# taz.de -- Hitzeschutz für Obdachlose: Ein paar Stunden Abkühlung
> Im Winter die Kälte, im Sommer die Hitze: Extreme Temperaturen sind für
> obdachlose Menschen lebensbedrohlich. Ein Besuch in einer Notunterkunft
> in Berlin.
(IMG) Bild: Hitzehilfe in Schöneberg: Bis 19 Uhr geöffnet, dann beginnt die Schlafplatzsuche
Behrouse, so stellt er sich vor, ist ein älterer Mann mit weißem Bart,
langen Haaren und Lachfältchen um die Augen. „Die Hitze ist unerträglich“,
sagt er. Behrouse ist obdachlos. „Viele Menschen kämpfen um ihr Überleben.“
Die Temperaturen steigen an diesem Mittwochmittag auf mehr als 30 Grad.
Deshalb ist der 64-Jährige froh, in dem kühlen Raum der
Hitzehilfeeinrichtung des Internationalen Bunds Berlin-Brandenburg (IB) zu
sitzen. Vor dem Fenster liegt der schattige Innenhof der [1][Notunterkunft
in Schöneberg].
„Gerade gab es Essen, die meisten ruhen sich jetzt aus“, erklärt ein
Mitarbeiter. Das Haus hat bis 19 Uhr geöffnet: „Man kann sich hier duschen,
ein bisschen Energie sammeln für nachts“, erzählt Behrouse. Dann beginnt
seine Suche nach einem Schlafplatz.
Im Sommer sei diese von besonderen Herausforderungen geprägt, sagt er: „Man
hat keine Ruhe. Menschen, die eine Wohnung haben, sind im Sommer draußen
bis um Mitternacht.“ Dass gerade Fußball-WM ist, spiele für die
Ruhelosigkeit auch eine Rolle, meint er. Wo nachts viele Menschen unterwegs
sind, seien obdachlose Personen außerdem mehr Belästigung ausgesetzt:
„Viele amüsieren sich über Obdachlose, die auf einer Bank schlafen,
manchmal gibt es auch Angriffe“, sagt Behrouse.
Ein großes Problem, das grundsätzlich bestehe, sei der Mangel an Hygiene.
Laut Behrouse verschärft sich dieses Problem im Sommer: „Es ist immer
dreckig. Wir haben keine Toiletten, können nicht duschen.“ Dass die
Temperaturen am Wochenende auf fast 40 Grad steigen sollen, bereitet ihm
Sorgen: Trinkbrunnen [2][gebe es nicht überall]: „Es gibt Nächte, in denen
ich kein Wasser habe. In Toilettenkabinen ist das Wasser oft ungenießbar.“
Er trinke es meistens trotzdem.
## Nicht die Hitze allein
Wenig Schatten und fehlende Trinkmöglichkeiten können [3][lebensbedrohlich
sein]. Aber es sei nicht die Hitze allein, die ihm zu schaffen mache,
berichtet Behrouse: „Die Schwankungen sind unangenehm“, sagt er. „Vor einer
Woche waren die Nächte eiskalt. Man braucht eine dicke Jacke, zwei Hosen
übereinander.“ Er deutet auf seine Tasche neben dem Bett: „Das heißt 50
Kilo mitschleppen, das ist nicht angenehm.“ Mit der Tasche sei er in der
Öffentlichkeit immer als obdachlos erkennbar: „Wenn man einkaufen geht, zum
Beispiel eine Flasche Wasser holen will – das ist einfach peinlich.“
Er sei dankbar für Angebote wie die Hitzehilfe in Schöneberg oder mobile
Angebote, etwa Busse, die obdachlose Menschen mit Wasser versorgen. Doch er
sieht große Lücken: „Ich glaube, die Gesellschaft ist nicht so richtig
vorbereitet auf diese Zustände – man fühlt sich allein gelassen.“
24 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Luzie Fuhrmann
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