# taz.de -- Attentat in Griechenland: Politiker-Mutter stirbt nach Brandanschlag
> Drei aufeinanderfolgende Anschläge erschüttern die griechische Stadt
> Thessaloniki. Polizei und konservative Regierung vermuten
> Vergeltungsaktionen für Räumungen.
(IMG) Bild: Nach dem Anschlag auf ein Mehrfamilienhaus im Stadtteil Charilaou, durch den Vagia Nestora starb
Schwere Verbrennungen fast am ganzen Körper, dazu ein Multiorganversagen:
Sie kämpfte bereits um ihr Leben, als Vagia Nestora am Mittwochmorgen in
die Notaufnahme des Hippokrates-Krankenhauses in der nordgriechischen
[1][Metropole Thessaloniki] eingeliefert wurde. 13 Stunden später war die
72-jährige Griechin tot.
Gleich drei mutmaßlich koordinierte Brandanschläge mit improvisierten
Sprengsätzen aus Butangasflaschen hatten sich zuvor am Mittwochmorgen
binnen 17 Minuten an drei verschiedenen Orten in Thessaloniki ereignet. Sie
galten Privathäusern von drei Politikern der konservativen Regierungspartei
Nea Dimokratia (ND).
Der erste Anschlag richtete sich um 4.18 Uhr gegen das Wohnhaus des
Vorsitzenden des lokalen ND-Parteivorstands in Thessaloniki, Zisis
Ioakimovic, der zu dem Zeitpunkt abwesend war. Er verlief ohne Sachschäden.
Der zweite ereignete sich am Eingang des Mehrfamilienhauses, in dem der
Ex-Parlamentsabgeordnete der ND, Savvas Anastasiadis, wohnt. Durch die
Explosion kam es zu Rissen in einer Glasscheibe. Niemand wurde verletzt.
Der schwerste der drei Anschläge geschah indes an einem Mehrfamilienhaus im
Stadtteil Charilaou. Ein durch den Sprengsatz ausgelöstes Feuer griff
sofort auf zwei in der Garage geparkte Autos und zwei Motorräder über.
Neben der später an ihren Verbrennungen verstorbenen Vagia Nestora erlitten
vier weitere Personen Verletzungen, darunter ihre Tochter, die
ND-Parteikandidatin Aphrodite Nestora.
## Mitsotakis verurteilt Anschläge
Griechenlands konservativer Premier Kyriakos Mitsotakis verurteilte den
„feigen, mörderischen Angriff“ aufs Schärfste. Man werde „die Täter finden
und sie vor Gericht stellen“. Auch die Athener Opposition verurteilte die
Taten. Die Antiterroreinheit der griechischen Polizei leitete Ermittlungen
ein. Eine Polizeisprecherin erklärte am Donnerstag, diese seien „bereits
weit fortgeschritten“. Nach bisherigen Kenntnissen seien „mindestens drei
Personen“ beteiligt gewesen. Alle drei Anschläge hätten „eindeutige
Gemeinsamkeiten“.
Die Polizeisprecherin deutete an, wer die Täter sein könnten. Es gebe dank
der Räumungsaktionen der letzten Jahre „praktisch keine aktiven Besetzungen
mehr auf dem Universitätsgelände (der Aristoteles-Universität Thessaloniki,
Anm. d. Red.)“. Offenbar habe dies „einige Menschen gestört“.
ND-Parteisekretär Konstantinos Kyranakis wurde noch konkreter. Eine
anarchistische Gruppe habe für die [2][Räumung an der
Aristoteles-Universität] Vergeltung üben wollen, so Kyranakis gegenüber der
Mediengruppe Antenna.
Das Universitätsgelände habe „als Rückzugsort für Kriminelle gedient“,
fügte Kyranakis hinzu. Die Besetzung sei „nach 34 Jahren beendet worden,
und zwar auf Initiative der Regierung Mitsotakis und mit der Unterstützung
des damaligen Rektors der Aristoteles-Universität“. Zuletzt habe es von
Seiten der früheren Besetzer „einen Versuch gegeben, den Raum
zurückzuerobern“.
Griechenland ist seit Jahrzehnten Schauplatz von Terroranschlägen. Den
größten Schrecken verbreitete die Terrororganisation [3][„17. November“],
die 2002 ausgehoben wurde. Sie brachte zwischen 1975 und 2000 insgesamt 23
Personen um, darunter am 26. September 1989 den ND-Abgeordneten Pavlos
Bakojannis, Ehemann der ND-Abgeordneten Dora Bakojannis, der Schwester von
Premier Kyriakos Mitsotakis.
Im Jahr 2006 wurde auf Vorschlag der damaligen ND-Bildungsministerin
Marietta Giannakou der „Gedenktag für die Opfer terroristischer Straftaten
in Griechenland“ eingeführt. Er wird seither jedes Jahr am dritten Sonntag
des Jahres begangen.
2 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Thessaloniki/!6161026
(DIR) [2] https://www.woz.ch/2111/staatsgewalt-in-griechenland/die-kinder-von-nebenan
(DIR) [3] /Athen-hart-gegen-Terror/!1098306/
## AUTOREN
(DIR) Ferry Batzoglou
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