# taz.de -- Jupiter, der Beschützer unserer Erde
       
       > Er fängt Himmelskörper ab, die der Erde zu nah kommen könnten. Derzeit
       > leuchtet er so hell wie kein anderer Planet
       
       Wann immer am Himmel ungewöhnlich hell strahlende Objekte erscheinen, gehen
       bei Sternwarten und Polizei Ufo-Meldungen ein. Das könnte in diesen Tagen
       wieder der Fall sein. Doch das ungewöhnlich helle Himmelsobjekt ist auch
       diesmal kein außerirdisches Raumschiff: Es ist der Planet Jupiter.
       
       Selbst in den Großstädten, in denen Straßenlaternen, Industrieanlagen und
       Autoscheinwerfer den Himmel so überstrahlen, dass so gut wie kein Stern
       mehr am Nachthimmel zu erkennen ist, wird man den Jupiter sehen können –
       vorausgesetzt natürlich, der Himmel ist wolkenlos. Derzeit geht der größte
       Planet unseres Sonnensystems in den Abendstunden am Nordosthimmel auf und
       wandert während der Nacht in südlicher Richtung über das Firmament.
       
       Der Grund für seine außergewöhnliche Helligkeit liegt darin, dass sich die
       Erde derzeit genau zwischen Jupiter und Sonne befindet. Deshalb wird das
       Licht der Sonne ideal vom Jupiter zur Erde zurückgespiegelt – wie es etwa
       beim Mond in der Vollmondphase der Fall ist. Wir haben also Volljupiter,
       was viel seltener vorkommt als Vollmond.
       
       Heller als der Jupiter strahlt am Nachthimmel – vom Mond abgesehen –
       höchstens noch die Venus, der Nachbarplanet der Erde. Sie ist viel kleiner
       als Jupiter, dafür aber erheblich näher an uns dran. Weil die Venus aber
       zwischen Sonne und Erde liegt, ist sie nur in den Morgen- oder Abendstunden
       zu sehen.
       
       Der Jupiter dagegen steht oft die ganze Nacht über am Himmel und galt
       deshalb in der Antike als eindrucksvollstes Himmelsobjekt. Griechen und
       Römer benannten ihn nach der höchsten Gottheit ihrer Mythologie. Das war
       ein glücklicher Zufall: Sie konnten nicht wissen, dass Jupiter der größte
       Planet des Sonnensystems ist und die Erde mehr als 1.300 Mal in ihn
       hineinpasst.
       
       Ahnen konnten die Griechen und Römer auch nicht, dass Jupiter die Erde
       vermutlich schon vor vielen Katastrophen bewahrt hat, die für sie
       vernichtend gewesen wären. Seine enorme Anziehungskraft lenkt Kometen und
       Asteroiden von ihrem Weg ins Innere des Sonnensystems ab und damit weg von
       einem potenziellen Kollisionskurs mit der Erde. Er zwingt sie häufig auf
       stabile Bahnen wie im Falle des Asteroidengürtels. Ohne einen Planeten wie
       Jupiter wären unsere Überlebenschancen weitaus geringer.
       
       Anderseits sollte niemand ungeschützt die nähere Umgebung des Jupiters
       aufsuchen, denn sie ist auch in einem Raumanzug tödlich – unter anderem
       wegen ihrer intensiven radioaktiven Strahlung. Der riesige Gasplanet
       Jupiter ist eigentlich eine Art verhinderte kleine Sonne: Anders als unser
       Zentralstern hat er nicht genügend Materie angesammelt, damit in seinem
       Inneren durch ausreichend großen Druck und hohe Temperatur eine Kernfusion
       einsetzen kann. Aber immerhin strahlt Jupiter doppelt so viel Energie aus
       seinem Inneren ab, wie er von außen aufnimmt.
       
       Jeder Beobachter kann selbst eine bildliche Vorstellung von den gewaltigen
       Energien des Riesenplaneten gewinnen. Schon mit einem kleinen Fernrohr ist
       auf Jupiter der so genannte Große Rote Fleck zu erkennen. Er ist der größte
       Sturm des Sonnensystems, tobt schon seit Jahrhunderten und umfasst zurzeit
       ein Gebiet von der anderthalbfachen Größe der Erde.
       
       KENO VERSECK
       
       2 Jan 2002
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) KENO VERSECK
       
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