# taz.de -- Eva Maria Michelmann frei: Wo ist Ahmed Polad?
> Über 150 Tage war Eva Maria Michelmann in syrischer Haft. Am vergangenen
> Freitag konnte sie nach Deutschland zurückkehren. Und ihr kurdischer
> Kollege?
(IMG) Bild: Antonius Michelmann, Bruder von Eva Michelmann, auf einer Pressekonferenz neben seiner Mutter Rotraut Hake-Michelmann, 27. April 2026
Eva Maria Michelmann war am 18. Januar in der nordsyrischen Stadt Raqqa
verschwunden, die lange unter Kontrolle der kurdisch-dominierten
Demokratischen Kräften Syriens (SDF) stand.
An diesem Tag hatten regierungsnahe islamistische Milizen und Einheiten der
syrischen Übergangsregierung die Stadt und andere vorwiegend arabische
Gebiete übernommen. Michelmann hatte mit ihrem kurdischen Kollegen Ahmet
Polad für kurdische Medien über die Auseinandersetzungen berichtet.
Einen Monat nach ihrem Verschwinden begannen Angehörige und Freund*innen
von Michelmann mit der Kampagne „Wo ist Eva? Wo ist Ahmed?“ Erst da war
allen bewusst geworden, dass der Verbleib der beiden Journalist*innen
unklar war.
Anfang April stand zweifelsfrei fest, dass Michelmann und Polad in
syrischer Haft waren. Die Informationen kamen von ehemaligen Mitgefangenen,
die nach ihrer Freilassung darüber berichteten. Die Freude über Michelmanns
Rückkehr nach Deutschland ist nun groß. „Es war diese koordinierte Arbeit
und Hartnäckigkeit, die schlussendlich die Freilassung von Eva Michelmann
erwirken konnte. Eine Arbeit, welche die Notwendigkeit, Solidarität mit
politischen Gefangenen zu organisieren, aufzeigt und beweist, dass ein
Kampf für ihre Freiheit Erfolg bringen kann“, heißt es in einer
Pressemeldung von [1][Peoples-Bridge].
## Ahmet Polad weiterhin in syrischer Haft
Diese Solidaritätsorganisation hat in den letzten Monaten mit Kundgebungen
und Pressekonferenzen zunächst nach Aufklärung über den Verbleib der
Journalist*innen gedrängt und danach ihre sofortige Freilassung
gefordert.
„Michelmann hat sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland zurückgezogen und
steht vorerst für Anfragen nicht zur Verfügung“, betont der Rechtsanwalt
Roland Meister, der die Angehörigen vertritt. Im Gespräch mit der taz
betont er, dass die Solidaritätsarbeit noch nicht beendet sei. Schließlich
befinde sich ihr [2][Arbeitskollege Ahmet Polad] weiterhin in syrischer
Haft.
Dem Moderator für Özgür TV und Autor für Kurdistana Azad droht auch in
seiner türkischen Heimat Verfolgung. Diese Gefahr ist noch gestiegen, weil
das syrische Außenministerium Polad als hochrangigen Funktionär der
mittlerweile aufgelösten kurdischen Arbeiterpartei (PKK) bezeichnet, die in
der Türkei und in Deutschland verboten ist.
Michelmann wird vom syrischen Außenministerium vorgeworfen,„syrisches
Staatsgebiet illegal betreten“ und sich „über einen längeren Zeitraum
außerhalb der Kontrolle des syrischen Staates„ aufgehalten zu haben, wie
der Spiegel kürzlich berichtete. Dem widerspricht Rechtsanwalt Meister im
Gespräch mit dem taz.
Michelmann sei in die Gebiete der syrischen Selbstverwaltung als
Journalistin eingereist, als das Assad-Regime noch in Syrien herrschte.
Meister betont, dass Michelmann im Besitz einer Akkreditierung der
kurdischen Presseagentur gewesen sei. Die Solidaritätsgruppe Peoples Bridge
verweist in ihrer Pressemitteilung auch noch einmal darauf: „Journalismus
ist kein Verbrechen“.
21 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://peoples-bridge.org/?lang=de
(DIR) [2] /Journalisten-in-syrischer-Haft/!6182946
## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
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