# taz.de -- Journalisten in syrischer Haft: Unterlassene Hilfeleistung
       
       > Eva Michelmann und ihr Kollege Ahmed Polad sind seit Januar in syrischer
       > Haft. Die Bedingungen grenzen an Folter. Die Bundesregierung tut zu
       > wenig.
       
 (IMG) Bild: Demonstranten halten einen Banner mit Eva Maria Michelmann and Ahmed Polad am 1. Mai 2026 in Leipzig
       
       Am 18. Januar 2026 wurden die Kölner Journalistin [1][Eva Michelmann und
       ihr kurdischer Kollege Ahmed Polad] in Raqqa bei der Evakuierung eines
       Gebäudes durch Sicherheitskräfte der syrischen Übergangsregierung
       verhaftet.
       
       Michelmann und Polad hatten dort für kurdische Medien über die Angriffe auf
       die kurdische Selbstverwaltung berichtet. Über mehrere Wochen hin war dann
       ungewiss, ob die beiden Medienvertreter*innen noch am Leben waren.
       Sie waren spurlos verschwunden.
       
       Erst Anfang April wurde durch die Arbeit von Unterstützungsgruppen klar,
       dass die beiden Journalist*innen noch leben. Anfang April 2026
       berichtete ein Zeuge per Video von der Nacht der Verhaftung von Michelmann
       und Polad. Am 11. April 2026 gaben schließlich Freigelassene aus dem
       Gefängnis in Aleppo bekannt, dass sie mit Polad inhaftiert gewesen seien
       und vor Ort auch eine deutsche Journalistin in Gewahrsam sei.
       
       Am 30. April 2026 bestätigte die syrische Regierung die Gefangenschaft der
       beiden Pressevertreter*innen. Nun hätte man denken können, dass ihre
       Freilassung nur noch eine Frage von wenigen Tagen sein würde. Doch diese
       Hoffnung verflog bei den Angehörigen schnell.
       
       ## Syrische Seite verhindert weitere Termine
       
       So zogen Eva Michelmanns Mutter, Rotraut Hake-Michelmann, sowie ihr Bruder
       Antonius Michelmann auf einer Pressekonferenz in Berlin am vergangenen
       Freitag, 29. Mai, ein bitteres Fazit. Wenige Stunden zuvor hatten die
       beiden gemeinsam mit ihrem Anwalt Roland Meister ein Gespräch mit dem
       Auswärtigen Amt gehabt. Die Ergebnisse, die sie auf der Pressekonferenz
       darlegten, waren ernüchternd.
       
       Noch immer befänden sich Michelmann und Polad in [2][Incommunicado-Haft.]
       Das ist ein juristischer Begriff für eine strikte Isolationshaft ohne
       jeglichen Kontakt zur Außenwelt, auch der Kontakt zu Angehörigen,
       Anwält*innen und Ärzt*innen wird ihnen verweigert.
       
       Vertreter*innen des Auswärtigen Amtes konnten Michelmann nur einmal
       besuchen. Trotz Bemühungen der Behörde habe die syrische Seite weitere
       Termine bisher verhindert, wurde den Angehörigen und ihrem Anwalt beim
       Termin in Berlin mitgeteilt.
       
       Dabei ist die syrische Regierung ein gern gesehener Partner der deutschen
       Politik. Als der islamistische syrische Präsident Ahmed al-Scharaa am 30.
       März 2026 [3][auf Staatsbesuch in Berlin] war, mussten Michelmann und Polad
       schon fast sechs Wochen im syrischen Kerker verbringen.
       
       ## Schnell wieder nach Syrien abschieben
       
       Es ist den Angehörigen und ihren Unterstützer*innen zu verdanken, dass
       ihr Aufenthaltsort bekannt wurde. Jetzt könnte man erwarten, dass das
       Auswärtige Amt Druck macht, damit die Journalist*innen schnell
       freigelassen werden. Und da hätte die deutsche Politik einige Hebel in der
       Hand.
       
       Schließlich hat das noch durch [4][keine demokratischen Wahlen] bestätigte
       islamistische syrische Regime Interesse an guten Wirtschaftsbeziehungen mit
       Deutschland und der EU. Doch auch die deutsche Politik drängt auf [5][enge
       Kontakte zu den Machthabern in Syrien]. Schließlich will sie möglichst
       schnell wieder Geflüchtete nach Syrien abschieben.
       
       Da ist der Einsatz für zwei Pressevertreter*innen, die für kurdische
       Nachrichtenagenturen arbeiten, vielleicht nur Störfaktor. Diese Befürchtung
       äußerte Rotraud Hake-Michelmann und verwies auf einen historischen Fall aus
       den 1970er Jahren in Argentinien. „Meine Tochter darf [6][keine zweite
       Elisabeth Käsemann] werden“, sagte sie.
       
       [7][Elisabeth Käsemann] war am 9. März 1977 in Buenos Aires verhaftet und
       zweieinhalb Monate später in der Haft erschossen worden. Der damaligen
       Bundesregierung unter Helmut Schmidt waren gute Wirtschaftsbeziehungen zum
       argentinischen Militärregime wichtiger als der Einsatz für das Leben einer
       linken Aktivistin.
       
       Die beste Unterstützung für Michelmann und Polad wäre eine starke
       zivilgesellschaftliche Bewegung. Schließlich sorgten 2018 große
       Demonstrationen, Konzerte und Autokorsos dafür, dass [8][Deniz Yücel aus
       türkischer Haft freikam].
       
       Auf den deutschen Staat hingegen können sich Journalist*innen nicht
       verlassen, auch und gerade nicht, wenn sie in einem Land verhaftet wurden,
       mit dem die Bundesrepublik gute Beziehungen pflegen will.
       
       31 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Eva-Michelmann/!6172810
 (DIR) [2] https://www.amnesty.ch/de/themen/folter/glossar-definitionen-und-begriffe
 (DIR) [3] /Syriens-Uebergangspraesident-in-Berlin/!6167019
 (DIR) [4] /Syrische-Parlamentswahlen/!6115325
 (DIR) [5] /Al-Schaara-kommt-nach-Berlin/!6162935
 (DIR) [6] /Steinmeier-besucht-Argentinien/!5310038
 (DIR) [7] /Steinmeier-besucht-Argentinien/!5310038
 (DIR) [8] /In-Tuerkei-inhaftierter-Koelner-Adil-Demirci/!5571856
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Peter Nowak
       
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