# taz.de -- Juristische Aufarbeitung in Syrien: Einst nutzte er wohl Giftgas, nun sitzt er in Haft
       
       > Immer mehr Offiziere des ehemaligen Regimes von Baschar al-Assad in
       > Syrien werden von der neuen Regierung verhaftet. Nun traf es Jayez
       > Al-Moussa.
       
 (IMG) Bild: Neben Giftgas ist Al-Moussa auch für die Bombardierung von Zivilist*innen, wie hier 2017 in Idlib, verantwortlich
       
       In dieser Woche haben Sicherheitskräfte der syrischen Antiterror-Einheiten
       erneut ein hochrangiges Mitglied des [1][früheren Regimes von Ex-Präsident
       Baschar al-Assad] verhaftet: Jayez Al-Moussa, ein ehemaliger Pilot und
       Stabschef der syrischen Luftwaffe. Ihm wird vorgeworfen, während des
       syrischen Bürgerkriegs Luftangriffe auf Stellungen der syrischen Rebellen
       geführt zu haben, teilweise unter Einsatz von Fassbomben und Giftgasen.
       Waffen, die nach humanitärem Völkerrecht verboten sind, weil sie massive
       Schäden an Zivilist*innen anrichten.
       
       Al-Moussa stand seit 2017 unter Sanktionen durch die Europäische Union und
       Großbritannien, vor allem wegen der mutmaßlichen Nutzung von chemischen
       Waffen und Gewalt gegen die Zivilbevölkerung. Geboren 1954 [2][in Hama,
       einer Kleinstadt in Westsyrien], diente er über vier Jahrzehnte lang in
       Assads Armee. Der heute 72-Jährige leitete laut Medienberichten nach
       Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 die 20. Abteilung der Luftwaffe, die für
       sechs militärische Flughäfen verantwortlich war. Im Jahr 2015 stieg er zum
       Stabschef auf.
       
       Untersuchungen, unter anderem der Vereinten Nationen, deuten auf mehrere
       Gasattacken im Jahr 2015 hin, vor allem in der Region um Idlib in
       Nordsyrien. Idlib wurde damals nach heftigen Gefechten von den Rebellen
       eingenommen. Bei den Auseinandersetzungen soll es zur Nutzung von Giftgas
       durch die syrische Armee gekommen sein – sowie in späteren Kämpfen.
       [3][Insgesamt hat die syrische Luftwaffe mehrfach und an mehreren Orten
       Giftgase eingesetzt]. Unklar ist noch, welche Angriffe konkret in
       al-Moussas Verantwortung fallen.
       
       Unter anderem soll al-Moussa für die Koordination mit russischen
       Streitkräften, die an der Seite Assads in den syrischen Bürgerkrieg
       einstiegen, verantwortlich gewesen sein. Nach seiner Pensionierung 2016
       wurde er zum Gouverneur von Hasakah in Nordostsyrien ernannt. Al-Moussa
       soll einem arabischen Stamm aus der Region Deir Az-Zor im Osten
       [4][Syriens] angehören, der für seine Loyalität zu Assad bekannt ist.
       
       ## Eine Reihe von Festnahmen von Ex-Regime-Mitgliedern
       
       Für Schlagzeilen sorgte seine kurze Festnahme im Jahr 2019, nach einem
       Streit [5][an einer Weizenverteilungsstelle] in [6][Qamishli]. Laut einem
       Artikel einer libanesischen Zeitung sei damals ein Wortgefecht entbrannt,
       weil al-Moussa mit seinem Konvoi die Schlange der Wartenden überspringen
       wollte. Quellen der Zeitung warfen dem Gouverneur Schwarzmarktgeschäfte
       vor.
       
       Unklar ist, wie es zur aktuellen Verhaftung kam. Nach Informationen des
       Vereins „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ soll der Ex-Pilot
       in den Libanon gelockt und dort in Gewahrsam genommen worden sein. Die
       syrische Regierung gab keine Informationen dazu bekannt.
       
       Die Festnahme ist nur die jüngste einer Reihe von Operationen, die sich
       gegen ehemalige Mitglieder des Assad-Regimes richten. Vergangene Woche
       haben syrische Streitkräfte zwei Ex-Offiziere festgesetzt. Ende April
       hatten zudem Polizist*innen den ehemaligen Nachrichtendienstler Amjad
       Youssef in einem ländlichen Dorf nahe Hama gefasst. Ihm wird zur Last
       gelegt, für das sogenannte Tadamon-Massaker verantwortlich zu sein. Dabei
       verloren mindestens 288 Zivilist*innen ihr Leben. Die Verhaftung löste
       improvisierte Straßenfeste und Jubel in der Hauptstadt Damaskus aus.
       
       15 May 2026
       
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