# taz.de -- Atommülllager in Gorleben: Ein Neubau wäre besser
       
       > Ein Endlager kommt erst im nächsten Jahrhundert. So lange wird der
       > Atommüll also auch in Gorleben bleiben. Der Betreiber plant trotzdem nur
       > für 20 Jahre.
       
 (IMG) Bild: In die Jahre gekommen: Das Zwischenlager Gorleben wurde Anfang der 1980er gebaut und ist nur noch bis 2034 genehmigt
       
       Die [1][Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle] dauert
       länger als ursprünglich geplant. Viel länger. Statt wie im noch geltenden
       Standortauswahlgesetz vorgesehen im Jahr 2031, wird erst in mehreren
       Jahrzehnten ein Standort gefunden und benannt sein. Bis das Endlager gebaut
       und befüllt ist, wird weitere Zeit ins Land gehen. Viel Zeit.
       Expert:innen rechnen mit einem Betriebsbeginn erst im nächsten
       Jahrhundert.
       
       Das hat erhebliche Folgen für die Zwischenlagerung des hochradioaktiven
       Schrotts. Die 16 Zwischenlager in Deutschland – 14 davon stehen an den
       Standorten stillgelegter Atomkraftwerke, dazu kommen die zentralen Lager in
       Gorleben und im westfälischen Ahaus – wurden seinerzeit nur für eine
       Betriebsdauer von 40 Jahren genehmigt.
       
       Als Erstes läuft im Jahr 2034 [2][die Genehmigung für das Zwischenlager in
       Gorleben aus]. Dort stehen 113 Castorbehälter. Sie wurden zwischen 1995 und
       2011 in insgesamt 13 Transporten, geschützt von Zehntausenden
       Polizist:innen und begleitet von Protesten Zehntausender
       Demonstrant:innen, ins Wendland gekarrt.
       
       Die von 1982 bis 1983 errichtete oberirdische Halle im Gorlebener Wald hat
       im Vergleich zu neueren Zwischenlagern deutlich geringere Abmessungen bei
       Wänden und Decken. Die Wände aus Stahlbeton sind nur 50 Zentimeter dick,
       das Betonplattendach hat lediglich eine Stärke von 20 Zentimetern.
       
       ## Kartoffelscheune mit dünnen Wänden
       
       Die Atomkraftgegner:innen im Wendland sprechen deshalb von einer
       „Kartoffelscheune“. Ihrer Ansicht nach ist das Zwischenlager nicht gegen
       Flugzeugabstürze, Drohnenangriffe und sonstige Attacken mit schweren Waffen
       geschützt. Immerhin lässt die Betreibergesellschaft BGZ seit 2024 eine 10
       Meter hohe Schutzwand aus Stahlbeton um die Anlage errichten.
       
       Zudem gilt seit dem vergangenen Frühjahr [3][eine Flugbeschränkungszone
       über dem Zwischenlager], die von Umweltschützern seit Langem gefordert
       wurde. Sie verbietet bemannten Flugzeugen sowie privaten Drohnen das
       Überfliegen des Geländes. Allerdings haben Anwohner mehrfach berichtet,
       dass das Flugverbot nicht eingehalten wird.
       
       Anfang dieser Woche hat die BGZ bekannt gegeben, dass sie beim Bundesamt
       für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) eine Verlängerung der
       Zwischenlagerung in Gorleben beantragen will – allerdings für lediglich 20
       weitere Jahre. Sie begründet diesen kurzen Zeitraum mit der Möglichkeit, so
       „die Sicherheit der Zwischenlagerung unabhängig von den ohnehin
       kontinuierlichen aufsichtlichen Überprüfungen in kurzen Zeitabständen
       nachzuweisen“.
       
       ## Nicht geschützt vor Angriffen
       
       Gleichzeitig könnten Forschungsergebnisse engmaschiger berücksichtigt
       werden, darüber hinaus trage ein kurzer Genehmigungszeitraum „zum
       Wissenstransfer sowie Kompetenzerhalt innerhalb der BGZ, aber auch bei
       Behörden und Gutachtern bei“. Der Genehmigungsantrag für Gorleben dürfte
       als Blaupause für alle weiteren Zwischenlager gelten.
       
       Abgesehen davon, dass die BGZ mit der Festlegung auf 20 Jahre die
       vorgeblich angestrebte Beteiligung der Zivilgesellschaft am
       Genehmigungsprozess selbst ad absurdum führt, erscheint die inhaltliche
       Begründung, dass damit eine häufigere Überprüfung der Sicherheit durch die
       Genehmigungsbehörde und unabhängige Sachverständige verbunden sei, nur auf
       den ersten Blick schlüssig. Notwendig wäre es doch vielmehr,
       Sicherheitsaspekte für einen Zeitraum von etwa 100 Jahren zu
       berücksichtigen.
       
       Hinter der kurzen Terminierung steckt aus nachvollziehbarer Sicht der
       örtlichen Bürgerinitiative Umweltschutz auch ein „Weiter so“ mit dem
       jetzigen Gebäudebestand, der – Schutzmauer hin oder her – eben nicht so
       ausgelegt ist, dass er vor terroristischen oder kriegerischen Einwirkungen
       Dritter geschützt ist. Und schon gar nicht für 100 Jahre.
       
       Neben den Forderungen nach einem längeren Betrachtungszeitraum und neuen
       Sicherheitsstandards stellt sich die Frage, ob die Gorlebener
       Leichtbauhalle nicht besser ganz abgerissen werden und einem Neubau Platz
       machen müsste.
       
       Zwar würden die Castoren dann vor ihrem endgültigen Abtransport in ein
       Endlager doch noch einmal bewegt, wenn auch nur für ein paar Meter. Es
       erscheint aber unverantwortlich, hochradioaktiven Atommüll weiterhin in
       einer „Kartoffelscheune“ aufzubewahren. In den Zeiten von Krieg und Terror
       ist jede Atomanlage und damit auch jedes Zwischenlager ist ein potenzielles
       Angriffsziel.
       
       24 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Endlagersuche/!t5011811
 (DIR) [2] /Initiative-zum-Aerger-um-Zwischenlager/!6189585
 (DIR) [3] https://www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/pressemitteilungen/meyer-endlich-flugverbotszone-uber-atommull-zwischenlager-gorleben-kommt-245955.html
       
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