# taz.de -- Elon Musk: Billionär will ZDF an den Kragen
> Der reichste Mann der Welt fordert das ZDF auf, eine
> Unterlassungserklärung abzugeben. Das ist sein gutes Recht, aber trotzdem
> beunruhigend.
(IMG) Bild: Nutzt sein Geld auch, um gegen Presse vorzugehen: Billionär Elon Musk
Kürzlich ist Musk der erste Billionär der Welt geworden. Mit diesem
Vermögen im Rücken beginnt er nun in Trump-Manier Medien zu verklagen. Als
Erstes ging es jetzt mithilfe eines deutschen Anwalts dem ZDF an den
Kragen.
Auslöser war eine Sendung des öffentlich-rechtlichen Senders mit dem Titel
„Ausschreitungen in Belfast – Wie Musk die Proteste befeuert“. In der
Sendung wurde über Proteste und Ausschreitungen in Nordirland berichtet,
bei denen teils gezielt Migrant_innen verfolgt und Wohnungen angezündet
wurden. [1][Diese Proteste hatten] nach einer Messerattacke am 8. Juni
durch einen sudanesischen Mann stattgefunden. Weil die Sendung den Eindruck
vermittelt hatte, Musk hätte durch das Teilen von Posts eines
Rechtsextremisten dazu selbst zur „Jagd auf Migranten“ aufgerufen, ging er
dagegen vor.
Musk bezichtigte das ZDF, „skandalöse Lügen“ zu verbreiten, und forderte
die Sendung auf, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Am vergangenen
Dienstag kam der Sender dem nach und kürzte im Archiv außerdem bereits am
Samstag den Beitrag um die entsprechende Stelle. „Wir bestätigen, dass Elon
Musk über eine deutsche Anwaltskanzlei eine Unterlassungserklärung zur
Anfangsmoderation der Sendung ‚ZDFheute live‘ vom 12. Juni gefordert hat“,
teilte das ZDF der Katholischen Nachrichten-Agentur mit. Andere Teile des
ZDF-Beitrags zu Musks Rolle, der auch in Deutschland immer wieder
politischen Einfluss nehmen will, blieben hingegen bestehen.
Viele sind sich nun sicher: Das ZDF sei vorzeitig eingeknickt und hätte
sich einem reichen Tech-Billionär ergeben. Wo bleibt da die Pressefreiheit
oder die Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung? Ganz so eindeutig ist das
aber nicht.
## Das Recht, sich zu wehren
Menschen, auch Elon Musk, haben die Möglichkeit, sich zu wehren, wenn sie
der Meinung sind, dass über sie falsche Tatsachen berichtet wird. Dafür
gibt es im deutschen Recht mehrere Grundlagen, etwa das allgemeine
Persönlichkeitsrecht oder die Landespressegesetze, die ein Recht auf
Gegendarstellung einfordern.
Das ZDF hätte Musk demnach etwa fragen müssen: „Haben Sie zur Jagd auf
Migranten“ aufgerufen? Oder sich dazu entscheiden können, zu berichten, was
vorgefallen ist, ohne die missverständliche Einordnung. Also in etwa: Elon
Musk hat auf seiner Plattform X, auf der er über 240 Millionen Follower
hat, einen Post des Rechtsextremisten Tommy Robinson geteilt, in dem er
gegen einen „weiteren Angriff von Eindringlingen auf unser Volk“
mobilisierte und Termine für Kundgebungen anfügte. Musk teilte den Beitrag
und fügte hinzu „Nur durch wiederholte und laute Proteste wird sich etwas
ändern.“ Dass das ZDF die Anmoderation des Beitrags geändert hat, ist somit
alltäglicher Schritt in der Produktion von Inhalten in den Medien, wenn
andere von ihren rechtlichen Mitteln Gebrauch machen.
Andererseits ist es natürlich beunruhigend zu sehen, dass ein Billionär wie
Musk sein Geld und seine Macht ausnutzen kann, um gezielt demokratische
Strukturen, von denen auch das ZDF Teil ist, zu schwächen. [2][Musk hatte
sich bereits zum Wahlkampf 2024 in die politische Debatte eingemischt],
etwa mit Wahlaufrufen für die AfD.
Im Fall des ZDF drohte Musk bereits mit weiteren juristischen Schritten, in
denen „wir genau herausfinden, welcher Idiot diese ungeheuerliche Lüge
verfasst hat“. Milliarden-Dollar-Klagen, ob am Ende erfolgreich oder nicht,
beschäftigen Medienhäuser natürlich. Und dass Klagen auch als Druckmittel
eingesetzt werden kann man etwa bei Trump beobachten, der in mehreren
Fällen, etwa gegen die New York Times oder die Washington Post, schon
allein mit einer Klageandrohung versucht die Medien zu schwächen.
17 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ann-Kathrin Leclere
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