# taz.de -- Zwischen Gerhard und Olaf: Was Angela Merkel von diesem jungen Mann will
       
       > Über vier Jahre nach Ende ihrer Amtszeit fehlt in der Kanzlergalerie noch
       > immer die Kanzlerin. Das soll sich nun ändern.
       
 (IMG) Bild: Im Bundeskanzleramt gibt es eine Ahnengalerie mit Porträts aller bisherigen Regierungschefs – nur eine fehlt noch: Angela Merkel
       
       Die aktuelle Titelseite der Zeit schmückt ein Foto von Angela Merkel,
       sitzend, im roten Blazer. Neben ihr steht ein junger Mann im roten Kittel.
       Hinter der Bundeskanzlerin a. D. eine Leinwand, die uns den Rücken zukehrt.
       Es könnte sein, dass darauf ein Porträt der Frau zu sehen ist, die
       Kanzlerin wurde, als der junge Mann noch ein Kind war. Er heißt Jérémie
       Queyras.
       
       ## Keine Frau, kein Star
       
       Angela Merkel weiß sich zu inszenieren. Mit dieser Geschichte in der
       Zeitung, die exklusiv den Entstehungsprozess des Gemäldes erzählt, erzeugt
       sie Aufmerksamkeit dafür, dass am Dienstag ihr offizielles Porträt fürs
       Bundeskanzleramt enthüllt werden wird. Wie das Bild aussieht, lässt sich
       erahnen, wenn man den [1][Insta-Account] des Künstlers betrachtet.
       
       Er malt abstrakte Bilder, die den Eindruck erwecken, als hätte man der KI
       gesagt: Entwirf mir was im Stil der klassischen Moderne. Er sagt, ihn
       interessierten „Interaktionen zwischen Mensch und Maschine und die Rolle
       der Kunst im menschlichen und im künstlichen Bewusstsein“. Queyras widmet
       sich aber auch einer Porträtmalerei, der man ansieht, dass er die Alten
       Meister studiert hat. Diese Mischung scheint Merkel gefallen zu haben.
       Warum sonst sollte sie sich einen kaum bekannten Maler aussuchen?
       
       Wir diskutieren das bei einer Zigarette in der Berliner Hitze, eine
       Kollegin formuliert diese These: Junge Männer zeigten Respekt für ältere
       Damen – oder sollten es zumindest. Diese Wahl ist auch ein sehr
       merkelianisches Statement. Der junge Mann als solcher hat es heute nicht
       mehr so leicht wie früher.
       
       Seine Altersgenossinnen schreiben die besseren Noten, sind allerorts
       gefragt. Es ist symbolträchtig, sich nicht von einer jungen Frau, nicht von
       einer Ostdeutschen und nicht von einem Star malen zu lassen. Sondern von
       einem, der 24 war, als er seine Initiativbewerbung an Frau Merkel schickte.
       
       29 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.instagram.com/jeremiequeyras/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ulrich Gutmair
       
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