# taz.de -- Trump in Spiegelsaal: Kein neues Versailles
       
       > Endlich endet der sinnlose Krieg zwischen Iran und den USA, der das
       > Regime womöglich noch stabilisiert hat. Vieles ist noch unklar, trotzdem
       > ist es ein Grund zum Aufatmen.
       
 (IMG) Bild: Unterschrift in historischer Kulisse: Donald Trump ist in Gedanken schon woanders, während Präsident Macron ihm das Schloss zeigt
       
       Ob der US-Präsident wusste, welche Assoziationen die geschichtsträchtige
       Kulisse weckt? Ausgerechnet in Versailles setzte Donald Trump seine
       Unterschrift unter das [1][Rahmenabkommen, das den Irankrieg beenden] soll.
       Und so, als wäre es 1919, fielen manche Reaktionen aus: Kritiker auch
       hierzulande sprachen von „Katastrophe“ und „Kapitulation“. Die Falken und
       Kriegstreiber sind enttäuscht, denn sie hatten sich zu viele Illusionen
       gemacht.
       
       Noch sind viele der Fragen offen, über die in den nächsten 60 Tagen in der
       Schweiz verhandelt werden soll. Die [2][Zukunft des iranischen
       Atomprogramms ist unklar, auch über sein Raketenprogramm will Teheran nicht
       verhandeln]. Unklar ist ebenso, ob Trump Israels Premier Benjamin Netanjahu
       dazu bewegen kann, seine Truppen aus dem Süden des Libanons abzuziehen, wie
       es das Abkommen vorsieht. Klar ist aber, dass dessen hochfliegende „Regime
       Change“-Fantasien nun zerschellt sind. Es waren Luftschlösser, in die sich
       Schah-Sohn Reza Pahlavi und seine Anhänger schon eingerichtet hatten.
       
       Trump begründet sein Einlenken damit, dass sonst eine Weltwirtschaftskrise
       wie 1929 gedroht hätte. Er wolle kein Herbert Hoover sein, der damals
       US-Präsident war, sagte er. Was er unterschlägt: Es war kein plötzlicher
       Börsencrash, der diese Krise ausgelöst hat, sondern er selbst mit seinem
       unbedachten Angriff auf Iran. Die Energiepreise sind deshalb explodiert,
       [3][Düngemittel wurden knapp]. Es kann zwar noch Monate dauern, bis sich
       die Handelsströme normalisieren und die Welt sich vom Energieschock erholt.
       Aber immerhin bleibt der Welt damit eine dramatische Hungerkrise erspart –
       vorausgesetzt, das Abkommen hält.
       
       Es ist gut, dass dieser Krieg endet. Er war völkerrechtswidrig, hat zu
       viele Tote gefordert und hätte nie begonnen werden dürfen. Um die Menschen
       in Iran ging es Trump und Netanjahu nie – das war nur eine nützliche Lüge.
       Vielmehr hat es dieser dumme Krieg den Menschen erschwert, sich aus dem
       Griff ihres Regimes zu lösen. Am Ende hat er das Regime womöglich
       stabilisiert.
       
       18 Jun 2026
       
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