# taz.de -- Buch „Berlusconi confidential“: Wie wird man einen Autokraten los?
       
       > Ein Journalist hat ein Buch über Berlusconi geschrieben. Warum das
       > interessant ist? Weil es einiges über die moderne politische
       > Kommunikation aussagt.
       
 (IMG) Bild: Ein Kind, das nie ins Bett gehen will, jedenfalls nicht, um zu schlafen
       
       Auf jedem Gipfel steht man am Rande des Abgrunds.“ Dieses Zitat des
       polnischen Satirikers Stanisław Jerzy Lech hat der italienische Journalist
       Marco Galluzzo seinem neuen Buch [1][„Berlusconi confidential“]
       vorangestellt. Der Titel spricht für sich. Und da das Buch kaum seinen Weg
       in die deutsche Übersetzung finden wird, erzähle ich hier ein bisschen
       davon.
       
       Galluzzo gehörte [2][in Berlusconis drei Amtszeiten] zwischen 2001 und 2010
       zu der Gruppe von Journalisten, die dem Regierungschef „überallhin
       folgten“. Was konkret bedeutete, dass sie Tag und Nacht vor Berlusconis
       römischem Palazzo herumlungerten und der Dinge harrten, die dort in schöner
       Regelmäßigkeit vor sich gingen.
       
       „Immer wieder ihr“, sprach Berlusconi sie an. In regnerischen Nächten bat
       er sie herein („Was machst du hier, hast du kein Zuhause?“). Wenn er im
       Dienstwagen saß, ließ er zum Schrecken seiner Leibwächter das Fenster
       runter und gab den mitlaufenden Journalisten Interviews. Galluzzo nennt das
       „einen journalistischen Kriegszustand ohne Regeln“: Jeder Hinterausgang
       wurde besetzt, auch auf Auslandsreisen war fast jedes Mittel recht, sich in
       die Nähe des [3][„Cavaliere“ genannten Milliardärs an der Regierungsspitze]
       zu schmuggeln.
       
       Warum ist das über das Anekdotische hinaus interessant? Mindestens
       deswegen, weil der Kampagnenleiter Berlusconis, Antonio Palmieri, mit den
       Worten zitiert wird, dass [4][mit Berlusconi die zeitgenössische politische
       Kommunikation beginne]: die Personalisierung, der direkte Kontakt mit den
       Wählern, deren Wünsche und Ängste wie bei Konsumenten haarfein analysiert
       wurden.
       
       Berlusconi überließ einerseits nichts dem Zufall, andererseits handelte er
       meist spontan und ließ sich von seiner Entourage nicht kontrollieren. Alles
       wird einfach, weil anders als in traditionellen Parteien [5][alles auf den
       Leader zugeschnitten ist]. Gleichzeitig wird alles kompliziert, weil der
       mit einem unerschütterlichen Selbstvertrauen gesegnete Leader sich wie ein
       seinen Launen freien Lauf lassendes Kind benimmt, das noch dazu nie ins
       Bett gehen will, jedenfalls nicht, um zu schlafen.
       
       Wie wird man so einen, den nicht umsonst eine innige Freundschaft mit dem
       Mafiaboss Putin verband, [6][wieder los]? Wie stürzt man ihn vom Gipfel in
       den Abgrund? Die für Linke deprimierende Antwort ist Geschichte: Es waren
       [7][die Märkte].
       
       10 Jul 2026
       
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