# taz.de -- Massenproteste in Bolivien: Präsident Rodrigo Paz verhängt landesweiten Ausnahmezustand
> Der rechte Präsident will wochenlangen Protest durch das Militär beenden.
> Es soll Straßenblockaden abräumen. Linke Demonstrant:innen fordern
> den Rücktritt von Paz.
(IMG) Bild: Brennende Barrikade auf einer Straße im bolivianischen Hochland bei El Alto
afp/rtr/taz | Nach wochenlangen Massenprotesten und Straßenblockaden hat
der bolivianische Präsident Rodrigo Paz am Samstag den Ausnahmezustand für
das gesamte Land ausgerufen. Er habe „alle Möglichkeiten des Dialogs“ mit
den Demonstranten ausgeschöpft, sagte Paz am frühen Samstagmorgen in einer
im TV übertragenen Rede an die Nation. Er reagierte damit auf seit 50 Tagen
anhaltende Straßenblockaden, die die Wirtschaft des südamerikanischen
Landes nahezu zum Stillstand gebracht und indirekt zu mehreren Todesfällen
geführt haben.
Weil zahlreiche Protestierende versuchten, „Bolivien zu destabilisieren“,
habe er sich zu diesem Schritt entschieden, erklärte Paz. Er habe
Vereinbarungen mit jenen Protestierenden getroffen, „deren Forderungen
legitim waren“, führte der Präsident weiter aus. Damit spielte er offenbar
auf eine am Freitag erzielte Übereinkunft mit dem Gewerkschaftsdachverband
COB an.
[1][Der wirtschaftsliberale Paz], der von US-Präsident Donald Trump
unterstützt wird, hatte im November 2025 eine 20-jährige Regierungszeit
linksgerichteter Präsidenten in Bolivien beendet. Seit Wochen fordern
Bauern, Lehrer, Arbeiter und Bergleute seinen Rücktritt. Die Demonstranten
errichteten zahlreiche Straßensperren, was zu Versorgungsengpässen geführt
hat, unter anderem bei Benzin, Lebensmitteln und Medikamenten.
## Straßenblockaden legen das Land lahm
Der Konflikt hatte [2][im Mai mit einem Streik begonnen] und sich mit
darauffolgenden Straßensperren zu einer schweren Krise ausgeweitet.
Zeitweise waren La Paz und angrenzende Gebiete, in denen rund zwei
Millionen Menschen leben, von der Außenwelt abgeschnitten.
Straßenblockaden sind in dem Andenstaat eine typische Form des Protestes.
In extrem gebirgigen Land ist leicht, ganze Regionen durch die Blockade von
wenigen Passstraßen lahmzulegen. So kam es zu langen Schlangen an
Tankstellen sowie erheblichen Engpässen bei Lebensmitteln und Medikamenten.
Nach Angaben der bolivianischen Ombudsstelle kamen mindestens 14 Menschen
ums Leben. Darunter waren Patienten, die wegen der versperrten Straßen
nicht rechtzeitig in Krankenhäuser gebracht werden konnten.
## Protest gegen Streichung von Treibstoffsubventionen
Auslöser des Konflikts war die überraschende Streichung langjähriger
Treibstoffsubventionen, mit der Paz das Haushaltsdefizit verringern wollte.
Dies geschah vor dem Hintergrund eines zunehmenden Devisenmangels und
laufender Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Zwar
ergriff die Regierung später Maßnahmen, um die Treibstoffpreise zu
stabilisieren und unpopuläre Landreformen zurückzunehmen. Dennoch weiteten
sich die Proteste aus.
Paz sagte mit Blick auf die Blockaden, er habe den Streitkräften befohlen,
„den freien Verkehr wiederherzustellen, die Kontrolle über die Straßen
zurückzugewinnen und die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten“.
Sollten die Protestierenden die Blockaden fortsetzen, würden sie es „mit
der vollen Härte des Gesetzes“ zu tun bekommen.
Paz hatte den Demonstranten zwar Gespräche angeboten. Gleichzeitig
bezeichnete er sie aber als „Drogenterroristen“, die nach seinen Worten mit
dem früheren linksgerichteten Präsidenten Evo Morales unter einer Decke
steckten.
Gegen Morales, der von 2006 bis 2019 Staatschef war, gibt es [3][Vorwürfe
des Menschenhandels und des sexuellen Missbrauchs] einer Minderjährigen. Er
hält sich in der Region Chapare versteckt und konnte sich einer Festnahme
bisher entziehen.
20 Jun 2026
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