# taz.de -- Dieter Nuhrs Femizid-Witze: Er füttert ein misogynes Weltbild
> In einer ARD-Sendung macht Kabarettist Nuhr Witze über Frauenmorde. Weder
> eine rote Linie für ihn noch für den öffentlich-rechtlichen Sender.
(IMG) Bild: Bei ihm vergeht einem das Lachen
Dass Dieter Nuhr kein Herz für Frauen hat, ist weithin bekannt. Bei ihm
müssen sie regelmäßig für flache Pointen herhalten. Mal sind sie zu woke,
mal zu dogmatisch und mal können sie einfach nicht einparken. Auch in
seiner [1][aktuellen ARD-Sendung „Nuhr im Ersten XXL“] witzelt er, die
Parklücken bei Frauen seien einfach strukturell zu klein. Auch 2026 scheint
das für sein Publikum noch ein Brüller zu sein. Aber das ist erst einmal
kein Problem. Das Problem folgte in der Sendung direkt darauf.
Ausgehend von einem Text [2][meiner SZ-Kollegin Nele Sophie Karsten] und
[3][von mir in der taz], die sich beide mit der strukturellen Gewalt im
Patriarchat beschäftigen, sagt Nuhr, es gäbe kein strukturelles Problem mit
dem Töten von Frauen. Nun hätte man denken können, dass wenigstens Femizide
eine rote Linie für die Witze bei dem Kabarettisten Dieter Nuhr seien. Aber
falsch gedacht! Auch tote Frauen sind für Nuhr einen Lacher wert.
Er rechnet den Zuschauer_innen vor, dass die Wahrscheinlichkeit, als Frau
von einem Mann getötet zu werden, quasi bei null liege. Denn es gäbe 300
bis 350 Frauenmorde pro Jahr, und er betont zwar, dass jeder Mord zu viel
sei, nur um dann zum großen Aber zu kommen. Millionen Männer in Deutschland
würden keine Frauen töten. Um zu überleben, hat er dann auch noch einen
Ratschlag für die Frauen parat. Er sagt: „Zur Sicherheit wäre es nicht
schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr einfach erst mal
kennenlernt.“ Und ergänzt nach einer kurzen Pause für das Gelächter des
Publikums. „Vielleicht einfach mal fragen, ob er nebenberuflich als
Frauenmörder tätig ist.“
Um das klarzustellen: Die Frage ist nicht, worüber Comedians Witze machen
dürfen. In einer Demokratie, in der die Kunstfreiheit ein hohes Gut ist,
dürfen sie sich erst einmal über alles lustig machen. Die Frage, was ein
gelungener Witz ist, ist dabei eine ganz andere. Und Nuhrs Versuch, sich
humoristisch mit Femiziden auseinanderzusetzen, ist gleich auf mehreren
Ebenen gescheitert.
## Keine Bühne bieten
Zuerst: Er ist nicht witzig. Humor ist bekanntlich Geschmackssache, aber
sein Witz zeugt nicht von Raffinesse, er hat keinen doppelten Boden. Er ist
einfach plump. Anstatt sich humoristisch an den Tätern abzuarbeiten, sind
die Frauen, die Opfer, das Ziel. Denn durch seinen Sicherheitstipp wird
seine Ansicht klar: Frauen seien selbst schuld, wenn sie getötet werden.
Sie hätten den Mann vor dem Sex einfach einmal kennenlernen müssen. Das ist
nicht nur Victim Blaming, also eine Umkehrung der Schuld, die die
Verantwortung bei den Betroffenen anstatt bei den Tätern sucht. Es ist auch
schlicht falsch: Denn die meisten Täter, die Frauen töten, sind keine
Fremden, die sie in einer Bar kennenlernen. Es sind Männer, die sie sehr
gut kennen: In 87 Prozent ist der Täter der (Ex-)Partner.
Was [4][Dieter Nuhr] vermutlich noch nicht verstanden hat, ist, dass Gewalt
gegen Frauen wie eine Spirale funktioniert. Die Tötungen kommen nicht aus
dem Nichts, sondern sind die Spitze einer Gewaltdynamik: Davor steht
physische Gewalt, aber auch psychische Formen, wie Kontrollen oder
Manipulationen, aber auch verbale Erniedrigungen. Hinter alldem steckt ein
misogynes Weltbild, laut dem Frauen schlicht weniger wert seien als Männer
und von diesen kontrolliert werden dürfen. Witze, wie die von Nuhr, füttern
so ein Weltbild.
Bleibt die Frage, warum die Öffentlich-Rechtlichen solchen Kabarettisten
eine Bühne bieten. Laut ihrem Auftrag dürfen sie keine Menschen aufgrund
ihres Geschlechts diskriminieren und sind zur Achtung der Menschenwürde
verpflichtet. Eine Anfrage der taz beantwortet der rbb damit, dass sie die
Kritik nachvollziehen können, Nuhrs Sendung jedoch von der Kunst- und
Satirefreiheit gedeckt sei. Konsequenzen soll es keine geben.
25 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.ardmediathek.de/video/nuhr-im-ersten/nuhr-im-ersten-xxl/rbb/Y3JpZDovL3JiYl9jNmI0MWViMS0yMjMyLTQ1ZDMtODVjZS1kY2Y5ZWVmYjgxNDVfcHVibGljYXRpb24
(DIR) [2] https://www.sueddeutsche.de/magazin/leben-und-gesellschaft/heterofatalismus-beziehung-leben-ohne-mann-single-frauen-li.3483291?reduced=true
(DIR) [3] /Fall-Fernandes-und-Ulmen/!6164768
(DIR) [4] /Auszeichnung-des-Zentralrats-der-Juden/!6179290
## AUTOREN
(DIR) Carolina Schwarz
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