# taz.de -- Thriller „In the Hand of Dante“: Paradies ist schwer
       
       > In Julian Schnabels mystischem Thriller gehen ein Dichter und ein Killer
       > durch Dantes Hölle – und wären besser dort geblieben. Denn danach wirds
       > wirr.
       
 (IMG) Bild: Oscar Isaac als Dante in dem Thriller: "In the Hand of Dante"- Szenenbild
       
       Es geht gut los. Der historische Dante, sein Manuskript in der Hand, steigt
       eine Treppe hinauf. Zu diesem Filmmotiv gibt es konkrete Verse aus
       [1][Dantes Großgedicht „Komödie“], das erst von den Nachgeborenen die
       Beifügung „Göttliche“ zugesprochen bekam.
       
       Wie hart es nämlich ist, heißt es dort, das Auf- und Absteigen über fremde
       Treppen; also auf solchen, die nicht zum eigenen Haus gehören, weil man ein
       eigenes Heim nicht hat. Und warum steigt man hoch, als wer? Als Exilierter,
       als ewiger Bittsteller. Und wie steigt man hinunter? Abgewiesen,
       abgespeist, beschenkt vielleicht – aber jedenfalls beschämt. Das ist Dantes
       Leben, nachdem er als Verlierer im Bürgerkrieg 1302 seine Heimat Florenz
       für immer verlassen musste.
       
       Schnitt, ein auch konkretes Bild, der schwadronierende besoffene Dichter
       (Oscar Isaac vielleicht immer einen Ticken zu druff. Er spielt in den
       historischen Szenen auch Dante) in einer Kneipe in New Jersey 1998. Der
       Mann hat als Schriftsteller fertig – da übersetzt man schon mal was, und
       warum, wenn der Größenwahn das einzige ist, was einem noch bleibt, nicht
       gleich die „Göttliche Komödie“. Sein Gegenüber, ein kleiner Gangster, fragt
       irgendwann, all das Großsprecherische blitzartig erdend: „Wer ist Dante?“
       
       Im Plot von [2][„In the Hand of Dante“], einem mystischen Thriller von
       Julian Schnabel, der letztes Jahr [3][in Venedig Premiere hatte] und nun
       auf Netflix läuft, ist die Antwort erst mal eindeutig: Dante ist Geld.
       
       ## Job ist Job
       
       Ein US-Mafiaboss (sehr routiniert: John Malkovich) wurde darauf
       hingewiesen, dass es in Palermo ein mittelalterliches Originalmanuskript
       der „Komödie“ zu rauben gibt. Neben einem Killer Louie (hammerhart
       herausragend gespielt von [4][Gerard Butler)] wird der spezialisierte
       Schriftsteller engagiert. Er soll vor Ort das Manuskript prüfen, damit sich
       all das Morden auch lohnt, denn Louie sagt nicht umsonst: „It’s not that I
       enjoy doing this shit.“
       
       Aber Job ist Job. In ihrer hämmernden Heftigkeit und bizarren Bösartigkeit
       ist die Blutspur, die Louie und der Dichter hinter sich herziehen, sehr
       unterhaltsam zu betrachten – ab 16. Dann ist das Manuskript endlich in den
       Staaten; aber damit ist seine Echtheit ja noch nicht bewiesen.
       
       Es muss zertifiziert werden, durch Wasserzeichen und Tintenabgleiche, von
       Experten. Eine Art Reinigung, ein Fegefeuer eben, wie der zweite Teil von
       Dantes Gedicht betitelt ist, das – nur zur Erinnerung – eine Reise des
       Dichters durch Hölle, Fegefeuer und Paradies zum Inhalt hat.
       
       Bei diesem Teil bleibt man noch am Ball, auch wenn Louies Ausscheiden als
       Begleiter der Sache schon den Drive etwas nimmt. Doch dann, man ahnt es,
       wird es immer schwieriger, schwurbeliger, dem Plot zu folgen.
       
       Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass Dante ja nicht umsonst als Dichter
       der Hölle berühmt wurde und nicht als der der idyllischen Erlösung.
       Letztere ist halt ein verdammt schwieriges Genre – was soll man vom
       Paradies schon zeigen und erzählen, als dass glückselige Menschen in
       wehenden Gewändern in himmlisch anmutenden Gefilden wandeln und sich
       beseelt anlächeln?
       
       Wahrscheinlich nennt man einen solchen Film 'überfrachtet'. Die in Farbe
       gedrehten historischen Szenen lassen fast durch weg kalt. Dantes Gedicht,
       das eine Vision war – der Mann sah sich als Prophet –, ist am Ende doch zu
       groß für einen Film. Was man auch tröstlich finden kann.
       
       28 Jun 2026
       
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