# taz.de -- Album „KitschKrieg Zwei“: Sie sind pünktlich
> KitschKrieg sind zwei in den USA lebende deutsche Produzenten zwischen
> Rap, Techno, Tugendterror. Sind sie, wie der Titel ihres Hits, „Gut
> Genug“?
(IMG) Bild: Geht es noch plakativer? KitschKrieg kommen aus Deutschland, haben aber international Erfolg
Der Absatz der Edelmarke Mercedes und seiner Benziner in den USA und in
China sinkt stetig, ergo werden die Abgesänge auf das „Made in
Germany“-Gütesiegel lauter. Aber: KitschKrieg, zwei deutsche Produzenten,
die lange in Berlin gewohnt haben und dann in die USA gegangen sind,
arbeiten nun mit erfolgreichem Mainstreampop dagegen an.
Mit dem Chemnitzer [1][Rapper Trettmann] haben KitschKrieg auf ihrem
Debütalbum noch Nena und Peter Fox im Dancehallsound paraphrasiert, ebenso
Untergrundrap. Gerade ist ihr neues Album „KitschKrieg Zwei“ erschienen.
Schon ist der Song [2][„Gut Genug“] mit dem Indie-Duo Blumengarten und der
Starrapperin Shirin David wieder in aller Munde. Ein Falsett-Hook mit
Deephouse-Anmutung, dazu ein paar schöne Töne. Und eine Ode auf die
Selbstgenügsamkeit. Schadet ja nie, ist süß und lässt sich prima mitsingen.
Deutschland ist verwundert: KitschKrieg bringen Pop nach DIN-Norm in die
USA und werden dort gefeiert. Die Feuilletons freuen sich, pflichtschuldig
werde hohe Klickzahlen erwähnt. Dazu Gastauftritte von Lizzo, Wiz Khalifa,
Heidi Klum, die Starriege summt und tanzt für den Hit „Gut Genug“. TikToker
machen dann Clips, Streamer streamen dazu auf Twitch. Ein viraler
Erfolgsmoment, den – sind wir ehrlich – der Rest des Albums nicht einlöst.
Ja, warum denn nicht?
## Aus der Manufaktur
So, wie sich KitschKrieg zuletzt inszeniert haben, wirkt der vermeintliche
US-Hype, der Erfolg dieser Musik „Made in Germany“, wie eine
self-fulfilling prophecy. Ihre Ästhetik ist glatt, minimalistisch und
schwarzweiß. Die Dritte im Bunde der Band, Art Directorin Awhodat, zeichnet
für Fotos und Videos verantwortlich. Bei KitschKrieg wirkt seit jeher alles
handgemacht, und musikalisch liefern KitschKrieg dazu auch
Manufaktur-Sound.
Zwei Alben in den letzten Jahren nannten sie „German Engineering“,
versammelten dort aber britische Rapper und KollegInnen aus aller Welt.
Über ihre Sessions in den USA erzählen sie gerne: Wenn die Rapper zu spät
gekommen sind, haben KitschKrieg nicht gewartet. Beim nächsten Mal waren
die Künstler dann auf die Minute pünktlich. Deutsche Tugenden als
Produktionsmodus. Schon lustig, auch nicht sauer aufstoßend, weil
KitschKrieg natürlich keine Nationalisten sind. [3][Ihre Musik ist geprägt
von der Reggae-Dancehall-Kultur]. Sie kommen von Soundsystems, von Clashes,
ihr Oeuvre ist mehr durchdrungen von Sounds aus Jamaika, internationalem
Nischenrap und afrikanischer Clubmusik als von Grönemeyer und Konsorten.
„Made in Germany“ ist bei ihnen ein Meme, das sie wie das Klischee von
Deutschsein ausspielen. Der internationale Hype mit „Gut Genug“ wiederum
ist ein Symptom der Globalisierung von Pop durch Streaming, den auch
KitschKrieg vorantreiben. Alles ist überall hörbar, Mikrogenres aus Afrika
wie Singeli knacken plötzlich die deutschen Clubs. Oder, etwas greifbarer:
„Despacito“ läuft selbstverständlich im Hitradio, obwohl viele Leute den
spanischen Text gar nicht verstehen.
## Paul-Kalkbrenner-artig
Solides „German Engineering“ macht alles rund. Und so plätschert und dudelt
die Musik von KitschKrieg melancholisch vor sich hin.
Paul-Kalkbrenner-artiger, flächiger Allround-Sound, wenig Schnickschnack,
Synths, die verdächtig nach Trance klingen. Dazu wunderbar schwuler
Deutschrap von Baran Kok über Ticker, die Drogen auf Raves verchecken. Ganz
viel junger Deutschpop, der hier auflebt, weil KitschKrieg musikalische
Kosmopoliten sind und keine abgehalfterten Hitproduzenten. Wahrscheinlich
könnten die beiden sogar Helene Fischer amtlich klingen lassen.
Präzision und Kraft des Flows als künstlerisches Prinzip lassen die Songs
ineinander übergehen wie Kapitel eines Hörbuchs. Was da erzählt wird? Viel
Großstadtblues auf Textebene, aber die ist eh nicht so wichtig. Stars auf
dem KitschKrieg-Album sind KitschKrieg. Sogar Samples zweier anderer „Made
in Germany“-Exportschlager tauchen auf: Blümchen und Kraftwerk. Ein
riesiger Kontrast, aber im KitschKrieg-Kontext passt es perfekt.
25 Jun 2026
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## AUTOREN
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