# taz.de -- Politik in Argentinien: Javier Milei entlässt seinen Kabinettschef
       
       > Er wetterte stets gegen Korruption – und war mutmaßlich selbst korrupt:
       > Manuel Adorni muss zurücktreten. Er soll etwa Vermögenswerte nicht
       > angegeben haben.
       
 (IMG) Bild: Da waren sie noch ein Herz und eine Seele: Adorni und Milei im Jahr 2025
       
       Schwerer Schlag für den argentinischen Präsidenten Javier Milei. Am Samstag
       ist sein Kabinettschef zurückgetreten. Manuel Adorni kam damit einer
       drohenden Amtsenthebung durch den Kongress zuvor. Gegen den 46-Jährigen
       ermittelt die Justiz wegen des Vorwurfs der unrechtmäßigen Bereicherung.
       Adorni war zwei Jahre lang Regierungssprecher, bevor Milei ihn im November
       2025 zum Kabinettschef ernannte.
       
       Noch am Freitag hatte Milei sich hinter Adorni gestellt. „Ich glaube an
       seine Ehrlichkeit“, sagte der Präsident. Er fügte aber hinzu: „Wenn man ihn
       für schuldig befindet, werfe ich ihn eigenhändig raus.“ Bislang wurde
       Adorni von keinem Gericht für schuldig befunden. Doch seine Unfähigkeit,
       seine Ausgaben mit entsprechenden Einnahmen zu erklären, sorgt seit Wochen
       für negative Schlagzeilen.
       
       Gebetsmühlenhaft verkündete der Präsident, alles sei nur [1][eine
       Medienkampagne] gegen Adorni und seine Regierung. Doch selbst im
       Regierungslager wurde das Unverständnis immer größer. Adorni hatte zuvor
       ständig – und teils auch genüsslich – gegen die korrupten Machenschaften
       unter der Vorgängerregierung gewettert.
       
       Der Skandal hatte vor drei Monaten begonnen, als Adorni in Begleitung
       seiner Frau zu einer offiziellen Visite zusammen mit einer
       Regierungsdelegation nach New York reiste. Und in den Medien die Frage
       gestellt wurde, warum ein Nicht-Regierungsmitglied – nämlich die Frau des
       Kabinettschefs – mitfliegt und wer die Kosten trägt. Seither verging kaum
       ein Tag, an dem nicht [2][immer neue finanzielle Ungereimtheiten] bekannt
       wurden.
       
       Öffentliche Amtsträger*innen sind in Argentinien gesetzlich
       verpflichtet, ihre Vermögensverhältnisse offenzulegen. Allerdings blieb
       Adorni über Wochen eine schlüssige Erklärung für die Herkunft der
       finanziellen Mittel schuldig – mit denen er den Kauf und die Renovierung
       einiger Apartments finanzierte. Vor seiner Tätigkeit für die Regierung
       hatte der Ex-Journalist in vergleichsweise bescheidenen Verhältnissen
       gelebt.
       
       In einem Fernsehinterview räumte er schließlich ein, „wie alle Argentinier“
       Schwarzgelder angespart zu haben, die er aus Spekulationen mit
       Kryptowährungen erzielte und in seiner Vermögenserklärung nicht angegeben
       hatte. Damit bestätigte er, nicht nur Schwarzgeld gebunkert, sondern auch
       mehrfach gelogen zu haben. Denn er hatte stets behauptete, seine Finanzen
       seien in Ordnung. Als dann noch ältere Videos im Netz erschienen, in denen
       Adorni erklärt, keine Ahnung von Kryptowährungen zu haben und seine Finger
       davon gelassen zu haben, war der letzte Rest von Glaubwürdigkeit dahin.
       
       Am Ende war es der erst von einigen Tagen bekannt gewordene private Kauf
       von Videospielbildschirmen im Wert von etwa 4.000 Euro, der das Fass zum
       Überlaufen brachte. Adorni hatte sie mutmaßlich mit den Kreditkarten zweier
       Angestellter aus dem Büro des Präsidentensprechers bezahlt. [3][Die
       konservative Opposition] kündigte dann im Kongress an, ein
       Amtsenthebungsverfahren zu unterstützen. Und seine Tage als Kabinettschef
       waren gezählt.
       
       28 Jun 2026
       
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