# taz.de -- Jugendproteste in Kenia: Polizei riegelt das Zentrum von Nairobi ab
> Zum Jahrestag ihrer ersten Protestbewegungen vor zwei Jahren demonstriert
> die Generation Z in Kenia gegen Polizeigewalt. Genau zu der kommt es
> dann.
(IMG) Bild: Kundgebungen zum zweiten Jahrestag der tödlichen regierungsfeindlichen Proteste von 2024 in Nairobi am 25. Juni 2026
Bereits am frühen Morgen haben Kenias Sicherheitskräfte das Zentrum der
Hauptstadt Nairobi abgeriegelt: Nagelketten und Stacheldrähte liegen quer
über den Hauptverkehrsstraßen, Polizei und Armee haben Straßensperren
errichtet. Hundertschaften Polizisten und Soldaten patrouillieren.
Der Grund: Kenias Generation Z hat für Donnerstag einen Gedenkmarsch
angekündigt, um der Opfer der vergangenen Generation-Z-Proteste zu
gedenken. Auf den Titelseiten den größten Tageszeitungen sind Fotos und
Namen von mehr als hundert Todesopfern abgelichtet, die bei den
[1][Protesten im Juni 2025] und [2][2024] durch die Gewalt der
Sicherheitsbehörden ihr Leben verloren.
Begonnen hatten die Proteste im Juni 2024 im Vorfeld der Verabschiedung des
Staatshaushaltes und des sogenannten Finanzgesetzes, welches
Steuererhöhungen unter anderem auf Lebensmittel vorsah. Dagegen ging die
Jugend landesweit auf die Straße. Online mobilisierten sie die Massen unter
dem Label „Gen-Z“. Sie versuchten, das Parlament zu stürmen.
Ein Jahr später, im Juni 2025, richteten sich die Proteste anlässlich des
Jahrestages nicht mehr gegen die Steuererhöhungen, sondern vor allem gegen
die brutale Polizeigewalt. Blogger und Internet-Aktivisten waren gezielt
durch die IP-Adresse ihrer Computer aufgespürt und verhaftet worden, einige
werden bis heute vermisst, so die internationale Menschenrechtsorganisation
[3][Human Rights Watch (HRW)].
## Schon vor Beginn der Proteste gibt es Festnahmen
Um die Gemüter im Vorfeld des Jahrestages zu beruhigen, verkündete Kenias
Präsident William Ruto vergangene Woche, es seien rund 15 Millionen Dollar
bereitgestellt worden, um die Opfer der Polizeigewalt zu entschädigen.
Einige Familien, wie die von Kennedy Maingi, mussten enorme Summen
aufbringen, um Krankenhausgebühren zu bezahlen. Maingi war 2024 von acht
Kugeln getroffen worden.
Auch dieses Mal rechnen Kenias Aktivisten mit dem harten Vorgehen von
Polizei und Militär, doch sie sind besser vorbereitet. Mehr als ein Dutzend
Menschenrechtsorganisationen haben im Vorfeld Richtlinien veröffentlicht
und an die Polizeigewerkschaft geschickt, um weitere Tote zu verhindern.
Sie erinnern daran, dass der Einsatz von scharfer Munition gegen friedliche
Demonstranten untersagt sei. „Öffentliche Ordnung und Menschenrechte
schließen einander nicht aus“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.
Doch noch bevor die Proteste begannen, wurden Aktivisten und Demonstranten
festgenommen. [4][Videos] zeigen, wie Uniformierte im Stadtzentrum Nairobis
Journalisten und selbst Männer in Anzug und Krawatten mit Gewalt abführen
und in einen Lastwagen hieven, wo sie festgekettet werden.
Gegen Mittag marschieren in Nairobi zahlreiche Trauernde, darunter Familien
der Opfer, zu Fuß in Richtung Innenstadt. Auf der Parlament-Avenue, wo 2024
die meisten Jugendlichen erschossen wurden, wollten sie Blumenkränze
niederlegen. Sie werden zunächst von Polizisten gestoppt, mit Tränengas
auseinandergetrieben, viele festgenommen.
## „Sie bringen uns an einen unbekannten Ort“
Weinende Mütter setzen sich auf die Straße und flehen die Uniformierten an,
sie durchzulassen. Letztlich [5][hängen sie die Blumenkränze über den
Stacheldraht], der ihnen den Zugang versperrt. Dabei rufen sie die Namen
der Toten, die 2024 an dieser Stelle erschossen wurden.
Der junge und bekannte Aktivist Mulinge Muteti [6][dokumentiert auf X], wie
Uniformierte ihm durch die Innenstadt folgen und versuchen, ihn
festzunehmen. Gegen Mittag rufen er und andere dazu auf, in Richtung
Präsidentensitz zu marschieren. Eine Stunde später sieht man in Videos
online, wie er brutal festgenommen und abgeführt wird. „Sie bringen uns an
einen unbekannten Ort“, so [7][sein letzter Post auf X].
Nairobis Polizeichef Issa Mohamud [8][hatte am Dienstag erklärt], die
Proteste seien nicht angemeldet worden. Damit habe die Polizei das Recht,
dagegen vorzugehen. Die Menschenrechtsorganisationen posten dagegen auf
sämtlichen Kanälen [9][Videos von fünf prominenten Anwält*innen,] die im
Büro von Polizeisprecher Michael Muchiri sitzen und ihm eine offizielle
Anmeldung überreichen.
25 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Unruhen-in-Kenia/!6093233
(DIR) [2] /Proteste-in-Kenia/!6019901
(DIR) [3] https://www.hrw.org/africa/kenya
(DIR) [4] https://x.com/abbiezuena/status/2070047200365662296
(DIR) [5] https://nation.africa/kenya/videos/families-of-2024-anti-finance-bill-victims-lay-flowers-on-barbed-wire-after-parliament-snub-5508744
(DIR) [6] https://x.com/mulinge_muteti
(DIR) [7] https://x.com/mulinge_muteti_/status/2070081060814102842
(DIR) [8] https://nation.africa/kenya/videos/nairobi-police-no-notice-no-protest-on-june-25-5507654
(DIR) [9] https://x.com/bonifacemwangi/status/2070021208960114996
## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
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