# taz.de -- Bangladesch nach dem Machtwechsel: Korruptionsvorwürfe belasten die neue Regierung
> Während der neue Premierminister Tarique Rahman in China um Handel und
> Investitionen wirbt, wächst zu Hause der politische Druck.
(IMG) Bild: Premierminister Tariq Rahman am 17. Februar 2026 nach seiner Vereidigung in Dhaka
„Kommt nach Bangladesch. Investiert in Bangladesch!“ So hat Bangladeschs
Premierminister [1][Tarique] [2][Rahman] am Donnerstag in Peking für sein
Land geworden. Vier Monate nach seiner [3][Regierungsübernahme] wächst der
Druck auf seine islamisch-konservative Bangladesh Nationalist Party (BNP)
zu Hause in Dhaka. Korruptionsvorwürfe, Proteste von Islamisten sowie
Kritik am Umgang mit Journalisten trüben das Image der Regierung.
Auf seiner ersten Auslandsreise als Premier wirken diese Probleme weit weg.
Bereits am Sonntag war der 60-jährige Rahman nach Malaysia geflogen, um
sich dort für die Aufnahme weiterer Arbeitsmigranten aus Bangladesch
einzusetzen. Danach flog er nach Dalian im Nordosten Chinas zum
„[4][Sommer-Davos]“ des Weltwirtschaftsforums. Am Mittwoch ging es nach
Peking.
Dort einigten sich beide Länder auf die gemeinsame Bewirtschaftung mehrerer
Flüsse, darunter des grenzüberschreitenden [5][Teesta]. Dhaka hatte die
technische Unterstützung Pekings gesucht. Das benachbarte Indien fürchtet
nun die Folgen durch die Nähe des Stroms zum sensiblen Siliguri-Korridor.
Der verbindet Indiens Festland westlich von Bangladesch mit den
nordöstlichen Bundesstaaten und liegt in unmittelbarer Nähe Chinas.
Mit der Reise will Rahman Bangladeschs geopolitische Position stärken. Zwar
pflegte auch die im August 2024 gestürzte langjährige Regierung von
[6][Sheikh Hasina] Kontakte zu Peking. Doch stand sie Indien näher, wo
Hasina heute im Exil lebt. Im Hinblick auf das seitdem angespannte
Verhältnis zu Delhi und Bangladeschs angeschlagene Wirtschaftslage kommen
Rahman die in Peking unterzeichneten [7][Absichtserklärungen] über Handel,
Investitionen und Infrastrukturausbau sehr gelegen.
## Festnahme von sechs Journalisten
Zumal seine Regierung mit unangenehmen Schlagzeilen konfrontiert ist.
Letzte Woche hatten die Behörden [8][sechs Journalisten] der
Regionalzeitung Agrajatra Pratidin festgenommen, die über mutmaßliche
Korruption des Staatsministers für Kommunalverwaltung, Mir Shahe Alam,
berichtet hatten. Den später auf Kaution freigelassenen Reportern werden
Verstöße gegen das Cybersicherheitsgesetz sowie Erpressung vorgeworfen. Das
[9][Committee to Protect Journalists (CPJ)] fordert die Einstellung der
Verfahren und verurteilte das Vorgehen als Einschüchterungsversuch.
Medienberichten zufolge wurde in Alams Wahlkreis drei neu geschaffene
[10][Gemeindeverbände] nach seinem Familientitel „Mirbari“ und seinen
beiden Söhnen benannt. Der Minister wies die Vorwürfe als „Zufall“ zurück.
Kritiker:innen sehen darin jedoch den Versuch, öffentliche
Institutionen symbolisch einzuvernehmen. Zudem sollen überdurchschnittlich
viele Entwicklungsgelder in Alams Wahlkreis geflossen sein, wie [11][das
Nachrichtenportal Netra News] berichtet.
Solche Praktiken, bei denen Rahmans Regierung nun wegen mutmaßlicher
Vetternwirtschaft und Einschüchterung der Presse kritisiert wird,
erschweren dem Premier den Versuch, das Land auf einen neuen Kurs zu
führen. Die Unruhen rund um den Sturz Hasinas, Trumps Zölle und die
Blockade der Straße von Hormus haben Bangladeschs Wirtschaft schon genügend
zugesetzt.
Für zusätzlichen Druck sorgt die islamistische Partei Jamaat-e-Islami.
Deren Parteichef [12][Shafiqur Rahman] wirft der BNP vor, Wahlversprechen
nicht einzuhalten und drohte kürzlich, Forderungen notfalls auf der Straße
durchzusetzen. Man habe das Wahlergebnis nur akzeptiert, um einen
Bürgerkrieg zu verhindern.
Die innenpolitischen Spannungen zeigen sich auch im Umgang mit der Awami
Liga Hasinas. Anfang der Woche gingen sowohl die BNP als auch
Oppositionsparteien auf die Straße. Der Hintergrund waren mögliche
Kundgebungen von Awami-Anhängern am 23. Juni, dem 77. Gründungsjubiläums
der inzwischen verbotenen Partei. Die Polizei nahm dabei in Dhaka [13][26
Anhänger] fest.
25 Jun 2026
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## AUTOREN
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