europäischen
Schutzmaßnahmen betroffen. Die EU-Kommission rechnet trotzdem nicht mit
Ärger. „Es wird keine Vergeltung geben, weil die USA in diesem Fall gut
finden, was wir tun“, sagte ein EU-Beamter in Brüssel.
Rückendeckung bekommt die Kommission vom Europaparlament. „Es ist bereits
fünf nach zwölf“, sagte der Vorsitzendes des Handelsausschusses, Bernd
Lange (SPD). Die bisherigen Regeln seien von der neuen Realität am
Weltmarkt überrollt worden. „Genau deshalb ist der neue Schutzschild
richtig und notwendig“, so Lange. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl sprach
von einem „richtungsweisenden Baustein“ zur Sicherung des Stahlstandorts
Deutschland.
30 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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