# taz.de -- Räumung von „Flüchtlingsbauten“: Athener Aktivist wiegt nur noch 35 Kilogramm
       
       > Aristotelis Chantzis befindet seit 140 Tagen im Hungerstreik gegen die
       > Räumung des Wohnprojekts Prosfygika. Nun wurde er in ein Krankenhaus
       > gebracht.
       
 (IMG) Bild: Aristotelis Chantzis, seit 138 Tagen im Hungerstreik. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht, da er sonst sterben könnte
       
       Update: Im Einvernehmen mit den beiden Hungerstreikenden wird der Streik
       mit sofortiger Wirkung beendet. Der Kampf gehe mit anderen Mitteln weiter. 
       
       Sein Tod rückt näher. Die Bilder von Aristotelis Chantzis, der im Rollstuhl
       aus dem vordersten Häuserblock der Prosfygika in der Athener Innenstadt
       geschoben wird, schockieren. Der Hungerstreikende hat fast die Hälfte
       seines Körpergewichts verloren, er wiegt nur noch 35 Kilogramm.
       
       Seit Montag liegt der Grieche im Athener Krankenhaus G. Genimatas. Sein
       Gesundheitszustand hatte sich zuletzt rapide verschlechtert. Am Tag seiner
       Einlieferung befand er sich seit genau [1][138 Tagen im Hungerstreik].
       
       Chantzis geht es um die Prosfygika, auf Griechisch Flüchtlingsbauten, 8
       Wohnblocks mit insgesamt 228 kleinen Wohnungen. Sie wurden ab 1933 im
       Bauhausstil errichtet, um griechischen Flüchtlingen, die aus der heutigen
       Türkei nach Griechenland geflohen waren, eine Unterkunft zu bieten.
       
       Seit 2010 hat sich hier eine [2][Gemeinschaft mit autonomer Verwaltung]
       gebildet. Inzwischen leben in den Häusern mehr als 400 Menschen, darunter
       Migrant*innen, Geflüchtete, Griech*innen, alte sowie kranke Menschen und 50
       Kinder.
       
       ## Autonom verwaltete Gemeinschaft
       
       Vor Ort gibt es dagegen keine Proteste. Im Gegenteil: Die Gemeinschaft ist
       unter anderem durch ihr Angebot von sozialen Diensten für alle in das
       Stadtviertel integriert. Dennoch: Nach den Plänen der konservativen
       Regierung in Athen unter dem Premier Kyriakos Mitsotakis und dem
       konservativen Gouverneur der Regionalverwaltung Attika, Nikos Chardalias,
       sollen die unter Denkmalschutz stehenden Wohnblocks geräumt und
       neugestaltet werden.
       
       Konkret verabschiedete der Regionalausschuss am 6. Juni vorigen Jahres
       einen Beschluss zur „Sanierung von vier Wohnblöcken der Prosfygika für die
       Nutzung als Sozialwohnungen“. Zuletzt haben sich die Anzeichen darauf
       verdichtet, dass die Räumung bald erfolgen könnte.
       
       Doch der Widerstand dagegen ist unerschütterlich. „Ich bin in einen
       Hungerstreik bis zum Tod getreten“, hatte Chantzis bereits zu Beginn
       klargestellt. Darin sehe er ein geeignetes Mittel, auf „einen kollektiven
       Kampf aufmerksam zu machen“, der die Wohnblöcke als Struktur der
       Solidarität für sozial Schwache und eine organisierte Gemeinschaft erhalten
       wolle, erklärte er.
       
       Seit dem 1. Mai ist auch Suzon Doppagne, die ebenfalls in den Prosfygika
       wohnt, in Hungerstreik getreten. Chantzis und Doppagne fordern
       stellvertretend für die Gemeinschaft „die sofortige Aufhebung“ des besagten
       Beschlusses. Ferner wollen sie Garantien dafür, dass alle
       Bewohner*innen in ihren Wohnungen bleiben können und die geplante
       Sanierung von der Gemeinschaft selbst mit eigenen Mitteln durchgeführt
       wird. „Kein einziger Euro an öffentlichen Geldern“ solle dafür verwendet
       werden.
       
       ## Chantzis Gesundheitszustand ist kritisch
       
       Am Dienstagnachmittag versammelten sich mehrere Tausend Menschen vor dem
       Athener Parlament, um den Forderungen der Gemeinschaft Nachdruck zu
       verleihen. Auch in Berlin ist für Donnerstag eine Demonstration angemeldet.
       Die Regionalverwaltung Attika [3][bleibt jedoch hart] und will bisher nicht
       in einen Dialog mit der Gemeinschaft eintreten. Solange die Hungerstreiks
       andauern, dürfte sie allerdings von einer Räumung absehen.
       
       Sollte Chantzis sterben, wäre dies eine dramatische Zuspitzung. Der Grieche
       weist eine Hypoglykämie, Muskelabbau, Ödeme an den unteren Extremitäten und
       anhaltende Veränderungen im EKG auf. Die bereits aufgetretene
       Wernicke-Enzephalopathie, eine schwerwiegende neurologische Komplikation,
       die bei anhaltender Unterernährung auftritt, könnte zu seinem Tod führen.
       
       Bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde, sagte Chantzis mit letzter Kraft:
       „Der Kampf geht weiter. Wir werden bis zum Tod kämpfen, bis wir Recht
       bekommen. Wir tragen die Verantwortung für 400 Menschenleben, für unsere
       Gesellschaft. Wir werden siegen.“ Er machte dabei das Siegeszeichen. Getreu
       dem Motto des Kampfes der Prosfygika: „Entweder wir siegen oder wir
       siegen!“
       
       24 Jun 2026
       
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