# taz.de -- Möglicher Angriff aus Belarus: Warum die Ukraine ihre Grenze nach Norden verstärkt
       
       > Zu Beginn des Überfalls auf die Ukraine stellte Belarus Russland
       > Militärstützpunkte und Flugplätze zur Verfügung. Experten warnen vor
       > einer erneuten Kooperation beider.
       
 (IMG) Bild: Die Grenze zu Belarus in der ukrainischen Region Riwne
       
       Die taz panterstiftung präsentiert unter [1][taz.de/unserfenster] jeden
       Mittwoch eine wöchentliche Auswahl aktueller Berichte aus russischen
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       Verstka öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Den
       ganzen Text [2][lesen Sie hier auf Russisch].
       
       Die Ukraine bereitet sich nach eigenen Angaben auf die Abwehr einer
       möglichen Offensive aus Belarus vor. Entlang der circa 120 Kilometer langen
       Grenze legen ukrainische Sicherheitsbehörden Minenfelder an und errichten
       Befestigungsanlagen.
       
       Auch die Zivilbevölkerung ist häufiger von Kontrollen betroffen. Vertreter
       der ukrainischen Streitkräfte sprechen zudem offen über mögliche
       militärische Ziele auf belarussischem Territorium. Das Magazin Wjorstka
       analysiert, wie real die Gefahr ist, dass Minsk direkt in den Krieg
       eintritt.
       
       Am 2. Mai erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass nahe
       der ukrainisch-belarussischen Grenze eine „ungewöhnliche Aktivität“ auf der
       anderen Seite beobachtet worden sei.
       
       Anschließend berichteten ukrainische Medien, dass auf belarussischer Seite
       die Infrastruktur im Grenzgebiet ausgebaut werde. Demnach würden Straßen
       und Zufahrtswege modernisiert und Stellungen für die Artillerie
       eingerichtet.
       
       ## Russische Armee griff auch von Belarus aus an
       
       Zwei Wochen später, am 15. Mai, verschärfte Selenskyj seine Warnungen. Ihm
       zufolge prüfe Moskau mögliche Operationspläne, die von belarussischem
       Territorium aus umgesetzt werden könnten. Sprich: Wie eine Invasion in die
       Ukraine von Belarus aus erfolgreich gelingen könnte.
       
       Dabei geht es entweder um eine Bedrohung der ukrainischen Regionen
       Tschernihiw und Kyjiw im Norden des Landes oder um mögliche Aktionen gegen
       einen Nato-Staat an der Nordgrenze von Belarus. An dieser Grenze liegen die
       beiden Bündnismitglieder Litauen und Lettland. Aber könnte sich Belarus der
       russischen Vollinvasion anschließen?
       
       An den direkten Kampfhandlungen beteiligten sich die belarussischen
       Streitkräfte bislang nicht. Belarus stellte zwar sein Territorium und seine
       Infrastruktur zur Verfügung, entsandte aber keine eigenen Truppen an die
       Front.
       
       [3][Zu Beginn der Vollinvasion im Februar 2022] griff die russische Armee
       die Ukraine auch von belarussischem Territorium aus an. Die Offensive gegen
       Kyjiw erfolgte dabei über zwei Achsen: durch die Region Prypjat sowie über
       Tschernihiw.
       
       ## Russische Armee rückte bis in Kyjiws Außenbezirke vor
       
       Von der belarussisch-ukrainischen Grenze bis zur ukrainischen Hauptstadt
       sind es nur circa 100 Kilometer. Damals gelang es den russischen Truppen,
       innerhalb eines einzigen Tages bis zu den Außenbezirken Kyjiws vorzurücken.
       
       Heute erscheint ein solcher Vorstoß jedoch kaum noch vorstellbar. Die
       ukrainischen Streitkräfte haben ihre Verteidigungsstellungen entlang der
       Nordgrenze stark ausgebaut und die Region auf einen möglichen neuen Angriff
       vorbereitet.
       
       Russland nutzte während der Invasion Militärstützpunkte und Flugplätze auf
       belarussischem Territorium, startete von dort Raketenangriffe auf die
       Ukraine und behandelte verwundete Soldaten in belarussischen
       Militärkrankenhäusern.
       
       Die belarussischen Streitkräfte umfassen derzeit etwa 49.000 Soldaten. Im
       Kriegsfall könnten sie durch schätzungsweise 150.000 bis 300.000
       Reservisten verstärkt werden. Rund 6.500 Soldaten und Unteroffiziere dienen
       auf Vertragsbasis, zudem werden Reservisten unter den Offizieren regelmäßig
       zu Übungen und Einsätzen einberufen. Die Armee verfügt überwiegend über
       modernisierte Waffensysteme und Militärtechnik aus sowjetischer Produktion.
       
       ## Die Armee von Belarus wäre zu schwach für einen Angriff
       
       Militärexperten bezweifeln allerdings, dass Belarus mit seinen Kräften eine
       groß angelegte Offensive gegen die Ukraine erfolgreich durchführen könnte.
       Als deutlich realistischer gilt derzeit das Szenario, dass Belarus sein
       Territorium erneut für russische Militäraktionen zur Verfügung stellt.
       Unabhängige Belege für konkrete Vorbereitungen einer solchen Offensive
       liegen bislang jedoch nicht vor.
       
       Das Institute for the Study of War (ISW) weist ebenfalls darauf hin, dass
       Russland derzeit wahrscheinlich nicht über ausreichende Reserven verfügt,
       um eine neue Großoffensive von belarussischem Territorium aus zu starten.
       
       Die Analysten des ISW gehen jedoch davon aus, dass Moskau versuchen könnte,
       Alexander Lukaschenko dazu zu bewegen, belarussisches Territorium für
       Drohnenangriffe auf die West- und Nordwestukraine zur Verfügung zu stellen.
       Mögliche Ziele könnten dabei auch wichtige Bahnverbindungen sein, über die
       Waffen und Hilfsgüter aus Polen in die Ukraine gelangen.
       
       Bislang wurden derartige Angriffe von belarussischem Gebiet aus jedoch
       nicht registriert.
       
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       10 Jun 2026
       
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