# taz.de -- Widerstand gegen Räumung in Griechenland: „Hände weg von den Prosfygika!“
> Seit 90 Tagen befindet sich der Aktivist Aristos Chantzis im
> Hungerstreik. Er will die Räumung eines autonom verwalteten Wohnprojekts
> verhindern.
(IMG) Bild: Die Prosfygika, griechisch für „Flüchtlingsbauten“, sind acht Wohnblocks mit insgesamt 228 kleinen Wohnungen
Er ist völlig abgemagert, sein Gesicht ist hohlwangig, er ist nur noch ein
Schatten seiner selbst. Kämpferisch streckt Aristos Chantzis vor einem
Wohnblock an der Alexandrasstraße in der Athener Innenstadt die linke Faust
in den attischen Himmel. Chantzis’ einprägsames Motto für seinen
Widerstand: „Hände weg von den Prosfygika!“
Seit nunmehr genau 90 Tagen, seit dem 5. Februar, nimmt Chantzis nur
Wasser, Tee, etwas Zucker, Salz, Vitamine sowie Mineralstoffe zu sich.
Damit er den Hungerstreik „so lange wie möglich“ durchhalten könne, wie er
betont. Wenn es sein müsse, bis zu seinem Tod. Was Chantzis unbedingt
verhindern will: die Räumung der Prosfygika, welche die Regionalverwaltung
Attika unter dem Gouverneur Nikos Hardalias anstrebt.
Die Prosfygika, griechisch für „Flüchtlingsbauten“, sind acht Wohnblocks
mit insgesamt 228 kleinen Wohnungen. Errichtet ab 1933 im Bauhausstil,
boten sie griechischen Flüchtlingen aus der heutigen Türkei eine Bleibe.
Daher auch ihr Name, der bis heute für die Gebäude im Herzen von Athen
verwendet wird.
Seit 2010 hat sich eine Gemeinschaft [1][mit einer autonomen Verwaltung]
gebildet. Derweil leben hier mehr als 400 Menschen, darunter Migrant*innen,
Geflüchtete, Griech*innen, alte sowie kranke Menschen und 50 Kinder.
## Gouverneur beteuert gute Absichten
Im Jahr 2016 wurden 177 Wohnungen, die vom Staat gekauft oder enteignet
worden waren, an die Regionalverwaltung übertragen. 51 Wohnungen blieben in
Privatbesitz. Gouverneur Hardalias pocht darauf, die Wohnblöcke erst zu
räumen und danach das Gelände „neuzugestalten“. Er beteuert, die
Unterkünfte „der griechischen Gesellschaft als Orte des sozialen Wohnens,
der Würde und der Solidarität zurückzugeben“. Die Finanzierung der
Neugestaltung mit EU-Geldern sei gesichert.
Die Bewohner der Prosfygika hingegen fordern die sofortige Annullierung des
Projekts und den Verbleib aller jetzigen Bewohner in ihren Wohnungen. Davon
will Hardalias nichts wissen. Dass die Gemeinschaft die Gebäude nach und
nach renoviert, ändert daran nichts. Abgerissen werden dürfen die
Prosfygika nicht. Seit 2009 stehen alle acht Wohnblocks unter
Denkmalschutz. Sie sind Hardalias und der [2][konservativen
Regierungspartei] jedoch schon lange ein Dorn im Auge.
Für die Umsiedlung der derzeitigen Bewohner „in geeignete Unterkünfte, die
sichere und menschenwürdige Lebensbedingungen gewährleisten“, werde laut
Hardalias gesorgt. Bei der künftigen Nutzung als Sozialwohnungen seien
„Verfahren mit Transparenz und klaren Kriterien“ vorgesehen, um derzeitigen
Bewohnern, die die Voraussetzungen erfüllen, die Möglichkeit zu bieten,
ebenfalls aufgenommen zu werden.
Für die Bewohner der Prosfygika ist dies keine Option. Unterdessen ist eine
weitere Aktivistin an der Seite von Aristos Chantzis in den Hungerstreik
getreten. Suzon Doppagne, die ebenfalls Bewohnerin ist, erklärte: Wenn es
sein müsse, werde auch sie den Hungerstreik bis zu ihrem Tod fortführen.
„Der griechische Staat und alle seine Institutionen haben bisher nicht auf
unsere Forderungen reagiert. Sie haben sich für das Schweigen entschieden
und lassen Aristos Chantzis den Weg des Todes gehen. Nun werden sie auch
die Verantwortung für meinen Tod tragen“, begründete sie ihren Schritt. Die
Gemeinschaft der Prosfygika sei „das lebendige Beispiel dafür, dass eine
andere Lebensweise möglich ist – im Bruch mit der vorherrschenden
kapitalistischen, patriarchalischen Welt“.
5 May 2026
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(DIR) Ferry Batzoglou
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