# taz.de -- KPÖ-Wahlsieg in Graz: Eine glaubwürdige linke Alternative
       
       > Der fulminante Wahlsieg der KPÖ und ihrer Bürgermeisterin Elke Kahr in
       > Graz lässt viele Linke hoffen. Doch die Stadt ist ein Sonderfall.
       
 (IMG) Bild: Große Freude auf der Siegesfeier der KPÖ nach der erfolgreichen Wahl in Graz
       
       Graz ist anders. Das zeigt der [1][fulminante Wahlsieg Elke Kahrs am
       Sonntag in Österreichs] zweitgrößter Stadt. Die amtierende Bürgermeisterin
       baute die knapp 29 Prozent ihrer Kommunistischen Partei (KPÖ) auf über 35
       Prozent aus.
       
       Das lag zum Großteil an Kahr selbst, die ihr Amt von Anfang an [2][auch
       sozialarbeiterisch anlegte]. In regelmäßigen Bürgersprechstunden steht sie
       mit Rat und Tat zur Seite, ob bei der Wohnungssuche oder Hilfe in einer
       Notlage. Ihr Gehalt kürzte sie auf das eines Facharbeiters zusammen, den
       Rest spendete sie. Politisch setzte sich Kahr für den Bau Hunderter
       Sozialwohnungen, einen grüneren Stadtraum und die Absicherung von
       Sozialeinrichtungen ein. All das wurde belohnt.
       
       Kahr widerlegt damit die These, dass Amtsinhaber beinahe zwangsläufig
       abgestraft werden. Im Gegenteil: Eine soziale, bürgernahe und nicht allzu
       ideologische Politik wird gestärkt. Das ist zugegebenermaßen in einer
       310.000-Einwohner-Stadt leichter als auf Landes- oder gar Bundesebene. Und
       doch kann man sich in der ein oder anderen Parteizentrale [3][eine Scheibe
       davon abschneiden].
       
       Klar ist aber auch: Graz ist und bleibt ein Sonderfall; ein dunkelroter
       Leuchtturm in der von der rechtsextremen FPÖ regierten Steiermark. Zwar
       gelang der KPÖ mit ähnlichem Rezept und knapp zwölf Prozent [4][auch in
       Salzburg der Einzug in den Landtag]. Doch bundesweit (2,4 Prozent) und
       selbst im linken Wien (4,1 Prozent) scheiterte sie am Einzug in den
       Nationalrat beziehungsweise Landtag. Im Parlament waren sie nur zwischen
       1945 und 1959 vertreten.
       
       Wohl nur ein kleiner Teil von Kahrs Wählern würde sich als Kommunisten
       bezeichnen. Die meisten stimmten [5][für ihre konkrete Politik, nicht die
       Ideologie]. Dass die KPÖ trotzdem an ihrem Namen festhält, liegt an ihren
       antifaschistischen Verdiensten während der NS-Zeit, die sie weiter
       hochhält. Doch schon das K-Wort schreckt manche ab. Erst recht das
       fragwürdige Verhältnis mancher KPÖ-Vertreter zu autoritären Regimen und
       insbesondere Russland, das in Teilen bis heute anhält.
       
       Graz zeigt jedoch, dass Rechtsextreme kein Monopol auf Proteststimmen
       haben: Viele sind von Grünen und Sozialdemokraten enttäuscht, die
       angesichts von Rekordinflation und Einsparungen zu wenig soziales
       Engagement vermitteln. Das Modell Kahr macht deutlich, dass es eine
       glaubwürdige linke Alternative geben kann – nicht nur in Österreich.
       
       29 Jun 2026
       
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