# taz.de -- SPD in Baden-Württemberg: Knapp über fünf Prozent, aber zwei Vorsitzende
> Die SPD in Baden-Württemberg wird künftig von einem Führungsduo geleitet.
> Die neue Spitze muss die Partei aus einer tiefen Krise führen.
(IMG) Bild: Isabel Cadematori bildet zusammen mit Robin Mesarosch das neue Führungsduo der SPD in Baden-Württemberg
Die SPD in Baden-Württemberg wird künftig in der Doppelspitze geführt.
[1][Isabel Cadematori, Bundestagsabgeordnete aus Mannheim], und Robin
Mesarosch, ehemaliger Abgeordneter aus Sigmaringen, erhielten in einer
Mitgliederbefragung eine absolute Mehrheit von 56,5 Prozent der Stimmen.
Ein Parteitag in Ulm muss das Votum am Wochenende noch formal bestätigen.
Der Parteivorstand hatte zuvor entschieden, dass unterlegene Kandidaten
nicht erneut antreten dürfen. Dorothea Klische-Behnke, langjährige
Landtagsabgeordnete, und der Basis-Kandidat Carsten Lotz kamen auf 24,5
beziehungsweise 19,7 Prozent der Stimmen.
Die beiden designierten Vorsitzenden sollen die Partei nach der
historischen Wahlniederlage von 5,5 Prozent bei der Landtagswahl im März
neu aufstellen. Gleich nach der Wahlniederlage hatte der Sigmaringer
Kreisvorsitzende Mesarosch in den sozialen Kanälen scharf kritisiert, dass
mit dem früheren Generalsekretär Sascha Binder einer der
Hauptverantwortlichen für einen „historisch unterirdischen Wahlkampf“ zum
Fraktionsvorsitzenden gewählt worden war. Er warf Parteifunktionären vor,
seit Jahren nur auf ihre Karrieren zu achten und sagte, dass Mitglieder
„seit Jahren verarscht“ werden.
Jetzt soll Mesarosch, 35, zusammen mit Cadematori, 38 und eben dem
Fraktionsvorsitzenden Binder, 43, die Partei aus der tiefen Krise führen.
Die künftigen Vorsitzenden kündigten an, die Kommunikation zu straffen:
weniger Einzelstatements, dafür drei bis vier Kampagnen pro Jahr. Trotz
ihrer unterschiedlichen Parteiflügel – Cadematori gehört dem konservativen
Seeheimer Kreis an, Mesarosch der parlamentarischen Linken – betonten
beide, dass sie kaum Meinungsverschiedenheiten hätten.
## Nur noch viertstärkste Kraft im Landtag
Beide wollen soziale Ungleichheit und Klimaschutz stärker in den Fokus
rücken „Unsere Themen haben gesellschaftlich große Mehrheiten. Man muss uns
nur wieder zutrauen, sie umzusetzen“, sagte Cadematori am Dienstag und
forderte die Bundespartei auf, den Veränderungswillen der Basis
ernstzunehmen.
An der Befragung beteiligten sich 46,5 Prozent der gur 30.000
SPD-Mitglieder im Bundesland. Die Südwest-SPD hatte in der Vergangenheit
keine gute Erfahrung mit dem Verfahren gemacht: 2018 trat die [2][damalige
Vorsitzende Leni Breymeier] noch vor der offiziellen Bekanntgabe des
Auszählungsergebnisses zurück, obwohl sie eine hauchdünne Stimmenmehrheit
der Mitglieder gehabt hätte.
Um zu verhindern, dass ihr Gegenkandidat Lars Castellucci den Vorsitz
übernimmt, [3][kandidierte Fraktionschef Andreas Stoch und gewann]. Nach
der jüngsten Wahlniederlage erklärte Stoch noch am Wahlabend seinen
Rücktritt. Im Landtag ist die SPD inzwischen nur noch viertstärkste Kraft
hinter der AfD.
Anm. der Redaktion: In einer ursprünglichen Fassung stand, dass sich 46,5
Prozent der 450.000 SPD-Mitglieder beteiligt hätten. Tatsächlich hat die
Partei dort nur [4][gut 30.000 Mitglieder]. Selbst bundesweit sind es
[5][keine 400.000] mehr. Wir entschuldigen uns für diese Überschätzung der
SPD.
16 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /SPD-Politikerin-Isabel-Cademartori/!5838209
(DIR) [2] /SPD-Duell-in-Baden-Wuerttemberg/!5551007
(DIR) [3] /Landtagswahlen-in-Baden-Wuerttemberg/!6160425
(DIR) [4] https://de.wikipedia.org/wiki/SPD_Baden-W%C3%BCrttemberg
(DIR) [5] https://www.deutschlandfunk.de/mitgliederboom-bei-linken-cdu-und-spd-verlieren-mitglieder-100.html
## AUTOREN
(DIR) Benno Stieber
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