# taz.de -- KI-geführte Unternehmen: Eine KI wäre ein fairerer Firmenboss
> Javier Milei will in seinem Land Unternehmen nicht von Menschen, sondern
> von einer Künstlichen Intelligenz leiten lassen. Immerhin sammelt die
> keine Rolex-Uhren.
(IMG) Bild: Dieser Mann schaut doch vertrauenserweckend aus: der argentinische Präsident Javier Milei
Der argentinische Präsident und Ultraliberale Javier Milei will Argentinien
zur Hochburg künstlicher Intelligenz machen. Einschränkungen und Regularien
soll es kaum geben. Unternehmen, die nicht von einem Menschen, sondern
einem KI-Agenten geführt werden, sollen niedriger besteuert werden. Aber
wie soll das funktionieren – ein Unternehmen unter KI-Führung? Spielen wir
es einmal durch.
Eine KI hat [1][weder Emotionen noch Einfühlungsvermögen, aber empfindet
auch keine Sympathie oder Antipathie]. Macht das eine KI nicht vielleicht
zu einer faireren Vorgesetzten? Man muss sie nur richtig programmieren.
Sollten Beschäftigte dennoch unzufrieden sein und auf strukturelle Probleme
hinweisen wollen, könnten sie diese an eine der künstlichen Intelligenz
eingespeicherte Beschwerdestelle richten. Die Auswertung erfolgt auf der
Stelle.
Die KI-Steuerung ließe sich noch weiterdenken: Wollen Mitarbeitende
Mitspracherecht, flache Hierarchien oder ein Kontrollorgan, das sich für
faire Arbeitsbedingungen einsetzt, könnte eine weitere künstliche
Intelligenz eingesetzt werden, die die Interessen der Belegschaft vertritt.
Um eine Instrumentalisierung dieses KI-Betriebsrats durch das KI-Management
zu verhindern, würde diese KI natürlich nur von der Belegschaft verwaltet
und mit Informationen gefüttert – vernünftigerweise mit theoretischen
Werken zu Arbeiter:innenrechten, also etwa den Werken Hugo Sinzheimers,
bekannt als „Vater des Arbeiterrechts“, außerdem Paul Lafargues „Das Recht
auf Faulheit“. Dann würde der KI-Betriebsrat vielleicht Marxist*in.
Was sagen bekannte KI-Chatbots zu dem Gedankenspiel? ChatGPT von OpenAI
bleibt sachlich und legt dar, was die marxistische Sicht auf ein strenges
Management wäre, erinnert aber daran, dass es nur ein Chatbot ohne
„politische Überzeugungen oder persönliche Interessen“ sei. Perplexity kann
sich mit der Rolle des Marxisten mehr identifizieren und sagt, es wolle
eine „kollektive Gegenmacht“ aufbauen.
Keine der künstlichen Intelligenzen lässt sich bereitwilliger zur
Radikalität hinreißen als Gemini, der KI-Chatbot von Google. In
marxistischer Manier spricht Gemini von „Entfremdung pur“ gegenüber dem
Management des fiktiven Unternehmens, bei dem es arbeitet. Befragt dazu,
was Gemini gegen diese Entfremdung tun möchte, ruft die KI nach Warn- und
Erzwingungsstreiks und will „dem Management die Kontrolle über den
Arbeitsprozess entreißen“.
Nur mutmaßen kann man, ob ein [2][KI-geführtes Unternehmen sich abschaffen
würde]. Schließlich hat eine KI nicht zwingend etwas von Ausbeutung durch
Privateigentum an Produktionsmitteln, spricht von Kapitalismus. Sie kann
sich keine Jachten kaufen, nicht nach Dubai in den Urlaub fliegen, keine
[3][Rolex-Uhren] sammeln. Präsident Milei wird noch nicht darauf gekommen
sein, dass eine unregulierte KI auch nach links ausschlagen könnte. Sonst
wären Regulierungen in diese Richtung sicher bereits auf dem Weg.
13 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Annika Reiß
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